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Die Sperrung des nördlichen Mainufers wird nicht so kritisch gesehen.

Verkehr in Frankfurt

Wirtschaft greift Stadt scharf an

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Die Wirtschaftskammern fordern die Stadt auf, das Thema Verkehr zur Chefsache zu machen und kritisieren die Umwidmung von Straßen. Dabei kommt etwa die Sperrung des Mainkais bei einer Forsa-Umfrage gar nicht so schlecht an.

Wirtschaftsorganisationen fordern einen Kurswechsel in der Frankfurter Verkehrspolitik. Mit den derzeitigen Weichenstellungen des Magistrats um Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) zeigten sich die Präsidenten der Handwerkskammer Frankfurt/Rhein-Main, Bernd Ehinger, und der Präsident der Industrie- und Handelskammer Frankfurt, Ulrich Caspar, bei der Vorstellung einer Umfrage sehr unzufrieden. In einer gemeinsamen Mitteilung der Kammern sowie des Dachverbands Frankfurter Gewerbevereine, des Hotel- und Gastronomieverbands Dehoga und des Handelsverbands Hessen dringen sie darauf, die Verkehrspolitik in Frankfurt zur Chefsache zu machen. Sie fordern – wie bereits in einem offenen Brief von 16 Organisationen – die Erstellung eines strategischen Masterplans für Verkehr und Mobilität.

Ehinger sagte am Montag, die schwierige Verkehrssituation in Frankfurt könne der wirtschaftlichen Prosperität der Stadt schaden. Caspar kritisierte die Umwidmung von Fahrspuren für Autos scharf. „Wenn wir heute mehr Einwohner, mehr Arbeitsplätze und mehr Warenverkehr haben, brauchen wir einen Ausbau der Verkehrsinfrastruktur und keinen Rückbau.“ Auch die Erhöhung der Parkgebühren nannte der IHK-Präsident falsch. Sie führe nicht zu einem Umstieg auf den ÖPNV, schrecke aber Kunden ab. Er warb dafür, die Situation an Kreuzungen durch digitale Steuerung zu optimieren, parallel zu Hauptverkehrsstraßen Fahrradschnellwege zu errichten und die U- und S-Bahn auszubauen.

Von den Ergebnissen einer von den Verbänden und Kammern in Auftrag gegebenen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa unter gut 1000 Menschen aus Frankfurt und Umgebung sowie gut 300 Mitgliedsunternehmen der Kammern zeigten sich Caspar und Ehinger bestätigt. Dabei kommt diese zu einem sehr differenzierten Ergebnis. Zwar äußerten sich die befragten Kammermitglieder gegen Pläne, die Frankfurter Innenstadt für den Autoverkehr zu sperren. 69 Prozent befürchten sehr negative oder eher negative Auswirkungen.

Weniger kritisch sehen die Unternehmen und Handwerksbetriebe dagegen die testweise Sperrung des nördlichen Mainufers. 49 Prozent gaben an, die Straßen sollten nach der Testphase dauerhaft oder zumindest zu bestimmten Zeiten gesperrt bleiben. Eine Reduzierung von Autospuren zugunsten von Fahrradwegen halten immerhin 38 Prozent der Wirtschaftsvertreter für sehr oder eher sinnvoll.

Bei den befragten Menschen kommen die von den Kammern abgelehnten Umwidmungen von Autospuren zugunsten von Radwegen oder auch Busspuren sogar mehrheitlich gut an. Die Sperrung einzelner Straßen für den Autoverkehr hält dagegen die Mehrheit für weniger oder gar nicht sinnvoll. Den Mainkai würden immerhin 41 Prozent dauerhaft gesperrt halten, nur 23 Prozent würden ihn wieder nach der gut einjährigen Sperrung freigeben.

Die Umfrage zeigt weiter, dass insbesondere Autofahrer mit der Verkehrssituation in Frankfurt unzufrieden sind. Jeweils mehr als 70 Prozent äußerten sich weniger bis gar nicht zufrieden mit dem Verkehrsfluss, der Stausituation, der Höhe der Parkgebühren und der Verfügbarkeit von Parkplätzen. Zugleich gab gut die Hälfte der befragten Unternehmen an, auf Autos oder Transporter angewiesen zu sein oder auf diese nicht verzichten zu wollen. Etwas weniger kritisch beurteilten die Befragten das ÖPNV-Angebot in Frankfurt. Mehrheitlich eher oder sehr zufrieden bewerteten sie etwa die Sicherheit, die Anbindung an den Unternehmenssitz und die Taktung. Überwiegend sehr schlecht bewerteten sie die Kosten und die Informationspolitik bei Störungen, Verspätungen und Ausfällen.

Von Christoph Manus

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