Personalabbau

Wirtschaft in Frankfurt so pessimistisch wie noch nie

  • Christoph Manus
    vonChristoph Manus
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Die Corona-Krise trifft die Wirtschaft in Frankfurt immer heftiger, die Stimmung ist so schlecht wie nie. Viele Unternehmen befürchten, Personal abbauen zu müssen.

Das Geschäftsklima im Bezirk der Industrie- und Handelskammer (IHK) Frankfurt ist in der Corona-Krise auf den niedrigsten Wert seit Erhebung des Index im Jahr 2005 gesunken. Die Unternehmen beurteilen ihre Lage noch schlechter als in der Finanzkrise 2009. Bei der Konjunkturumfrage unter 3000 Mitgliedsunternehmen in Frankfurt, Hochtaunuskreis und Main-Taunus-Kreis nannte nur jeder fünfte Betrieb seine Lage gut. 41 Prozent beurteilten sie als schlecht.

55 Prozent der Unternehmen rechnen der Umfrage nach mit schlechteren Geschäften. Das ist ein Sprung um 38 Punkte gegenüber der Umfrage vor vier Monaten. Dagegen blickt nur noch jedes zehnte Unternehmen optimistisch in die Zukunft. Bei der vorigen Umfrage hatten das noch beinahe doppelt so viele angegeben.

Export bricht ein

Obwohl die Umfrage zwischen 20. April und 18. Mai, also schon unter dem Eindruck der gelockerten Corona-Auflagen erfolgte, erwarten 70 Prozent der befragten Unternehmen für das laufende Jahr einen Umsatzrückgang. Jedes zweite Unternehmen geht gar von Umsätzen aus, die mehr als zehn Prozent unter denen von 2019 liegen. Dabei setzen der weltweite Konjunktureinbruch und die Grenzschließungen besonders den exportierenden Unternehmen zu. Von diesen erwarten mehr als zwei Drittel ein sinkendes Auslandsgeschäft.

Von den Branchen hat die Krise das Hotel- und Gaststättengewerbe am schlimmsten getroffen. Alle befragten Betriebe rechnen mit einem deutlichen Umsatzrückgang, 98 Prozent beurteilen ihre Lage als schlecht, 92 Prozent blicken pessimistisch nach vorn. Sehr schlecht sind die Erwartungen aber auch etwa unter den Unternehmen in Einzelhandel, der Verkehrswirtschaft, der Industrie, im Großhandel und in der Finanzwirtschaft. Noch am stabilsten zeigt sich die Bauwirtschaft.

Noch vor wenigen Monaten schien die Wirtschaft in Frankfurt und der Region sehr stabil, klagten die Unternehmen vor allem über die Schwierigkeit, offene Stellen zu besetzen. Nun geben 30 Prozent an, Personal abbauen zu müssen. Auch die Investitionsbereitschaft sinkt drastisch; jedes zweite Unternehmen will weniger investieren. Als größte Risiken sehen die befragten Unternehmen eine weiterhin schwache Inlandsnachfrage und weiter schwierige wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen. Deutlich mehr Betriebe nennen zudem das Thema Finanzierung.

IHK-Präsident Ulrich Caspar, dringt, „um die wirtschaftliche Dynamik wieder zu entfachen“, auf eine weitere Lockerung der Corona-Auflagen. Nötig sei etwa eine weitere Öffnung von Schulen und Kitas, damit die Fachkräfte in die Unternehmen zurückkehren könnten. Er setzt sich zudem für einen Abbau von Regulierung und steuerliche Hilfen ein.

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