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Steiler Zahn: Die Visualisierung zeigt, wie das neue Super-Wohnhochhaus aussehen wird.

„Tower 2“

Frankfurt bekommt höchstes Wohnhaus

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Am Eingang zum Frankfurter Europaviertel wird das höchste Wohnhaus Deutschlands gebaut: Im „Tower 2“, so der Arbeitstitel, sollen auf 47 Stockwerken rund 400 hochwertige Eigentumswohnungen entstehen. 160 Meter hoch wird das Gebäude sein.

Anfang kommenden Jahres soll neben dem Einkaufszentrum Skyline Plaza in der Nähe der Messe der Bau eines 47-geschossigen Wohnturms beginnen, der bei seiner Fertigstellung das höchste Wohngebäude Deutschlands sein dürfte. Wie das städtische Planungsdezernat am Dienstag bestätigte, liegt inzwischen die Baugenehmigung für das Hochhaus vor, das 160 Meter messen und damit das Kölner Colonia-Haus noch überragen wird. Dieses schon 1973 errichtete Hochhaus gilt mit 147 Metern als das höchste hauptsächlich zu Wohnzwecken genutzte Gebäude in Deutschland.

Der Rohbau des neuen Henninger-Turms in Sachsenhausen, der in einem Jahr bezogen werden soll, ragt 140 Meter in die Höhe. In einem von Tishman Speyer geplanten 185 Meter hohen Turm auf dem früheren Metzler-Areal im Bankenviertel sollen zwar auch Wohnungen entstehen, allerdings nur in den mittleren Stockwerken.

401 Eigentumswohnungen entstehen nach den am Dienstag vom Berliner Bauherrn GSP Städtebau präzisierten Plänen in dem neuen Wohnturm am Eingang zum Europaviertel. Das sind gut 60 mehr als zunächst geplant. Schon Silvester 2018 sollen die Bewohner den Jahreswechsel im bisher noch namenlosen, nur unter dem Arbeitstitel „Tower 2“ bekannten Hochhaus erleben können, verspricht der Investor. Angrenzen wird das Hochhaus an ein Adina-Hotel, das seit einigen Wochen in die Höhe wächst. Ein weiterer Nachbar ist die Sparda-Bank östlich der Osloer Straße.

42 bis 270 Quadratmeter

Geplant sind dem Investor nach Apartments mit 42 Quadratmetern Fläche sowie Zwei- bis Vier-Zimmer-Wohnungen mit 55 bis 120 Quadratmetern. Die Penthousewohnungen sollen 187 bis 270 Quadratmeter groß sein, 420 Autos in einem neuen Parkhaus Platz finden. Zu Preisen äußert sich der Bauherr noch nicht. Mit dem Vertrieb will er im Frühjahr kommenden Jahres beginnen.

Bürgermeister und Planungsdezernent Olaf Cunitz (Grüne) zeigt sich froh, dass der Turm nach den in einem Architektenwettbewerb siegreichen Plänen des Frankfurter Büros Magnus Kaminiarz & Cie entsteht. „Das neue Gebäude setzt mit seiner beeindruckenden Architektur ein Zeichen für das moderne Frankfurt“, lässt er sich von GSP Städtebau zitieren.

Frankfurt ist der Vorreiter beim bundesweiten Trend zum Wohnturm. Kräftig in die Höhe gebaut wird vor allem im Europaviertel. Fast fertig sind die „Axis“ und „Westside-Tower“ genannten Hochhäuser am westlichen Ende der Europa-Allee, im Bau der „Praedium“-Turm an der DB-Zentrale. Im kommenden Jahr sollen außer den Arbeiten am 160-Meter-Turm am Skyline Plaza auch die am Projekt „Cascada – Rising Residences“ an der DB-Zentrale beginnen sowie die am „Porsche Design Tower“ an der Emser Brücke.

Gut 1370 Wohnungen entstehen allein in den genannten sechs Wohntürmen im Europaviertel. Sie alle werden aber nur für Menschen, die sehr gut verdienen oder geerbt haben, bezahlbar sein. Viele der Wohnungen dürften als Kapitalanlage dienen, nicht wenige öfter leerstehen.

Dass Wohnhochhäuser nicht nur in Frankfurt vor einer Renaissance stehen, hat nicht nur mit fehlenden Bauflächen, der großen Nachfrage nach Wohnraum und dem daraus entstehenden Zwang zur Verdichtung zu tun. Nach einer Studie von Sition Property Marketing und OC&C Strategy Consultants hat sich auch das Image der Hochhäuser deutlich gewandelt.

Die schlechten Erfahrungen mit den in Ost und West gebauten Großsiedlungen der 1960er und 1970er Jahre verblassen der Untersuchung nach inzwischen. Nun sehe die Mehrheit der Deutschen den Bau von Wohnhochhäusern positiv. Fast die Hälfte der bei einer repräsentativen Umfrage befragten Menschen konnten sich der Studie nach vorstellen, in ein Hochhaus zu ziehen. Klare Vorbehalte zeigen sich allerdings, sobald Hochhäuser in der eigenen Nachbarschaft entstehen sollen. 42 Prozent der Befragten gaben an, sie fänden ein Hochhaus neben der eigenen Wohnung sehr schlecht oder schlecht.

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