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Die Anwohner rechnen während des Abrisses des Glauburgbunkers mit schweren Beeinträchtigungen.

Frankfurt-Nordend

Der Glauburgbunker wird plattgemacht

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Abrissarbeiten im Frankfurter Nordend: Wo heute der Glauburgbunker steht, soll es  künftig Wohnungen geben. Für die Anwohner bedeutet das eine monatelange Belastung. 

Die Tage des Glauburgbunkers sind gezählt. Mit dem Abbruch des Gebäudes an der Ecke Schwarzburg-/Lortzingstraße soll bereits im Herbst begonnen werden. Bis 2021 möchte die Delom-Wohnbau GmbH dort einen Neubau mit 43 Wohnungen, Raum für soziale und kulturelle Nutzung sowie ein Café im Erdgeschoss errichten. Der Frankfurter Projektentwickler hat die Pläne am Mittwochabend in einer Informationsveranstaltung für Nachbarn vorgestellt. Rund 100 Bürger waren zugegen. Die meisten äußerten Sorgen über die monatelange Belastung durch den bevorstehenden Abriss, den viele ablehnten – darunter auch eine Bürgerinitiative.

Zwei Sprengungen täglich

Doch Delom-Geschäftsführer Dominic Reinemer machte klar, dass es zum Abbruch keine Alternative gebe. Seine Gesellschaft habe in den vergangenen zwei Jahren mehrere Varianten prüfen lassen und mit der Stadt abgesprochen. Demnach sei ein wirtschaftlicher Umbau des Hochbunkers, in dem bis 2016 das Explora-Museum untergebracht war, nicht möglich. Vor allem für eine geplante öffentliche Teilnutzung fehlten etwa Fluchtwege und Stellplätze, der Brandschutz sei ungenügend.

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Da er um die Bedeutung des Gebäudes im Stadtteil wisse, habe er die Veranstaltung organisiert, obwohl es für das Vorhaben bislang nur eine Bauvoranfrage und einen Abbruchantrag gibt, sagte Reinemer. Planungsdezernent Mike Josef hat aber bereits mitgeteilt, dass er diese positiv bescheiden werde (die FR berichtete). Derzeit ruht das Vorhaben, da das Baudezernat noch über einen Eintrag im Grundbuch über die bisherige kulturelle Nutzung verhandelt.

Abbruchunternehmer Robert Zeller erläuterte, dass es etwa neun Monaten dauere, den Bunker abzureißen. Anfänglich werde der Anbau abgetragen, später, für sechs Monate, das eigentliche Gebäude. Mit täglich zwei bis drei „Lockerungssprengungen“ unter schweren Gummimatten müssten die Anwohner rechnen. Die Belastung sei nicht stark („nur ein leichter Knall“), daran würden sich die Nachbarn gewöhnen, sagte er – und sorgte für höhnisches Gelächter. Zum Schutz der Anwohner vor Lärm und Staub sollen um den Bunker große Seecontainer gestapelt werden, drei Stück übereinander, etwa sieben Meter hoch, sagte Zeller.

Maßnahmen gegen Staub und Lärm 

Der Bunker soll ab Herbst abgerissen werden. Bis 2021 soll ein U-förmiger Neubau mit 43 Wohnungen entstehen, 30 Prozent davon als geförderter Wohnungsbau. Das Erdgeschoss soll für soziale und kulturelle Nutzung bereitgestellt werden, dort ist auch ein Café vorgesehen.

Mit dem Glauburgbunker beschäftigt sich der Ortsbeirat 3 auch in seiner Sitzung am 22. August. Dann sollen neben der Delom GmbH auch Vertreter der städtischen Ämter zugegen sein.

Zur angrenzenden Kita ist ein Schutzgerüst geplant. Die dortige Bunkermauer werde als letztes fallen und dadurch zusätzlichen Schutz bieten. Der Staub werde mit Wasser gebunden. Lärmintensive Arbeiten fänden ausschließlich unter der Woche statt. Zudem möchte sich Delom mit der Schwarzburgschule und der angrenzenden Kita absprechen. Dazu soll auch ein Treffen mit beiden Einrichtungen und Vertretern der Stadt stattfinden.

Angedient werden soll die Baustelle von der Glauburgstraße über die Lortzingstraße. Die Lkw würden über die Schwarzburgstraße abfahren, sagte Zeller. Im Schnitt sei täglich mit fünf bis sechs Transporten zu rechnen, insgesamt mit 550. Doch werde es auch längere Zeiten ohne Fahrten geben. Insgesamt müssten etwa 12 000 Tonnen Schutt abtransportiert werden. Mit Schadstoffen sei nicht zu rechnen, es gebe nur belastetes Dämmmaterial, das im Inneren in Kunststoffsäcke verpackt werde, erläuterte Architekt Eckart von Schwanenflug. Asbest gebe es keinen. Reinemer kündigte an, vor Baubeginn sollten sämtliche anliegenden Gebäude auf Schäden vermessen werden. Während des Abbruchs würden Schwingungsmesser eingesetzt, die Alarm schlügen, falls ein angrenzendes Wohnhaus zu stark in Bewegung gerate.

Vielen Besuchern der Infoveranstaltung genügte das nicht. Sie stellten infrage, dass ein Bunkerabbruch neben einer Schule überhaupt möglich ist. „Wie sollen die Kinder da arbeiten, wenn es ständig knallt?“, fragte eine Besucherin. Sorgen machten sich auch viele Teilnehmer darüber, dass der Glauburgplatz beeinträchtigt werde. Während der Bauzeit, aber auch danach. Auf den Plänen wirke der Platz wie das Entree zum Gebäude, monierten Bürger. Reinemer entgegnete, die Stadt wünsche, dass sich der Neubau zum Platz öffne. Die Grünfläche selbst werde nicht tangiert.

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Kommunikation der Stadt eine „Frechheit“

Das gesamte Erdgeschoss werde für eine öffentliche, kulturelle Nutzung zur Verfügung gestellt. Er wolle die Fläche für einen günstigen Preis von 10 Euro pro Quadratmeter vermieten. Wie sie belegt werden soll, sei noch offen. „Machen Sie Vorschläge“, bat Reinemer. Denkbar sei, dort Schulräume unterzubringen. Oder dass die Bürgerinitiative die Fläche bespiele.

Diese wiederum hatte sich verwundert über den bevorstehenden Abriss gezeigt. Es sei eine „Frechheit“, dass die Stadt dies noch nicht kommuniziert habe, sagte BI-Sprecher Ulrich Rathgeb. Eine Frau kritisierte, dass die Stadt für den Erhalt und die Umnutzung des Bunkers kein Geld in die Hand genommen habe.

Informationen zum Projekt gibt das Kommunikationsunternehmen BCC telefonisch unter 900 288 826, E-Mail info@baustelle-lortzingstrasse.de, Internet www.baustelle-lortzingstrasse.de.

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