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Die Coverband Noisic heizte den Besuchern am Merianplatz bis spät in die Samstagnacht ein.

Straßenfest

Straßenfest auf der Berger: Die wohl vollste Hüpfburg Frankfurts

Am Wochenende herrscht Partystimmung auf der Berger Straße.

So kann man es natürlich auch machen: Über dem Gedränge der Massen auf der Berger Straße läuft in einer Wohnung am Samstagabend mit weit geöffneter Balkontür eine eigene Feier. Mit bunten Lichtern, lauter Musik und ausgelassenem Tanzen – quasi eine Miniaturversion des Straßenfests zwei Stockwerke darunter, das am Wochenende die Flaniermeile in den Ausnahmezustand versetzt.

Knapp 32 000 Menschen sind dort am Samstagabend pro Stunde unterwegs. Das zumindest schätzt die Interessengemeinschaft Untere Berger Straße, die das Fest seit 34 Jahren organisiert. Das wäre ein neuer Rekord. Vorher seien es rund 25 000 Besucher gewesen. „Bombastisch“, kann der Vorsitzende Kaweh Nemati dazu nur sagen. Alles sei friedlich.

Es habe keine nennenswerten Vorfälle gegeben: „Ein voller Erfolg“. Der Fluss an Menschen, der sich langsam, aber stetig an den mehr als 200 Buden mit internationaler Küche, heruntergesetzter Kleidung und filigranem Schmuck vorbeischiebt und auf drei Bühnen von Bands ordentlich eingeheizt bekommt, scheint ihm recht zu geben.

Am Lakritzstand von Cheder Awwad herrscht Andrang. In Plastikboxen türmen sich schwarze, grüne und pinke Stangen, kleine runde Kugeln, hartes und weiches, süßes und salziges Lakritz. Im Akkord schneidet Awwad Scheiben zum Probieren von den Stangen. Obwohl er pausenlos Tüten füllt, findet er, dass es dieses Jahr nicht so gut läuft. „Sonst verkaufe ich mit drei Händen. Und ich hab’ ja nur zwei“, sagt er und lacht.

Die Sicherheitsvorkehrungen wurden vor einigen Jahren verstärkt, die Zufahrtsstraßen müssen seit vergangenem Jahr frei bleiben. Das sorge für mehr Ruhe, sagt Kaweh Nemati von der Interessengemeinschaft, weil sich die Menschen mehr verteilen könnten. Der Lakritzstand aber musste wegen der neuen Beschränkungen an einen weniger prominenten Platz ziehen. Für Cheder Awwad, der seit zwölf Jahren extra aus Dortmund anreist, lohnt sich das Geschäft trotzdem. „Sonst würde ich ja nicht so weit fahren.“

Berger Straßenfest 2019

Das Berger Straßenfest ist ein Anziehungspunkt für Frankfurter, aber auch für Menschen aus der Region und Touristen. Die längste Anreise hat wohl der Neuseeländer Aaron James hinter sich. Er kennt das Fest noch in einer abgespeckteren Form aus den Achtzigern, als er in Frankfurt lebte. Heute sei es „viel kosmopolitischer“, sagt er und sieht zu, wie Hunderte tanzende Füße den Merianplatz an der Hauptbühne zum Beben bringen.

Während nachmittags Familien über die Berger schlendern, wird die Straße samstags mit einsetzender Dämmerung zur Partymeile. Bars konkurrieren in teils kakophonischem Wettstreiten darum, wer das lauteste Soundsystem hat. Überall dort, wo sich eine von ihnen durchgesetzt hat, entstehen kleine Tanzflächen. Am frühen Abend schunkeln vor der Grey Bar drei Frauen lachend an den Tischen, an der Latinbühne schieben sich bereits seit Stunden Paare in Samba-Tippelschrittchen aneinander vorbei. Am vollsten wird es vor der Bühne am Merianplatz, wo Coverbands bis spät in die Nacht die Besucher zum Mitgrölen und Tanzen animieren.

Die Ska- und Balkanband Revolte Tanzbein lässt es indes auf der Bühne der Sachsenhäuser Kneipe Ponyhof richtig krachen. Die Männer sind nicht zum ersten Mal da und haben Fans mitgebracht, die den Platz vor der Bühne in eine Hüpfburg verwandeln.

Etwas abseits wirbeln sich die Freundinnen Malgorzata Schott und Katarzyene Pietrzete umher. Sie haben spontan vom Fest erfahren und sind aus Weiterstadt und Eppstein angereist. „Die Musik ist fantastisch!“, ruft Schott begeistert über den treibenden Beat der Revolte Tanzbein. Keine Frage: „Natürlich“ sind sie kommendes Jahr wieder mit dabei.

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