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Knapper Platz, also großes Gedränge: Frankfurts größte Baustelle, wo das Projekt "Four" mit vier Hochhäusern entsteht.

Wohnquartier "Four"

Eine der größten Baustellen Europas

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Im Frankfurter Bankenviertel beiderseits der Junghofstraße wächst seit Frühjahr 2018 das neue Geschäfts- und Wohnquartier "Four".

Der Strom der Automobile drängt sich durch eine schmale Schlucht, die von der Junghofstraße geblieben ist. Links stützt ein Gerüst allein noch die denkmalgeschützte Fassade eines alten Bürohauses, dahinter gähnt Leere. Rechts stehen nur noch die Treppenhäuser des früheren Bürogebäudes, ein wirres Geflecht von Eisenbändern ragt heraus. Das also ist eine der größten Baustellen Europas.

Zwischen Junghofstraße, Große Gallusstraße und Neue Schlesingergasse wächst seit Frühjahr 2018 das neue Geschäfts- und Wohnquartier „Four“. Auf engstem Raum sollen bis 2023 vier neue Hochhäuser einschließlich eines verbindenden mehrgeschossigen Sockelgebäudes entstehen.

„Der Abbruch von fünf alten Gebäuden und das Ausheben der Baugrube sind genehmigt“, sagt Mark Gellert, Sprecher von Frankfurts Planungsdezernent Mike Josef (SPD).

Tatsächlich sind die früheren Bauten bereits komplett verschwunden, der Blick geht über die leere Fläche bis zur Skyline dahinter. Nur die denkmalgeschützte Fassade des ehemaligen Bürohauses an der Junghofstraße ist stehengeblieben, einschließlich eines als historisch eingestuften Foyers des früheren Hauses Junghofstraße 11.

Bis zu 1000 Menschen sollen hier auf dem 16.200 Quadratmeter großen Grundstück von „Four“ mal wohnen, bis zu 4000 Personen am Ende hier im Frankfurter Bankenviertel arbeiten. Der Entwurf stammt vom Amsterdamer Architekturbüro UN Studio. Die Grundstücksentwicklungsgesellschaft Groß & Partner investiert etwa eine Milliarde Euro. Alle Anfragen der FR bei Groß & Partner bleiben unbeantwortet.

Es ist eine enorme Verdichtung auf relativ kleiner Fläche, die sich hier vollzieht. Im April 2019, so erwartet es das Planungsdezernat, werden die Bauanträge für die vier Türme eingereicht. Neben Büros sind etwa 650 Wohnungen geplant.

Groß & Partner hebt in einer schriftlichen Erklärung hervor, dass neuer, öffentlicher Raum in einem Teil der Innenstadt entstehe, der zuvor mehr als 45 Jahre lang nicht allgemein zugänglich gewesen sei. Tatsächlich standen an der Junghofstraße über Jahrzehnte Bürogebäude der Deutschen Bank, die in den vergangenen Jahren gar nicht mehr genutzt wurden. Die Bank verkaufte an Groß & Partner.

„Wir versprechen uns eine Belebung für das Bankenviertel“, so Josefs Sprecher Gellert. Von der Goethestraße her soll künftig eine „Lauflage“ bis zur Junghofstraße wachsen. Ein Dachgarten des Sockelbaus wird öffentlich zugänglich. Um die Menschen anzulocken, gibt es neben Hotels künftig Gastronomie und Einzelhandel, der in einer öffentlichen Mall konzentriert wird. Mietverträge sind bereits mit den Hotelkonzernen Hyatt und Kimpton abgeschlossen worden.

Insgesamt errichtet der Investor Gebäude mit einer Bruttogeschossfläche von 210.500 Quadratmetern. Die vier Hochhäuser erreichen im Einzelnen eine Höhe von 228 Metern, 173 Metern, 120 und 100 Metern. Der höchste Turm an der Neuen Schlesingergasse mit 59 Stockwerken wird dann das dritthöchste Gebäude der Stadt sein. Es gibt eine gemeinsame Tiefgarage für alle Hochhäuser. Die beiden 173 Meter und 120 Meter hohen Wohntürme bergen in Zukunft öffentlich geförderte ebenso wie Eigentumswohnungen.

Das Milliardenprojekt war politisch noch vom früheren Planungsdezernenten und Bürgermeister Olaf Cunitz (Grüne) auf den Weg gebracht worden. Die große bauliche Verdichtung auf engstem Raum, die vom Stadtklima her bedenklich erscheint, hatte Cunitz stets verteidigt.

Groß & Partner ist in der gesamten Bundesrepublik auf die Entwicklung von Geschäftsquartieren spezialisiert. In Hamburg verwirklicht das Unternehmen gerade das sogenannte „Überseequartier Nord“ der Hafencity. In Frankfurt baut das Unternehmen neben „Four“ noch ein Hochhaus mit Luxuswohnungen und Hotel auf dem alten Campus der Goethe-Universität in Bockenheim. Dort, wo früher der Philosoph Theodor W. Adorno im AfE-Turm der Uni Kritische Theorie und Kapitalismuskritik gelehrt hatte, breitet sich heute kapitalistisches Wirtschaften in der Praxis aus.

Im Frankfurter Bankenviertel auf der anderen Seite der Junghofstraße entsteht das „Junghof Plaza“ nach dem Entwurf des Kopenhagener Architekturbüros Henning Larsen. Besitzer ist Triuva, eine Tochter von Patrizia Immobilien Investment. Hier werden alte Bürogebäude durch eine Mischung von Nutzungen ersetzt: 20.800 Quadratmeter Büros, 7600 Quadratmeter Hotel und 3000 Quadratmeter für Einzelhandel. Die neue Bebauung umschließt zwei Innenhöfe. Die Bruttogeschossfläche beträgt 33.000 Quadratmeter.

Die Projekte beiderseits der Junghofstraße wachsen zeitlich parallel, um die Belastung für die Allgemeinheit so gering wie möglich zu halten. Um die Anwohner vor Baulärm, Schmutz und Staub so weit wie möglich zu schützen, sind die Baustellen von Zäunen umgeben, die mit Planen verkleidet wurden. In der Neuen Schlesingergasse und an der Großen Gallusstraße steht eine Lärmschutzwand. Der Baustellenverkehr läuft nicht rund um die Uhr, sondern wird auf einzelne Zeitfenster beschränkt.

Für Fußgänger ist die Junghofstraße gegenwärtig komplett gesperrt. Für sie wäre auch tatsächlich kein Raum mehr. Schon für die Autos wird es heute eng hier.

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