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Für Immobilienentwickler eine Bestlage: das Gelände des alten Polizeipräsidiums.

Frankfurt

Altes Polizeipräsidium wird endlich bebaut

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Fünfhundert Wohnungen, ein Hotel und Büros entstehen auf dem Gelände des alten Polizeipräsidiums. Der Investor zahlt 212,5 Millionen Euro.

Für die Frankfurter ist das alte Polizeipräsidium am Platz der Republik ein Ärgernis, ein zunehmend verfallendes Gebäude mitten in der Stadt. Investoren in ganz Deutschland sehen in dem seit 16 Jahren leerstehenden Areal hingegen ein echtes Filetstück auf dem Immobilienmarkt.

In dieser Woche hat die Düsseldorfer Gerchgroup den Zuschlag bekommen. Sie kauft das alte Polizeipräsidium für mindestens 212,5 Millionen Euro, wie Finanzminister Thomas Schäfer (CDU) am Donnerstag in Wiesbaden gemeinsam mit dem Vorstandsvorsitzenden des Investors, Matthias Düsterdick, bekannt gab. „Das ist ein guter Tag für Frankfurt“, urteilte der Minister.

Düsterdick ließ keinen Zweifel daran, wie attraktiv das Gelände für Investoren im Immobiliengeschäft ist. „Das hat jeder Projektentwickler in Deutschland seit vielen Jahren im Fokus gehabt“, sagte der Manager. Sein Unternehmen entwickelt nach eigenen Angaben auch das alte Areal der Holsten-Brauerei in Hamburg und das ehemalige Werksgelände der Deutz AG in Köln-Mülheim.

Die Gerchgroup will zwischen Platz der Republik, Güterbahnhof und Europaviertel ein Hotel, Büros, rund 500 Wohnungen sowie eine Kita und eine Turnhalle für die Falkschule errichten. Die benachbarte Matthäuskirche soll unangetastet bleiben, wie Gerchgroup-Chef Düsterdick versicherte.

Mindestens 30 Prozent der Wohnungen – also etwa 150 – werden im sozial geförderten Wohnungsbau entstehen. Die übrigen Wohnungen würden eher im Luxus-Segment angesiedelt sein, erwartet Düsterdick. „Dass die Flächen in dieser Lage teuer sein werden, liegt in der Natur der Sache“, fügte er hinzu. „Man kann an diesem Standort kaum günstig bauen.“ Es gehe schließlich um eine „prime location“ – Investorensprache für eine Bestlage.

Das Gelände steht seit 2002 leer. Die Gerchgroup geht davon aus, dass die Aufstellung eines Bebauungsplans mindestens zwei Jahre in Anspruch nehmen wird. Mit einem Baubeginn am Platz der Republik könne daher nicht vor 2020 oder 2021 gerechnet werden, mit einer Fertigstellung 2026, sagte Düsterdick. Insgesamte würden 800 Millionen Euro investiert.

Die Verkaufssumme kann nach Informationen der FR auch noch höher ausfallen als 212,5 Millionen Euro. Für den Fall, dass kein neuer Bebauungsplan erforderlich wird und der Eigentümer dadurch schneller bauen kann, würde das Land bis zu zehn Millionen Euro zusätzlich erhalten.

Der bevorstehende Grundstücksdeal hat auch den Oberbürgermeister-Wahlkampf stark geprägt. SPD-Amtsinhaber Peter Feldmann hatte der schwarz-grünen Landesregierung vorgeworfen, sie trete „wie ein Spekulant“ auf, weil sie sich nur um einen möglichst hohen Preis und nicht um eine gute und soziale Stadtentwicklung kümmere. Damit zielte er auf seine CDU-Herausforderin Bernadette Weyland, die drei Jahre lang als Staatssekretärin im Finanzministerium gearbeitet und dabei teilweise auch Gespräche über den Verkauf des Polizeipräsidiums geführt hatte.

Finanzminister Schäfer: Frankfurt profitiert

Minister Schäfer wies diese Vorwürfe am Donnerstag erneut entschieden zurück. „Die gesamte Wunschliste der Stadt wurde erfüllt“, betonte er. Frankfurt habe gefordert, dass 40 Prozent der Fläche mit Wohnungen bebaut werden müsse, davon 30 Prozent im sozialen Wohnungsbau. Außerdem habe die Stadt den Bau einer Kita und einer Turnhalle zur Bedingung gemacht. All dies komme nun, betonte Schäfer.

Zudem profitiere die Mainmetropole ein zweites Mal, fügte der Finanzminister hinzu. Denn das Land verspricht, den gesamten Verkaufserlös Frankfurt und seinem Umland zugute kommen zu lassen. Das Geld werde vor allem für den Wohnungsbau eingesetzt, außerdem für Bildung und Wissenschaft, kündigten Schäfer und die für Wohnungsbau zuständige Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) an. Einzelheiten soll es nächste Woche geben. Minister Schäfer lobte die Zusammenarbeit mit dem Frankfurter Stadtplanungsamt. Diese sei immer „außerordentlich konstruktiv“ gewesen. Anderslautende öffentliche Erklärungen von Frankfurter SPD-Politikern seien eher „sonstigen kommunalpolitischen Ereignissen“ zuzurechnen, formulierte Schäfer mit Blick auf die Oberbürgermeister-Wahl.

Politischen Streit hatte es seit Jahren um das Gelände gegeben. Der frühere Finanzminister Karlheinz Weimar (CDU) hatte seit dem Jahr 2000 regelmäßig einen Verkauf des Grundstücks im Landeshaushalt vorgesehen und dabei Erlöse von 200 Millionen Mark (rund 100 Millionen Euro) einkalkuliert. Das Polizeipräsidium war aber erst 2002 frei geworden, weil die neue Polizeizentrale vier Jahre Bauzeit in Anspruch nahm.

Seinerzeit schimpfte der damalige Grünen-Fraktionschef und heutige Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir, Weimar habe einen Verkauf trotz guter Angebote „verschlafen“. Er befürchtete, dass das Grundstück an Wert verlieren könne.

16 Jahre später ist das Gegenteil eingetreten, der Wert hat sich mehr als verdoppelt. Das ist gut für den Landeshaushalt, aber nach Ansicht von Linken-Fraktionschefin Janine Wissler „ein fatales Signal“, dass sich Leerstand lohnen könne.

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