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Die wirklich wichtigen Bücher

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Beliebte Weihnachtsgeschenke: Bücher.
Beliebte Weihnachtsgeschenke: Bücher. © dpa

Kleinverlage entdecken oft Schätze und machen die Buchlandschaft pluralistischer. Verlegerin Dorothea Rein weigert sich bis heute, mit dem Turbo-Tempo am Buchmarkt Schritt zu halten. „Ein gutes Buch veraltet nicht, unzählige und wahllose Neuerscheinungen im Drei-Monats-Takt verstellen den Blick auf wirklich wichtige Bücher“, sagt sie.

Über ein Buch unterm Weihnachtsbaum freuen sich die Deutschen laut einer aktuellen Umfrage des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels immer noch am allermeisten. Das ehrwürdige Kulturgut schlägt Geschenke wie Wein, Süßigkeiten oder ein romantisches Dinner bei weitem. In den wenigen Buchhandlungen in der Frankfurter Innenstadt gehen aber vor allem die prominent platzierten Bestseller großer Verlagshäuser über den Ladentisch. Kein Wunder also, dass rund 20 Verlage in Deutschland über 80 Prozent aller Umsätze generieren.

Dabei finden sich gerade in den Programmen kleiner Verlage oft Raritäten, Überraschungen und unbekannte Meisterwerke. Der kleine Frankfurter Verlag Neue Kritik ist einer der vielen Klein- und Kleinstunternehmen unter den insgesamt 66 Frankfurter Verlagshäusern. Verlegerin Dorothea Rein weigert sich bis heute, mit dem Turbo-Tempo am Buchmarkt Schritt zu halten. „Ein gutes Buch veraltet nicht, unzählige und wahllose Neuerscheinungen im Drei-Monats-Takt verstellen den Blick auf wirklich wichtige Bücher“, sagt sie. Ihr Verlag hat sich unter anderem auf vergessene und unbekannte osteuropäische Autorinnen und Autoren spezialisiert.

Viele Kleinverlage trotzen den populären Trends am Buchmarkt, kämpfen mit Leidenschaft für Themen und Autoren und machen die Verlagslandschaft pluralistischer. Auch der Verlag Neue Kritik machte immer wieder wichtige Entdeckungen, wie die mexikanische Malerin Frida Kahlo, über die bereits Anfang der 80er Jahre ein Buch im Verlag erschien. „Dann haben schnell größere Verlage das Thema an sich gerissen“, so Rein. Das ist typisch, sagt Rolf Nüthen vom Verleger-Ausschuss des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels: „Kleine Verlage nennen wir auch die Trüffelschweine der Branche. Sie sind es oft, die talentierte Autoren und neue Themen finden“.

Kleinverlage haben es schwer

Doch Kleinverlage haben es auch schwer: Die großen Umsätze bleiben meist auf der Strecke, für die prominenten Plätze in den großen Buchhandlungen fehlt das Geld. Dass sich ihr Verlag bereits seit 1965 am Buchmarkt behauptet, bezeichnet Rein selbst als ein „Wunder“.

Einer, der sich ganz bewusst für diese Welt entschieden hat, ist der Frankfurter Verleger Rainer Weiss. Der ehemalige Suhrkamp-Programmchef verließ 2007 zusammen mit der damaligen Marketingleiterin Anya Schutzbach den großen Verlag, um sein eigenes kleines Haus „Weissbooks“ zu gründen. „Als kleiner Verlag sind wir schneller, entscheidungsfreudiger, mutiger, Projekte anzupacken, an die wir vorher nicht im Traum gedacht hätten. Wir sind das kleine wendige Schnellboot, das in stürmischen Zeiten rascher reagieren kann als jeder große Tanker“, so Weiss. Dass sich Kleinverlage in schweren Zeiten oft besser schlagen als die Platzhirsche der Branche, bestätigt auch Nüthen: „Sie sind besser durch die Krise gekommen als die Großen, weil sie flexibler reagieren können.“

Trotzdem braucht es für die Gründung eines kleinen Verlags Mut. Statt nur auf potenzielle Umsatzschlager zu setzen, verfechten viele Kleinverleger gesellschaftliche oder ästhetische Ideale. So kämpfen Weiss und Schutzbach gegen „ein Klima des Wertezerfalls, der Verblödung“ und „der Karnevalisierung unserer Gesellschaft“.

Bücher machen, um etwas zu bewegen: Das ist der Luxus ohne Gegenwert, den sich besonders die kleinen Verlage leisten können. (lenz)

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