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Wohnen in Frankfurt immer teurer – Die Angst wächst

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Von: Christoph Manus

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„Ebbe langts“ finden mehrere Initiativen in Frankfurt, hier bei einer Demonstration. Wohnen dürfe kein Luxus werden.
„Ebbe langts“ finden mehrere Initiativen in Frankfurt, hier bei einer Demonstration. Wohnen dürfe kein Luxus werden. © Michael Schick

In Frankfurt steigen die Mieten trotz Krisen immer weiter. Nun wird auch das Heizen extrem teuer. Viele fürchten, sich die Wohnung nicht mehr leisten zu können.

Frankfurt – In Frankfurt zu wohnen, ist schon lange sehr teuer. Nur in München sind die Preise und Mieten höher. Seit Jahren ziehen Familien aus der Stadt, weil sie im Umland noch eher eine halbwegs bezahlbare Wohnung oder ein Häuschen finden. Doch jetzt spitzt sich die Situation drastisch zu. Nun haben sogar Haushalte mit überdurchschnittlichen Einkommen Furcht, sich das Leben in Frankfurt nicht mehr leisten zu können. Denn zu den hohen Mieten kommen nun für viele noch extrem steigende Nebenkosten.

Tausende müssen jetzt schon stark gestiegene Abschlagszahlungen für Gas zahlen. Anderen drohen sehr hohe Nachforderungen. Nicht nur linke Gruppen warnen, Wohnen werde zum Luxusgut, und befürchten, dass viele Menschen in die Armut rutschen, im schlimmsten Fall sogar ihre Wohnung verlieren. Noch halten sich Protest und Widerstand in Grenzen. Auch in Hessen sind aber am Samstag Menschen für einen bundesweiten „Mietenstopp“ auf die Straße gegangen. In Frankfurt fordern linke Initiativen gemeinsam mehr Schutz für Mieterinnen und Mieter in Inflation und Energiekrise. Der Name ihrer Kampagne spricht für sich: „Ebbe langts!“

Die Mieten in Frankfurt sind doppelt so stark wie die Einkommen gestiegen

Die Mieten in Frankfurt sind in den vergangenen Jahren bereits stark gestiegen. Die ortsübliche Vergleichsmiete, die den Spielraum für Mieterhöhungen vorgibt, liegt inzwischen bei 10,29 Euro pro Quadratmeter – und damit 9,9 Prozent über dem Wert im Mietspiegel 2018. Nach einer Untersuchung des Frankfurter Immobilien- und Beratungsunternehmens Immoconcept sind die durchschnittlichen Mieten in Frankfurt in den vergangenen zehn Jahren um rund 36 Prozent gestiegen – und damit fast doppelt so stark wie die Einkommen. Und die Kluft zwischen den Mieten und den Bruttoeinkommen der Beschäftigten steigt nach diesen Zahlen noch.

Die Folge: Haushalte müssen einen immer höheren Anteil ihres Einkommens für die Miete aufbringen. Ein Dreipersonenhaushalt, der 30 Prozent für die Warmmiete einer Bestandswohnung im Stadtteil Bornheim ausgeben will, muss nach Zahlen von Immoconcept inzwischen über ein monatliches Nettoeinkommen von mindestens 7088 Euro verfügen. Selbst in den günstigsten Lagen, ganz am Rande der Großstadt, seien mindestens 4611 Euro nötig, um diese Quote nicht zu überschreiten.

Angebotsmieten für Wohnungen in Frankfurt liegen bei 15,40 Euro pro Quadratmeter

Umgekehrt macht diese Berechnung klar, wie viele Frankfurterinnen und Frankfurter längst mindestens die Hälfte ihres Einkommens für das Wohnen ausgeben müssen. Doch das wird angesichts der nun auch noch hohen Inflation, den stark gestiegenen Preisen etwa für Lebensmittel zur Armutsfalle.

Besonders schlechte Karten hat, wer gerade eine neue Bleibe sucht. 13,15 Euro pro Quadratmeter werden inzwischen nach einer Auswertung von Immoscout 24 für Bestandswohnungen in Frankfurt verlangt, das ist ein Anstieg um 2,6 Prozent in nur einem Quartal. Die Angebotsmieten für Neubauten liegen demnach mit 15,44 Euro pro Quadratmeter noch höher. Die im Schnitt relativ günstigen Wohnungen der großen öffentlichen Gesellschaften, wie der städtischen ABG Frankfurt Holding und der mehrheitlich landeseigenen Nassauische Heimstätte, sind nicht einberechnet. Doch wer dort eine Wohnung ergattern will, braucht tüchtig Glück.

Tausende warten auf eine Sozialwohnung in Frankfurt

Noch schwieriger ist es, an eine Sozialwohnung zu kommen. Deren Zahl ist zuletzt stetig gesunken. Ende 2020 hatte das Frankfurter Amt für Wohnungswesen nur noch Belegungsrechte für 30.477 Wohnungen. Gleichzeitig standen zu diesem Zeitpunkt 8973 Haushalte mit zusammen 22.832 Menschen auf der Warteliste des Wohnungsamts.

Die Stadt versucht unter Planungs- und Wohnungsdezernent Mike Josef (SPD) durchaus, diesen Schwund zu stoppen – indem sie die ABG, aber auch private Investoren zwingt, Sozialwohnungen zu bauen und für sehr viel Geld Belegungsrechte für Wohnungen kauft. Doch das gelingt trotz zuletzt steigenden Neubaus von Sozialwohnungen nicht, solange jedes Jahr mehr Wohnungen aus der Bindung fallen als hinzukommen.

Initiativen fordern günstigere Mieten bei der ABG Frankfurt Holding

Mieterverbände und linke Initiativen dringen auch deshalb auf eine völlig neue Wohnungspolitik. Das Bündnis Mietentscheid etwa versucht, auf dem Gerichtsweg doch noch zu erreichen, dass die Frankfurterinnen und Frankfurter abstimmen dürfen, ob die ABG nur noch geförderten Wohnraum bauen und die Mieten in bestimmten Fällen senken soll. Die Gruppe „Eine Stadt für alle“ fordert ABG und Nassauische Heimstätte auf, angesichts der Krise zwei Jahre lang keine Mieterhöhungen auszusprechen und die Mieten jeweils auf 30 Prozent der Haushaltsbruttoeinkommen zu senken.

„Wir müssen mit einer massiven Verdrängungs- und Zwangsräumungswelle rechnen, wenn viele Menschen die Kosten für eine warme Wohnung nicht mehr aufbringen können“, sagt Phuong Thanh Tran, eine Sprecherin der Initiative. Und fordert einen Stopp von Zwangsräumungen und Energiesperren bei diesen Wohnungsgesellschaften. Gleichzeitig macht die Initiative klar, dass sie es für eine Wende zum Besseren für nötig hält, langfristig Wohnraum dem Markt zu entziehen.

DGB Hessen-Thüringen: Mieten sollen sechs Jahre nicht steigen dürfen

Auch der DGB Hessen-Thüringen fordert radikalere Schritte. Er unterstützt in einer Mitteilung Forderungen nach einem bundesweiten sechsjährigen Mietenstopp. Er hält es zudem für nötig, dass Wohnungsgesellschaften wieder gemeinnützig werden und Sozialwohnungen mit dauerhafter Bindung errichten. (Christoph Manus)

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