Petra Rossbrey

Neue AWO-Chefin wütend auf Vorgänger: „Woher das ganze Geld kam, wüsste ich auch gerne“

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Petra Rossbrey, neue Vorsitzende des AWO-Präsidiums Frankfurt, spricht über ihre Aufklärungsarbeit sowie die Verunsicherung und Hoffnung bei den Beschäftigten.

Frau Rossbrey, Ihre erste Pressemitteilung als neu gewählte Vorsitzende des AWO-Präsidiums Frankfurt haben Sie mit den Worten überschrieben: Hausverbot für Raffgierige. Sind Sie wütend auf die, von denen die Arbeiterwohlfahrt Frankfurt in diese Situation gebracht wurde?

Bei mir sind natürlich Emotionen im Spiel. Ich bin genauso wütend wie viele andere auf diese kleine, raffgierige Clique, die das angerichtet hat. Auf der anderen Seite habe ich in meinem früheren Beruf als Managerin gelernt, in entscheidenden Situationen kühlen Kopf zu bewahren. Und genau das ist jetzt gefordert.

Können Sie sagen, wie groß der Personenkreis führender Funktionäre war, der sich bereichert hat?

Ich kann das noch nicht genau sagen. Ich will auch niemanden vorverurteilen.

Petra Rossbrey, die neugewählte Vorsitzende des AWO-Präsidiums.

Es sind fristlose Kündigungen ausgesprochen worden und Hausverbote. Rechnen Sie jetzt mit arbeitsrechtlichen Auseinandersetzungen?

Nun, die Erfahrung in Deutschland zeigt, dass es in solchen Fällen immer juristische Auseinandersetzungen gibt. Wir haben deshalb ein erfahrenes Anwaltsbüro mit der Wahrnehmung unserer Interessen beauftragt. Ich sehe diesen Auseinandersetzungen sehr gelassen entgegen.

Kann es sein, dass der Kreis der Führungspersonen noch wächst, von denen Sie sich trennen müssen?

Ich gehe davon aus, dass wir die Hauptverantwortlichen jetzt erwischt haben. Jetzt haben wir eine gute Basis, um an die Aufräumarbeiten und Zukunftsgestaltung zu gehen.

Neue AWO-Chefin Petra Rossbrey: „Die Arbeit steht noch am Anfang“

Wie hoch schätzen Sie den entstandenen Schaden ein?

Ich bin nun gerade erst den zweiten Arbeitstag in meinem neuen Amt und habe jetzt erst Zugang zu allen Akten. Deshalb steht hier die Arbeit noch am Anfang. Aber die finanzielle Situation des Kreisverbandes ist natürlich ein zentrales Thema.

Der Bundesverband der AWO in Berlin hatte ja alle Überweisungen an den Kreisverband Frankfurt gestoppt. Rechnen Sie damit, dass jetzt wieder Geld fließt?

Ich gehe davon aus, ja. Der Bundesverband hat ja signalisiert, dass er unsere Bemühungen für einen Neuanfang unterstützt.

Woher kam eigentlich das ganze Geld für die hohen Gehälter der führenden AWO-Funktionäre und für die teuren Autos?

Das wüsste ich auch gerne. Das werde ich aber rauskriegen. Die Frage nach den Geldströmen ist ganz entscheidend.

Zur Person

Petra Rossbrey(60) wurde am Wochenende zur neuen Vorsitzenden des Präsidiums der Arbeiterwohlfahrt (AWO) in Frankfurt gewählt.

Die Sozialdemokratinwar vorher lange Zeit Geschäftsführerin einer
Tochtergesellschaft des Flughafenbetreibers Fraport gewesen. 

Glauben Sie, dass Sie noch auf weitere Gesellschaften stoßen werden, die von früheren führenden AWO-Funktionären gegründet wurden?

Ich hoffe das, ehrlich gesagt, nicht. Ich würde nie auf die Idee kommen, eine Gesellschaft in Birmingham anzumelden. So etwas wird es in Zukunft nicht mehr geben. Wir stehen für Transparenz.

Es hatte den Anschein, dass da etwas vertuscht werden sollte.

Ich will Vertuschung nicht ausschließen. Dem werden wir natürlich nachgehen.

Sie werden jetzt einen neuen hauptamtlichen Vorstand für den Kreisverband berufen.

Ja. Wir sprechen gerade mit zwei Personen. Das wird dann allerdings nur ein Interimsvorstand für einige Monate sein. Danach werden wir einen bleibenden Vorstand für fünf Jahre berufen. Vorher werden wir neue, klare Strukturen festlegen und auch die Gehälter des Vorstands.

Werden Sie einen Personalberater bestellen?

Das könnte man überlegen.

Frankfurter AWO-Chefin Rossbrey spürt große Verunsicherung bei den Beschäftigten

Wie ist die Stimmung bei den weit über 1000 Beschäftigten der AWO in Frankfurt?

Es ist natürlich eine große Verunsicherung zu spüren. Das ist verständlich, wenn ein Unternehmen über Monate im Trommelfeuer der Medien steht. Aber es gibt zugleich eine große Erleichterung über die ersten Maßnahmen, die wir als neues Präsidium getroffen haben. Ich habe erste Gespräche mit dem Betriebsrat geführt. Es wird viele Gespräche mit den Beschäftigten geben, das ist das Wichtigste. Alle schöpfen Hoffnung.

Halten Sie die Gemeinnützigkeit des Kreisverbands für gefährdet?

Wenn das Finanzamt das prüft, besteht natürlich ein gewisses Risiko. Aber ich gehe davon aus, dass es gelingt, die Gemeinnützigkeit zu halten. Wir werden auch alles dafür tun, denn die Arbeiterwohlfahrt ist ein gemeinnütziger Verband.

Wenn die Gemeinnützigkeit verloren ginge, wäre das existenzgefährdend für die AWO Frankfurt?

Dieses Risiko ist natürlich da. Aber wir sind angetreten, um Probleme zu lösen. Ich habe große Hoffnung, dass uns das gelingen wird.

Interview: Claus-Jürgen Göpfert

Rubriklistenbild: © Andreas Arnold/dpa

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