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Der Bagger frisst sich an der Werkshalle Formenwerk in den Boden hinein. Hier baut die Stadt Betriebshöfe.

Wohnen

Bau-Boom am Stadtpark in Höchst

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Im Osten des Stadtteils entstehen immer mehr Wohnhäuser. Initialzündung war die Entwicklung des Möbelcity-Wesner-Areals.

Wer an der Zuckschwerdtstraße aus der Tram steigt, sieht die Neubauten über den Bahndamm lugen. Das frische helle Grau ist deutlich vom dunklen Schiefer des benachbarten Altbaudaches zu unterscheiden. Auf dem ehemaligen VGF-Betriebshof an der Palleskestraße baut die ABG Frankfurt rund 250 neue Wohnungen. 85 Einheiten sind ab Juni bezugsfertig ab, sagt ABG-Chef Frank Junker. Für den zweiten Teil, zum Höchster Parkhaus hin, warten die Arbeiter noch auf Freigabe des Bebauungsplans. 2021, schätzt Junker, könnten die Gebäude stehen. 

Gerade errichtet der Bautrupp eine Mauer zum Nachbarhaus. An der Wand ist noch der Umriss des vorigen Nachbargebäudes zu sehen. Spitzdach. Vor dem Rohbau stapeln sich Treppen aus Beton. Ein Stück weiter verdichtet ein Mann den Boden mit einer Rüttelplatte, während sich ein anderer mit einem Spachtel an der Wand zu schaffen macht. 

Der Osten von Höchst durchlebt interessante Zeiten, findet auch Mark Gellert, Sprecher des Planungsdezernats. Den Stein ins Rollen gebracht hat die Transformation des Möbelcity-Wesner-Areals zu Wohnraum. Zwischen Kurmainzer und Breuerwiesenstraße sind hell und bunt leuchtende Bauten entstanden. Nahe des Stadtparks. 

Anders wäre die Geschichte verlaufen, hätte das Wesner-Areal lange leer gestanden, mutmaßt Gellert. So ist es eine Initialzündung gewesen. 107 weitere Wohnungen sind auf dem Areal der ehemaligen Justizvollzugsanstalt entstanden. Aufs Klinikgelände sollen ebenfalls Häuser, wenn der Krankenhaus-Neubau fertig ist. 

Auf den ehemaligen Breuerwerken tut sich auch etwas. Zwischen IGS-West und dem Bahndamm schafft die Stadt neue Betriebshöfe für das Amt für Straßenbau und Erschließung, für die FES und das Grünflächenamt. Ein Bagger hebt eine Grube aus. Rechts davon steht ein altes Fabrikgebäude. Der Backsteinbau sieht schon recht baufällig aus, soll aber erhalten bleiben, unter anderem eine öffentlich zugängliche Kantine kommt hinein. 

Auch hier soll 2021 alles fertig werden. Wenn die Betriebshöfe umziehen, entsteht Platz für neuen Wohnbau. Dort, wo die städtischen Einrichtungen bislang logieren, nördlich der Palleskestraße, an der Helene-Lange-Schule. 9300 Quadratmeter attraktives Bauland schlummern dort.

Höchst: Neues Haus des Jugendrechts angesiedelt 

Es entstehen im Höchster Osten aber nicht nur neue Wohnungen, sagt Mark Gellert. „Auch Infrastruktur.“ Etwa ein neues Haus des Jugendrechts, die IGS-West, eine Kita. Dennoch freuen sich nicht alle über die Entwicklung. Die Höchster Kinderbeauftragte Heike Karassavidis sorgt sich. Der Grund: rücksichtslose Autofahrer. „Die Leute halten sich nicht mehr an die Verkehrsregeln“, sagt sie. Der Schulweg sei für die Kinder im Viertel sehr gefährlich. Wenn jetzt noch mehr Leute zuziehen, werde es nicht besser. Schüler gibt es einige im Quartier. Sie besuchen die Robert-Blum-Schule an der Gerlachstraße, die Helene-Lange-Schule an der Breuerwiesenstraße, an der Palleskestraße die IGS-West und die Schulen im Container. 

Ruhig und beschaulich geht es auf der Zuckschwerdtstraße nicht zu. Dicht hintereinander fahren die Autos, fast unmöglich, ohne einen Zebrastreifen oder eine Ampel zu queren. Man muss auf einen freundlichen Autofahrer hoffen, der einen über die Straße lässt. Die sind selten geworden. „Die Polizei müsste viel öfter kontrollieren“, sagt Karassavidis. Sie hat sich deswegen an das örtliche Polizeirevier gewandt, ohne Erfolg. Dann hat sie den Polizeipräsidenten, Gerhard Bereswill, angeschrieben. Daraufhin zeigte die Polizei mehr Präsenz. Inzwischen sei die aber wieder eingeschlafen. „Ich bin ratlos.“ 

Der Verkehr wird zunehmen, sagt auch Mark Gellert. Aber nicht in kritischer Menge, findet er. Die Gleichung, dass 250 Wohnungen 250 Autos mehr ins Viertel brächten, gehe nicht auf. Längst nicht jeder nutze ein eigenes Auto. „Man kann dort auch auf ein Auto verzichten“, findet er. Die Tram an der Zuckschwerdtstraße ist zu Fuß schnell zu erreichen. Der Höchster Bahnhof liegt nicht weit weg. Die ABG Holding reagiere auch mit neuen Verkehrsangeboten, integriere etwa eine Car-Sharing-Station.

 Auf dem Areal der ehemaligen Gas-Union stehen die Zeichen dagegen nicht auf Häuslebau. Der Currywurst-Grill an der Ecke von Zuckschwerdt- und Kurmainzer Straße hat sich eine kleine Terrasse mit Bänken und Tischen gebaut. Darum herum sind kleine Topfpflanzen aufgestellt. Zwei junge Bäume sehen aus, als wären sie erst kürzlich gesetzt worden. 

Dort könnten etwa 150 bis 180 Wohneinheiten entstehen, sagt Frank Junker. Auch studentisches Wohnen. Doch die Mainova, der das Gelände zu Teil gehöre, verhandele noch mit der Bahn und dem Regierungspräsidium. Der Boden ist kontaminiert, zu klären ist, wer für den Austausch zuständig ist.

Leonie Seidel und George Grodensky

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