Wohnungsmarkt

Frankfurt: Josef will Wohnen im Osthafen

  • Claus-Jürgen Göpfert
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Der Planungsdezernent schlägt einen Runden Tisch für eine neue Verteilung der Flächen im Ostend vor: mit der Stadt, den Firmen des Hafens, aber auch Wohnungsbauunternehmen.

Vor mehr als einem Vierteljahrhundert war der damalige Frankfurter Planungsdezernent Martin Wentz (SPD) mit seiner Absicht gescheitert, den Osthafen der Stadt zu einem Wohngebiet umzuwidmen. Der damalige Koalitionspartner im Römer, die Grünen, verweigerten ihre Unterstützung. Aber auch die Industrie- und Handelskammer (IHK), die Gewerkschaften und die CDU machten sich dafür stark, dass der Osthafen ein Gewerbestandort bleibt. Jetzt unternimmt der gegenwärtige Planungsdezernent Mike Josef (SPD) einen neuen Vorstoß für den Bau von Wohnungen in einem Teil des Osthafengeländes. „Es sollte im Osthafen eine Mischung von Wohnen und Gewerbe geben“, so Josef im Gespräch mit der FR.

Der 140 Hektar große Hafen am nördlichen Mainufer im Ostend ist eine städtische Fläche, die vor allem an Unternehmen vergeben ist, die Massen- und Stückgut umschlagen und viele Container auf Straße und Schiene bringen. Es gibt vier Hafenbecken. Josef argumentiert, dass schon heute etliche Firmen, die hier ansässig sind, nicht mehr zwingend darauf angewiesen seien, am Flusslauf zu liegen. Durch die Ansiedlung der Europäischen Zentralbank (EZB) im Ostend erhalte die Entwicklung der Stadt Frankfurt einen Schub Richtung Osten. Wohngebiete rückten dem Hafengebiet immer näher. „Es gibt Wohnungsbau am Hafen, etwa auf dem Honsell-Dreieck und auf dem ehemaligen Daimler-Areal an der Hanauer Landstraße gegenüber dem Osthafenplatz.“

Schon jetzt existierten im Hafengebiet Nutzungen, die mit dem ursprünglichen Zweck des Hafens nichts zu tun hätten, etwa Rechenzentren und Bürogebäude. Die städtischen Hafenbetriebe hätten deren Ansiedlung forciert.

Planungsdezernent schlägt Runden Tisch vor

Planungsdezernent Josef schlägt nun einen Runden Tisch vor: mit der Stadt, den Firmen des Hafens, aber auch Wohnungsbauunternehmen. Es gehe nicht darum, die ganze Fläche des Osthafens für Wohnungsbau umzunutzen. „Es gibt hafenaffine, funktionierende Gewerbebetriebe, die bleiben müssen.“

Josef plädiert für eine Neuverteilung der Flächen. „Der Fehler der Politik in den 90er Jahren war, nicht alle Akteure eingebunden zu haben, die für den Osthafen wichtig waren“, erklärte Josef im Rückblick. Das müsse die Stadt jetzt anders machen. Bereits im Integrierten Stadtentwicklungskonzept (ISTEK), vom Stadtparlament 2019 beschlossen, habe er den Osthafen als Mischgebiet von Wohnen und Gewerbe verankern wollen. „Da gab es großen Widerstand der CDU, das wurde von der CDU abgelehnt.“

Josef kritisierte den Plan der CDU, einen Neubau der Städtischen Bühnen im Osthafen zu verwirklichen, auf dem städtischen Grundstück Mayfarthstrasse 14, das an den Baustoffhandel Raab-Karcher verpachtet ist. Diese Fläche sei zu schlecht erschlossen. Außerdem entstünden Kosten, um das langfristige Nutzungsrecht abzulösen, das Raab-Karcher für das Areal besitzt.

Der Planungsdezernent plädierte für einen Verbleib von Oper und Schauspiel im Herzen der Stadt. „Die Politik müsste jetzt über den Standort der Bühnen entscheiden“, sagte der Stadtrat. Das werde aber wegen der unterschiedlichen Standpunkte in der Römer-Koalition von CDU, SPD und Grünen nicht mehr vor der Kommunalwahl im Frühjahr 2021 geschehen.

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