Frankfurt

Wohnen im Bahnhofsviertel Frankfurt

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In der seit Jahren leerstehenden Taunusstraße 52 kehrt Leben ein.

Wie lange der Gebäudetrakt Taunusstraße 52-60 schon leersteht, weiß bei der Stadt Frankfurt niemand mehr so genau. Ende der 90er Jahre residierte in dem traditionellen Geschäftshaus noch für ein paar Jahre die Britische Zentrale für Fremdenverkehr, dann verliert sich die Spur. Jahrelang sammelte sich zwischen den heruntergelassenen Rollgittern und der Fensterfront vor allem Müll. Derzeit ist der Trakt mit Baugerüsten und einem Bretterzaun eingefasst, denn: Es tut sich was am oberen Ende der Taunusstraße. Der Münchner Projektentwickler MUC Real Estate möchte dort Wohnungen und Geschäfte ansiedeln. Geschäftsführer Christian Ruhdorfer sagte der FR, es seien 124 Mietwohnungen geplant.

Zu dem jahrelangen Leerstand hat der Projektentwickler selbst ein wenig beigetragen. Bereits vor etwa vier Jahren erwarben die Münchner das Objekt, dann passierte aber erst mal nichts. „Uns haben ein paar bautechnische Überraschungen erwartet“, so Ruhdorfer. So habe der Gebäudekomplex, der im Kern Anfang des 19. Jahrhunderts entstand, einen Schiefstand von 20 Zentimetern aufgewiesen. Das Gebäude wird derzeit entkernt, auch die Außenfassade soll erneuert werden. „Es entsteht ein nahezu neuwertiges Gebäude“, so Ruhdorfer. Bis Ende 2020 sollen die Bauarbeiten abgeschlossen sein.

Mieten werden eher teuer

Die Taunusstraße hat keinen allzu guten Ruf. Nach der Aufwertung der Kaiser- und der Münchner Straße wurde das Drogenmilieu vor allem in die dritte West-Ost-Achse im Bahnhofsviertel verdrängt. „Wir wissen, dass die soziokulturelle Lage in der Taunusstraße nicht die beste ist“, sagt Ruhdorfer. Über die neue Entwicklung dürften sich vor allem die Geschäftsinhaber auf der anderen Straßenseite freuen, wie etwa GM Foto. Die Geschäftsleute klagen seit Jahren, dass ihnen die Drogensüchtigen vor der Ladentür die Kunden abspenstig machen würden. Angst davor, dass sich wegen des schlechten Rufs niemand für den Neubau begeistern könnte, hat Ruhdorfer nicht. Zwar räumt er ein, bislang noch keine „vernünftigen Mieter“ für die Ladengeschäfte gefunden zu haben, sagt aber auch: „Wir erwarten mit dem Neubau automatisch einen gewissen Auftrieb.“

Davon geht wohl auch die Stadt aus, obwohl die Freude dort über die neue Entwicklung eher verhalten ausfällt. Zwar geht Wirtschaftsdezernent Markus Frank (CDU) davon aus, dass der Stadtteil vom Einzelhandel in Erdgeschosslage profitiert; er sagt aber auch: „Uns ist dabei natürlich bewusst, dass mit anspruchsvollen Wohnprojekten auch die Erwartungshaltung der neuen Mieter beziehungsweise Eigentümer an die Qualität im Stadtteil wächst.“ In eine ähnliche Richtung geht die Einschätzung von Mark Gellert vom Planungsdezernat: „Wir müssen schauen, dass es nicht zu einer übermäßigen Aufwertung kommt.“ Das Ziel der Wohnungsbauförderung, wie noch vor einigen Jahren, werde von der Stadt im Bahnhofsviertel derzeit nicht mehr verfolgt.

In der Taunusstraße 52–60 sollen Zwei-Zimmer-Wohnungen in Größen zwischen 45 und 55 Quadratmetern entstehen. Wohnraum, wie er in der Stadt dringend gebraucht wird. Doch Schnäppchen dürfen Interessenten von dem Areal, nur einen Steinwurf vom Hauptbahnhof entfernt, nicht erwarten. Ruhdorfer kündigt Mieten auf „Frankfurter Innenstadtniveau“ an.

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