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Das Rundschau-Haus 2002.

Ehemaliges FR-Areal

Heftiger Protest gegen die „Blechkiste“

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Der Entwurf des Architekten Hadi Teherani für das alte Rundschau-Gelände löst eine Debatte aus. Bürgermeister Olaf Cunitz (Grüne) und Jury-Vorsitzender Ferdinand Heide verteidigen die Entscheidung der Jury beim Wettbewerb.

Es ist ein geschichtsträchtiger Ort in der Frankfurter Innenstadt. Schräg gegenüber liegt der Eschenheimer Turm, dessen Bau auf das Jahr 1426 zurückgeht. In der Nachbarschaft steht das Haus Stiftstraße 36, in dem die Edel-Prostituierte Rosemarie Nitribitt lebte und 1957 ermordet wurde. Und auf dem Eckgrundstück Stiftstraße / Große Eschenheimer Straße stand von 1953 bis 2006 das Rundschau-Haus: Das Gebäude, in dem die Frankfurter Rundschau produziert wurde.

Fast ein Jahrzehnt war das Areal dann eine hässliche Brachfläche mitten in der City, nachdem das Rundschau-Haus bis Mai 2006 komplett abgerissen worden war. Doch jetzt steht der Projektentwickler Strabag Real Estate kurz davor, einen Bauantrag im Römer einzureichen, wie ein Unternehmenssprecher in Köln sagt. Entstehen sollen auf 23 000 Quadratmetern Bruttogeschossfläche ein Hotel, Büros, Läden – und mindestens 150 Wohnungen. Auf diese Wohnungen hatten die schwarz-grüne Stadtregierung und Bürgermeister Olaf Cunitz (Grüne) besonderen Wert gelegt.

Die Stadt ist denn auch zufrieden mit der Entwicklung. Doch der siegreiche architektonische Entwurf des Architekten Hadi Teherani hat eine vehemente Diskussion ausgelöst. Kritiker werfen dem Hamburger Architekten mit iranischen Wurzeln vor, er habe mit seinem Team keinerlei Rücksicht auf die Geschichte und die Umgebung des Ortes genommen (siehe Gastbeitrag). Eine gesichtslose Investoren-Architektur sei entstanden, die ebensogut in Sidney oder Bangkok stehen könnte.

Der renommierte Frankfurter Architekt Christoph Mäckler zieht im Deutschen Architektenblatt vom Leder: „Wenn man nun wie Hadi Teherani aus Hamburg am ältesten Stadttor Frankfurts aus dem 12. Jahrhundert eine Blechkiste baut, dann zerstört man diesen Ort, weil man nicht erkannt hat, was er für die Stadt bedeutet.“ Bürgermeister und Planungsdezernent Cunitz verteidigt die Entscheidung der Jury unter dem Vorsitz von Ferdinand Heide. „Es war nicht gefragt, an das alte Rundschau-Gebäude zu erinnern, gefragt war ein Haus, das mit der sensiblen Situation gut umgeht“, sagt Mark Gellert, der Sprecher des Bürgermeisters. Kein anderer Entwurf weise eine so hohe Funktionalität auf, betont Gellert.

Auch Architekt Heide, der Vorsitzende der Jury, weist mit Nachdruck daraufhin, es sei nicht die Aufgabe gewesen, eine Reminiszenz für das alte Rundschau-Haus zu schaffen: „Es kann nicht nur darum gehen, Bilder zu bedienen.“ Gerade bei Nicht-Fachleuten, das sei ihm bewusst, schnitten Entwürfe gut ab, die an Vertrautes erinnerten. Darum gehe es aber nicht. Vielmehr sei es der Wunsch des Investors gewesen, eine „einmalige Architektur“ entstehen zu lassen – und das sei gelungen.

Aber auch in der Jury-Entscheidung spiegelt sich, dass man von den Entwürfen erst einmal nicht so überzeugt war. Im April, in der ersten Sitzung, waren zunächst nur zwei zweite Preise vergeben worden, an Architekt Teherani und an das Berliner Büro Müller Reimann. Erst nach Überarbeitung setzte sich im Mai dann Teherani durch. Auf der Strecke blieb der Drittplatzierte des Wettbewerbes, das Frankfurter Büro Tek To Nik. Architekt Manfred Wenzel und sein Team hatten als einzige in ihrem Entwurf die alte runde Ecke des Rundschau-Hauses wieder aufgegriffen. Doch das war offensichtlich nicht gewollt.

„Wir waren der leidenschaftliche Dritte, die der FR ein Denkmal setzen wollte“, sagt Architekt Wenzel selbstironisch. Er weist die Einschätzung des Jury-Vorsitzenden Heide zurück, es dürfe nicht um Bilder gehen: „Das Interesse der Öffentlichkeit ist, welches Bild die Stadt hat.“

Vom siegreichen Architekten Teherani in Köln ist keine Stellungnahme zu erhalten.

Aus seinen Erfahrungen beim Wettbewerb für das Rundschau-Gelände leitet Wenzel die Forderung ab: „Es sollte transparentere Regeln für die Wettbewerbe geben“, insbesondere wenn, wie in diesem Fall, die Stadt Frankfurt mit zu den Auslobern gehöre.

In dem neuen Gebäude sieht der siegreiche Architekt Teherani Läden im Erdgeschoss vor. Angrenzend an das Palais Thurn und Taxis an der Großen Eschenheimer Straße entsteht ein eigener Baukörper mit Wohnungen. Wie der Strabag-Sprecher in Köln sagt, ist noch nicht entschieden, ob Miet- oder Eigentumswohnungen gebaut werden.

Entlang der Stiftstraße liegt dann der Bauteil mit dem Hotel. Die Büros sind in den oberen Geschossen des Mittelbaus untergebracht.

Alle drei Bauteile weisen maximal acht Geschosse auf, also eine Gesamthöhe, die 26 Meter nicht übersteigt. Ende 2017, Anfang 2018 sollen die drei Teile des neuen Gebäudes bezugsfertig sein. Derzeit sind die ersten Gespräche mit künftigen Mietern im Gange. Vertragsabschlüsse aber, so heißt es aus Köln, gebe es noch nicht.

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