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Wenn die Wände zu stark sind, müssen Teile des Luftschutzbunkers, hier auf einem Foto vom Vorjahr, gesprengt werden.

Eschersheim Bunker

Abriss mit Bedacht

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Ein Bunker im Frankfurter Stadtteil Eschersheim soll Platz für neue Wohnungen machen. Der Abriss wird voraussichtlich einige Wochen dauern. Um die dicken Mauern aufzubrechen, werden kleinere Sprengungen notwendig sein. Anwohner sorgen sich um die Lärmbelastung.

Der Abriss des Luftschutzbunkers Im Wörth steht kurz bevor. „Wenn das Kommando vom Bauträger kommt, kann es losgehen“, sagte Sprengmeister Robert Zeller vom gleichnamigen Offenbacher Abrissunternehmen der FR. „Wir stehen parat.“ Lediglich „ein paar Wochen“ soll der Abriss des massiven Baus aus dem Jahr 1942 in Anspruch nehmen.

Die niederländische Wohnbaufirma Ten Brinke will auf dem Areal auf zwei Gebäude verteilt 42 Wohnungen errichten. Politiker wie Klaus Funk (FDP) hatten zuletzt befürchtet, dass es beim Abriss des Bunkers mit seinen teils 1,50 Meter dicken Wänden zu erheblichen Belästigungen kommen könnte. In einer Lärmprognose heißt es, der Immissionsrichtwert könne nicht immer eingehalten werden. Funk legte zur Sitzung des Ortsbeirats am Donnerstagabend mehrere Anträge vor, in denen er Auskunft über Schutzmaßnahmen und Arbeitstechniken verlangte. „Zu spät“, so der Tenor seiner Gremiumskollegen, die alle Anträge ablehnten.

Zu spät kamen die Papiere auch deshalb, weil Ten Brinke die Anwohner am selben Abend in einer gesonderten Sitzung ausführlich über die anstehenden Abrissarbeiten informierte. Für den Ortsbeirat hatte den Ausführungen CDU-Chefin Inge Cromm gelauscht. Am längsten habe sich die Abrissfirma über die voraussichtlich nötigen kleineren Sprengungen an den dicken Decken und Wände ausgelassen. Aus Rücksicht auf den Lernbetrieb sollen die lautesten Sprengarbeiten auf unterrichtsfreie Zeiten gelegt werden, berichtete Cromm.

Wand soll Schule schützen

Das Abbruchunternehmen wird laut Robert Zeller auf verschiedenen Wegen versuchen, die Lärmbelastung einzudämmen. So soll etwa die zur Schule hin gewandte Wand des Bunkers zunächst stehen gelassen werden – als natürlicher Lärmschutz. Die Bushaltestelle Im Wörth soll während des Abrisses ein Stück nach Norden verlegt werden.

Anti-Baulärm-Aktivist Stefan Plangger aus dem Westend äußerte im Gespräch mit der FR dennoch Befürchtungen, dass etwa mit einem extrem lauten Meißel gearbeitet werden könnte. Laut Zeller wird der Einsatz des nervtötenden Baugerät jedoch „auf ein Minimum“ beschränkt – vielleicht nur beim Zerlegen der dicken Bodenplatte. „Während der Bauzeit wird es permanente Lärmmessungen geben“, versucht Uwe Amend von der Bauaufsicht zu beruhigen. Auch mit der benachbarten Kita und dem Pflegeheim sei man im Gespräch.

Einen kleinen Nutzen zieht die Ziehenschule aus dem Abriss: Sandsteinplatten des Bunkers könnten für den Schulgarten überlassen werden, sagte Ortsvorsteher Friedrich Hesse (CDU). Klaus Funk zufolge ist angedacht, eine Stele mit Teilen des Sandsteindekors, das derzeit noch den Bunker schmückt, aufzustellen. „Es wäre ja auch schade, wenn das Gebäude ganz in Vergessenheit geraten würde.“ Auch die Platane auf dem Gelände bleibe.

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