Wohnen

Frankfurt: Wenn Obdachlosigkeit droht

Ein Fachtag diskutiert die Folgen steigender Mieten für Jugendliche, die die Hilfseinrichtungen verlassen.

Junge Menschen, die sich aus Hilfseinrichtungen in die Selbstständigkeit wagen, haben es zunehmend schwerer, eine Wohnung zu finden. Immer öfter führt sie das in die Obdachlosigkeit. Mit diesem Trend beschäftigten sich am Donnerstag Vertreter aus Jugend- und Sozialarbeit beim „Fachtag Wohnen: Perspektive Straße?“.

Veranstaltet wurde er vom Christlichen Jugenddorfwerk Deutschlands (CJD) zusammen mit der Caritas Hessen im Frankfurter Haus der Jugend.

„Wohnen ist eines der elementarsten Grundbedürfnisse des Menschen“, stellte die Schirmherrin Elke Büdenbender, Juristin und Frau des Bundespräsidenten, klar. Sie bedauere es, wenn dieses gerade Jugendlichen, die sich in stationären Einrichtungen der Jugendhilfe „auf den richtigen Weg gekämpft haben“, verwehrt bleibe.

Vor allem in den Ballungsräumen, wo die Mieten explodieren, hat sich die Situation zugespitzt. Dem Deutschen Jugendinstitut zufolge hatten 2018 bundesweit 37 000 Menschen bis zum Alter von 26 Jahren keinen festen Wohnsitz.

Die Organisatorin Petra Densborn vom CJD sagte, sie hätte alles dafür getan, Büdenbender und die Tagung von Berlin extra nach Frankfurt zu holen. Hier sei das Problem wegen der Mietpreise und Einkommensverteilung „noch größer“.

Unmöglich, neue Wohnungen anzumieten

Buran Barrie ist 19 Jahre alt und stammt aus Sierra Leone. Mit 15 kam er alleine nach Deutschland. In Hanau und Frankfurt fand er beim CJD eine Bleibe und später einen Ausbildungsplatz. Doch nun steht sein Leben hier auf der Kippe. In einem knappen halben Jahr ende die Jugendhilfe für ihn: „Ich habe keine Ahnung, was ich danach machen soll. Das macht krank.“ Obwohl er schon auf etliche Wohnungsanzeigen reagiert habe, erhalte er keine Antwort oder nur Absagen. Ohne Dach über dem Kopf, so fürchtet er, „kann es sein, dass ich meine Ausbildung abbrechen muss“.

Jan Baltruschat vom CJD Rhein-Main zufolge finden derzeit nur noch die Hälfte derer, die aus den Einrichtungen der Region aussteigen, eine Wohnung. Doch nicht nur für die Jugendlichen sei die Lage kritisch. Selbst die Einrichtungen und Träger der Jugendhilfe gerieten unter Druck. 16 Wohnungen mit 25 Plätzen stünden dem CJD in Frankfurt, vor allem in Oberrad, zur Verfügung. Doch seit die Mietpreise stiegen, sei es unmöglich, neue Wohnungen anzumieten.

Die Teilnehmer sprachen sich daher für mehr sozialen Wohnungsbau aus. Zudem forderten sie, dass Jugendhilfe, wie es das Gesetz vorsehe, länger zugeteilt und auch um eine Option zur Rückkehr in Einrichtungen ergänzt werden solle.

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