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Wohnen in Frankfurt: Neubau entspannt die Situation nicht

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Von: Christoph Manus

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Eine Wohnung im Frankfurter Nordend ist für viele unbezahlbar.
Eine Wohnung im Frankfurter Nordend ist für viele unbezahlbar. © Oeser

Gebaut wird in Frankfurt in riesigem Umfang. Doch die Lage für Menschen, die günstigen Wohnraum suchen, hat das nicht verbessert. Das legt ein städtischer Bericht nahe.

In Frankfurt ist in den vergangenen Jahren in rasantem Tempo eine gewaltige Menge an neuen Wohnungen entstanden. Noch 2015 gab es 375.000 Wohnungen im Stadtgebiet, fünf Jahre später waren es bereits fast 407.500. Doch zu einer Verbesserung der Situation von Menschen, die auf halbwegs bezahlbaren Wohnraum angewiesen sind, hat dieser Neubauboom nicht beigetragen. Denn günstige Mietwohnungen und öffentlich geförderter Wohnraum entstehen kaum. Das zeigen Zahlen aus dem städtischen Wohnungsmarktbericht 2019/2020, der jetzt mit riesiger Verspätung vorgelegt wurde.

Ganz offensichtlich gelingt es Haushalten mit geringen und mittleren Einkommen kaum, auf dem Frankfurter Markt eine Wohnung mit für sie passabler Miete zu finden. Die Angebotsmieten lagen nach Zahlen des Wohnungsmarktberichts im Jahr 2021 im Median bei 14 Euro pro Quadratmeter.

Viel mehr Menschen ziehen von Frankfurt ins Umland als aus der Region in die Stadt

Eine Folge: Schon seit langem verlassen jedes Jahr mehr Menschen Frankfurt ins Richtung Umland, als aus der Region zuziehen. Im Jahr 2020 fiel der Verlust mit netto 5421 Personen so hoch aus wie nie, was auch an der Pandemie gelegen haben kann. Als Hauptgrund für den Wegzug gilt aber die Wohnungssituation. Dass Frankfurt trotzdem wächst, hängt mit dem Zuzug aus anderen deutschen Regionen und dem Ausland zusammen.

Für all die Menschen, deren Einkommen nicht reichen, um sich auf dem Wohnungsmarkt zu versorgen, gibt es weiterhin viel zu wenige Sozialwohnungen. Ende 2020 hatte das Amt für Wohnungswesen nur noch Belegungsrechte für 30.477 Wohnungen. Zum selben Zeitpunkt standen aber 8973 Haushalte mit 22.832 Menschen auf der Warteliste. Die Vermittlungsquote ist miserabel. Im Jahr 2020 konnte die Stadt nur 1325 Haushalten helfen.

Planungsdezernent Josef sieht Anzeichen für eine Verbesserung - die Linke sieht das ganz anders

Das Problem: Obwohl die Stadt Investoren seit Jahren verpflichtet, in neuen Baugebieten zu 30 Prozent geförderte Wohnungen zu bauen und für viel Geld Belegungsrechte kauft, fallen immer noch mehr Wohnungen aus der Sozialbindung als hinzukommen.

Planungsdezernent Mike Josef versucht in seinem Grußwort eine positive Entwicklung aufzuzeigen. Auch wenn der weiterhin angespannte Wohnungsmarkt in Frankfurt noch viel Arbeit erfordere, wiesen einige Indikatoren darauf hin, dass das Ziel, „alle Bewohner:innen der Stadt mit angemessenem und auch bezahlbaren Wohnraum zu versorgen“, erreichbar sei. Der Sozialdemokrat verweist etwa auf hohe Fertigstellungs- und Genehmigungszahlen und einen leichten Rückgang, den es im Jahr 2021 erstmalig bei den Angebotsmieten gegeben habe.

Für die Linke im Römer zeigt der Bericht dagegen, dass sich die Wohnungskrise verschärft hat. Dass das Zahlenwerk so spät erscheint, wertet sie gar als Versuch, „das Problem unter den Teppich zu kehren“. Sie fordert mehr sozialen Wohnungsbau, Mietsenkungen bei der städtischen Wohnungsgesellschaft ABG und eine Rekommunalisierung von Vonovia-Wohnungen.

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