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WM in Katar: Eine Frage der Moral

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Von: Christoph Manus

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WM 2022 - Portugal - Uruguay
Bei der WM in Katar sind Fahnen in Regenbogenfarben nicht erwünscht. © Tom Weller/dpa

Wie umgehen mit der WM in Katar? Darüber wird sich eine Gesprächsrunde der katholischen Erwachsenenbildung im Bistum Limburg nicht ganz einig

Die erste Hälfte der Fußballweltmeisterschaft in Katar ist vorbei, Deutschland ist schon ausgeschieden. Doch nicht nur deshalb hat Michael Gabriel keine rechte Lust, sich die Spiele anzusehen. Er schaue nur noch aus professionellen Gründen, sagt der Leiter der Koordinationsstelle Fanprojekte bei der Deutschen Sportjugend in Frankfurt. Zu sehr stören den Frankfurter die Kommerzialisierung des Sports, die Missachtung der Menschenrechte, die fehlende Nachhaltigkeit und der Umgang mit den Faninteressen.

Dem Frankfurter Medienmanager Bernd Reisig, der mit Innenministerin Nancy Faeser (SPD) nach Katar gereist war, um sich für die Rechte der Homosexuellen stark zu machen, geht es kaum anders, wie er in einer von FR-Redakteur Georg Leppert moderierten Online-Diskussion der katholischen Erwachsenenbildung im Bistum Limburg zum Thema „WM der Grausamkeiten“ berichtet. Im Land habe er durchaus konstruktive Gespräche geführt. „Leider mussten wir feststellen, dass man sich an die Zusagen nicht gehalten hat.“ Die WM habe alle Befürchtungen bestätigt.

Thomas Beschorner, Professor für Wirtschaftsethik an der Uni St. Gallen hätte sich einen Boykott gewünscht. „Die Summe der Probleme ist so groß, dass es falsch ist, dort zu spielen. Ich hätte ein alternatives Fußballturnier versucht.“ Martin Stewen, Priester in Zürich und einst für die katholische Kirche in Arabien tätig, wirbt für eine andere Perspektive.

Warnung vor Cancel Culture

So seien etwa die Arbeitsbedingungen in arabischen Ländern wie Katar im Vergleich zu den hiesigen schlecht, aber viel besser als in den Herkunftsländern der Gastarbeiter:innen. Es sei zudem wichtig, mit den Menschen in Katar im Gespräch zu bleiben, sich auf die andere Kultur einzulassen. Eine „Cancel Culture“ helfe nichts, sagt er. „Es geht nicht um Sitten und Kultur, es geht um Menschenrechte“, entgegnet Reisig. Und die seien nicht verhandelbar. Manchmal könne auch ein Diskursabbruch Haltung zeigen, sagt Beschorner.

Einig ist sich die Runde in ihrer Kritik an der Fifa. Und die beschränkt sich nicht etwa auf vorauseilenden Gehorsam, wie das Verbot die „One-Love-Binden“ zu tragen, sondern stellt das gesamte System infrage. Deutschland müsse dringend über die Mitgliedschaft bei der Fifa nachdenken, rät Beschorner. Und bringt einen alternativen Verband ins Spiel. Auch Reisig hält es für möglich, dass die Fußballweltmeisterschaften auch ohne die Fifa ausgerichtet werden können.

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