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Gebäude wie Ufos

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Von: Bernadette Weimer

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Die Gehry-Häuser in der Siedlung Goldstein.
Die Gehry-Häuser in der Siedlung Goldstein. © Christoph Boeckheler

Der Stararchitekt Frank O. Gehry baute zwischen 1994 und 1996 in Goldstein 162 öffentlich geförderte Sozialwohnungen.

Die Fassaden sind weiß, gelb und rot – nichts Besonderes. Auffällig gestaltet hingegen sind die Hauseingänge und Balkons in der Frankfurter Goldstein-Siedlung. Futuristisch anmutende Zinkblechhauben verkleiden die Eingänge, die Balkons strecken sich wie ineinandergesteckte Bauklötze in die Höhe.

„Wir nennen diese Häuseransammlung hier Gehry-Siedlung. Ich habe aber gehört, dass Nachbarn, die nicht hier wohnen, auch Containersiedlung sagen“, sagt Dilek Kurukafa. Seit zwei Jahren wohnt die 44-Jährige mit ihrer Familie in der Straßburger Straße, die Stararchitekt Frank O. Gehry entworfen hat.

Die Grünflächen, die sich zwischen den Häusern wie kleine Parks auftun, die Atmosphäre – Kurukafa gefällt es in der Siedlung. „Es erinnert mich hier ein bisschen an die Türkei. Bei uns im Viertel sah es so ähnlich aus“, erzählt sie. Kurukafas Tochter Hatice hingegen empfindet das architektonische Spiel von Form und Farbe nicht sonderlich kreativ. „Für mich sieht es so aus, als wäre es für Leute, die weniger Geld haben.“

Tatsächlich entstanden zwischen 1994 und 1996 in Goldstein, das zum Stadtteil Schwanheim zählt, 162 öffentlich geförderte Sozialwohnungen für damals etwa 51,5 Millionen DM. Bauherr war die Nassauische Heimstätte, eines der führenden deutschen Wohnungsunternehmen. Ihr gehören die Wohnungen noch heute.

Gebäude wirken wie Ufos

Im Vergleich zu anderen Häusern in der Umgebung wirken Gehrys Gebäude wie Ufos, die auf dem falschen Planeten gelandet und ziemlich in die Jahre gekommen sind. Das Blech glänzt nicht mehr, Schimmel zeichne sich schon seit ein paar Jahren von außen an den Wänden ab, sagt Mieter Alexander Kaiser. Seit es die Siedlung gibt, wohnt der 74-Jährige dort und fühlt sich trotz seiner Kritik wohl. „Schlecht ist es hier nicht, es sieht schon gut aus“, findet Kaiser. Der 26-jährige Max Fliege hingegen äußert sich eher teilnahmslos. „Mir gefällt es hier, es ist ganz normal, es ist nichts Besonderes“, sagt er.

Voller Formen und Farben, ineinander verkeilt, asymmetrisch verschoben: Gehry macht bei seinen Bauten die Abweichung zur Norm und ist gerade deswegen so erfolgreich. Das Guggenheim-Museum in Bilbao, das „Tanzende Haus“ in Prag, das Vitra Design Museum in Weil am Rhein strahlen Extravaganz und Eigenwilligkeit aus. In Goldstein zeigen sich Gehrys Häuser dagegen vergleichsweise konventionell, ohne das besondere Etwas, das man sonst von ihm gewohnt ist.

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