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Das gelbe Haus an der Mörfelder Landstraße ist eines von denen, die aufgestockt werden.

Potenzial in Siedlungen

Wohnen in Frankfurt: Nachverdichtung birgt Probleme und Risiken

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Tausende Wohnungen könnten in Frankfurt durch Nachverdichtung entstehen. Aber die Projekte sind mit vielen Problemen und Risiken verbunden..

Frankfurt - Angesichts der riesigen Nachfrage nach Wohnungen, der zu Neige gehenden Konversionsflächen, der schwierigen Entwicklung von Bauland und der immensen Grundstückspreise rückt zunehmend die Nachverdichtung der 50er Jahre Siedlungen in den Fokus, die viele Frankfurter Stadtteile aber auch die Städte in der Region prägen. Denn diese gehören meist nur einem einzigen Eigentümer, etwa der landeseigenen Nassauischen Heimstätte oder der städtischen ABG Frankfurt Holding. Grundstückskosten fallen für Aufstockung, Dachausbau oder Neubauten nicht an. Zudem sind die Siedlungen vergleichsweise großzügig angelegt.

Wohnen in Frankfurt: Nachverdichtung könnte die Lösung sein

Das in jahrelanger Arbeit entstandene Frankfurter Stadtentwicklungskonzept, das wohl nun doch noch beschlossen werden soll, nennt als eine von sechs Zielvorstellungen: „2030 ist Frankfurt am Main urbaner.“ Gemeint ist auch: Die Stadt soll dichter werden. Die Planer schlagen als Leitprojekt vor, gemeinsam mit den Eigentümern die zahlreichen Zeilenbaugebiete der 50er und 60er Jahre aber auch Bestände der 70er Jahre weiterzuentwickeln. Dabei soll es um An- und Aufbauten, das Schließen von Baulücken und Ersatzneubauten, aber auch die bessere Nutzbarkeit von Grün- und Freiräumen, die Neuordnung des Parkens und die Ergänzung der sozialen Infrastruktur, also etwa das Angebot an Schulen und Kitas gehen. Besonders im Blick haben sie die Siedlungen im mittleren Norden der Stadt, von Ginnheim, über Dornbusch und Eckenheim bis Preungesheim.

In diesem Teil der Stadt, der Ginnheimer Platensiedlung, läuft bereits ein riesiges bundesweit beachtetes Nachverdichtungsprojekt. Der nördliche Teil des Areals wird so aufgestockt und später um Neubauten ergänzt, dass die Zahl der Wohnungen von 348 auf mehr als 1000 springt. Den 50er-Jahre-Häuserzeilen werden dabei jeweils zwei zusätzliche Geschosse aus Holzmodulen aufgesetzt. Zur Hälfte entsteht geförderter Wohnraum, die frei finanzierten Wohnungen sollen gut 10,50 Euro pro Quadratmeter kosten.

Potenzial für 7000 neue Wohnungen

Das Projekt an der Platensiedlung gilt Planungsdezernent Mike Josef (SPD) als modellhaft, als Vorbild für die Nachverdichtung weiterer Siedlungen. Für die Arbeit am Stadtentwicklungskonzept haben seine Beschäftigten überschlagen, dass allein die Frankfurter Siedlungen, die mehrheitlich demselben Eigentümer gehören, ein Potenzial für 7000 zusätzliche Wohnungen bieten. Samt einzelner Projekte im sonstigen Stadtraum kommen die Planer auf etwa 19 000 Wohnungen, die durch Nachverdichtung entstehen können.

Ein einfaches Mittel, um Wohnraum zu schaffen, ist die Nachverdichtung nicht. Nicht nur wegen vieler baulicher Hürden. Sie ist auch mit Risiken verbunden. Josef weist etwa auf die große Belastung hin, die Arbeiten an Bestandshäusern für die Mieter mit sich bringen. Er macht klar, dass wachsende Siedlungen auch eine bessere Infrastruktur bieten müssen, also etwa neue Kitas, Grundschulen, Geschäfte, Sportangebote. Zudem ist dem Planungsdezernenten durchaus bewusst, dass Nachverdichtung auch zu steigenden Mieten und zu Verdrängung führen kann. Etwa wenn Unternehmen Aufstockungen zum Anlass nehmen, bei den darunterliegenden Wohnungen eine Luxussanierung durchzuführen oder auch schon, weil sehr teure neu entstehende Wohnungen dazu beitragen, dass das Viertel negativ aufgewertet wird – und irgendwann für die bisherigen Bewohner nicht mehr bezahlbar ist.

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