Kommentar

Das wird tierisch teuer

  • schließen

Neue große Hallen für den Artenschutz, ein Kinder- und Jugendtheater im Zoogesellschaftshaus: Das alles kostet Geld, aber die Stadt kann auf kein Projekt verzichten. Ein Kommentar.

Wie kaum etwas anderes in der Stadt ist der Zoo ein Ort, in dem gestern, heute und morgen eine riesengroße Wohngemeinschaft bilden. Die Dickhäuter in einem Haus, das vor unvorstellbaren eineinhalb Jahrhunderten erbaut wurde, damals im Bestreben, der staunenden Öffentlichkeit Geschöpfe vorzuführen. Tiere, die aus den kolonialisierten Staaten Afrikas herbeigeschafft worden waren. Eingepfercht in enge Gehege und Wasserbecken, fristen sie noch heute ein zumindest für Tierrechtler bejammernswertes Dasein.

Und auf der anderen Seite: eine Bärenanlage, die den Tieren Rückzugsraum gibt, ein Menschenaffenbau, der authentisch und damit tröstlich wirkt, eine Pinguinlandschaft, nach neusten Erkenntnissen und sogar klimaschonend konzipiert.

Ein Zoo ist ein Abbild seiner Zeit. Er zeigt, wie der Mensch, Herrscher über die Welt, mit seinen Zeitgenossen umgeht. Wenn es in Zukunft noch Zoos geben soll, dann müssen sie sich anpassen, dann müssen sie ein ganz klares, auch nach außen sichtbares Zeichen setzen: Ja, wir sperren Tiere ein – aber nicht, um sie zum Begaffen freizugeben, sondern um auf den Zauber der Natur hinzuweisen, den es unter allen Umständen zu bewahren gilt.

Nur das kann das Ziel der Zoologischen Gärten sein, und das ist in Frankfurt verstanden worden. Die Pläne zeigen eine „Zookunft“, die den Tieren Platz lässt und den Besuchern das Gefühl gibt, mittendrin zu sein. Ein emotionales Erlebnis kann der Schlüssel sein zu mehr Menschlichkeit im Umgang mit dem Tier und der Natur, das ist das Credo der Zooplaner.

Das klingt auch plausibel. Aber bei allem guten Willen: Solch ein Tierschutzzoo mit seinen Hallen und idyllischen Landschaften will auch finanziert sein. Zu diesem Punkt hat man seit eineinhalb Jahren nichts gehört. In den Visionen kamen in regelmäßigen Abständen weitere schöne Details zur Sprache, Willensbekundungen – aber nie eine konkrete Zahl. Bis der Masterplan vorliegt, wird ein weiteres Jahr vergehen.

Das Geld dürfte freilich der entscheidende Punkt sein. Frankfurt will ja nicht nur einen tollen Zoo. Frankfurt will auch seine Vorreiterrolle beim internationalen Arten- und Klimaschutz mit dem geplanten Conservation Center ausbauen. Und Frankfurt will ein Kinder- und Jugendtheater – in seinem Zoogesellschaftshaus, das endlich den entscheidenden Impuls braucht im Schwanken zwischen mondän und schäbig.

Und alles auf dem Zoogelände. Das wird teuer. Aber wenn es die Stadt ernst meint, kommt sie um keines der Projekte herum.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare