So sollen die drei Türme an der Stiftstraße aussehen.
+
So sollen die drei Türme an der Stiftstraße aussehen.

Stadtentwicklung MyZeil

Drei Wohntürme für die City

  • Christoph Manus
    vonChristoph Manus
    schließen

Hinter dem Einkaufszentrum MyZeil könnten 500 neue Wohnungen entstehen. Normalverdiener werden sie sich allerdings wohl nicht leisten können. Selbst der preisgedämpfte Wohnraum, der entsteht, dürfte für viele nicht bezahlbar sein.

Mit dem Abriss eines früher von der Telekom genutzten Bürokomplexes sollen im Sommer hinter dem Einkaufszentrum MyZeil die Arbeiten für das größte Wohnbauprojekt in der Frankfurter Innenstadt seit Jahren beginnen. Der Hamburger Projektentwickler Becken will dort nach einem Entwurf des Frankfurter Architekturbüros Magnus Kaminiarz einen 85 Meter, einen 60 Meter und einen 44 Meter hohen Wohnturm sowie ein flacheres Wohngebäude errichten. Mehr als 500 Wohnungen könnten in dem Areal an der Stiftstraße entstehen. Sie sollen nach dem am Donnerstag von Becken-Geschäftsführer Stefan Spilker vorgestellten Zeitplan Mitte des Jahres 2020 bezogen werden.

Noch im November war lediglich von 250 bis 300 Wohnungen die Rede gewesen. Nun setzt der erstmals in Frankfurt aktive Projektentwickler, der das Areal vor gut einem Jahr erwarb und nach eigenen Angaben etwa 200 Millionen Euro aus eigenen Mitteln investiert, auf den Bau kompakterer Einheiten. Zwar sollen diese nach eine Art Baukastensystem kombinierbar sein, auch bis zu 250 Quadratmeter große Wohnungen entstehen. Der größte Teil wird aber den bisherigen Plänen nach lediglich 50 bis 81 Quadratmeter umfassen.

Kleinere Wohnungen seien bei Käufern besonders gefragt, hieß es bei der Vorstellung der Pläne im Frankfurter Hof. Ansprechen will man mit dem Projekt auch ausländische Kapitalanleger und Menschen, die eine Zweitwohnung kaufen wollen. Man strebe aber an, dass mindestens 50 Prozent der Wohnungen von den Eigentümern genutzt werden, sagte Thomas Zabel, dessen Unternehmen Zabel Property den Vertrieb für das Projekt übernimmt.

Ausländische Käufer im Fokus

Wie viele Wohnungen genau verkauft, wie viele vermietet werden sollen, steht noch nicht fest. Erst im Herbst will man in den Vorvertrieb gehen. Nach bisherigen Plänen entstehen aber im größten der Türme Eigentumswohnungen, in mindestens einem der kleineren Hochhäuser auch Mietwohnungen. Der Projektentwickler hat sich in einem städtebaulichen Vertrag verpflichtet, 30 Prozent der neu entstehenden Fläche – mindestens 51 Wohnungen – zu moderaten Mietpreisen anzubieten. Haushalte, die bestimmte Einkommensgrenzen nicht überschreiten, sollen diese, wie Spilker ausführte, für Mieten von 9,10 Euro, 11,69 Euro und 14 Euro pro Quadratmeter erhalten können. Die Miethöhe sei für acht bis 20 Jahre festgeschrieben. Eine öffentliche Förderung nimmt Becken nicht in Anspruch. Baulicher Standard und Ausstattung entsprächen den sonstigen Wohnungen in den Türmen, hieß es.

Mieten von 14 Euro pro Quadratmeter seien nicht das Ziel des Versuchs, Investoren über städtebauliche Verträge zum Bau von 30 Prozent günstigen Wohnraums zu bewegen, sagte Mark Gellert, Sprecher von Planungsdezernent Mike Josef (SPD) gestern. Künftig strebe man daher an, dass in neuen Gebieten zu je 15 Prozent Sozialwohnungen und sogenannte Mittelstandswohnungen entstünden.

Was die nicht preisgebundenen Wohnungen kosten werden, wollten Spilker und Zabel am Donnerstag noch nicht sagen. Auch was man den Eigentümern und Mietern an Gemeinschaftsflächen bieten will, ist ihren Angaben nach noch nicht komplett abgestimmt. Klar sei, dass eine große hotelähnliche Lobby entstehe, in der ein Conciergeservice die Post annimmt und den Zugang kontrolliert, und man die Dächer nutzen werde. Eine große Kita soll in den Komplex ziehen, Lokale sollen Platz finden.

Die Bewohner sollen über einen neuen Eingang in das MyZeil gelangen können. Eine neue Tiefgarage wird mit der des Einkaufszentrums verbunden. Mit anderen Eigentümern will der Projektentwickler zudem versuchen, das Umfeld aufzuwerten, die Aufenthaltsqualität an der Stiftstraße zu verbessern, Kommentar

Mehr zum Thema

Kommentare