Erinnerung

„Das wird schon“

Die ersten Schritte und der unverhohlene Stolz

Felix begleitete mich zu dem ersten Termin, den ich für die Stadtredaktion der FR absolvieren sollte: eine Sitzung des Ortsbeirats 1. Ich war furchtbar aufgeregt. „Das wird schon“, sagte Felix immer wieder und lächelte mir aufmunternd zu. Es wurde. Am nächsten Tag kam er extra eine halbe Stunde früher in die Redaktion, um mit mir die Themen des Abends zu besprechen. Ich fand sie langweilig. Es ging um eine Straßenbahn und eine U-Bahnlinie. Später half Felix mir bei meinem Text über die Straßenbahn.

Als ich einen Tag darauf unsere Artikel in der Zeitung las, wurde ich ziemlich überrascht. Die U-Bahn-Geschichte von Felix, die war fantastisch. Überhaupt nicht langweilig, im Gegenteil, sogar richtig interessant. Und erst sein Stil! Wow, so will ich auch mal schreiben können, dachte ich.

Außerhalb der Redaktion kannte ich Felix kaum, dafür kannten ihn viele andere. Ob bei der Eröffnung einer Stadtteilbücherei – „Rundschau? Da arbeitet der Felix Helbig. Meine Frau kennt seine Mutter, ich habe ihn auch schon gesehen“, bei Porträts mit politischen Aktivisten – „Den Felix Helbig, den kenne ich ja auch, noch aus dem Studium“, oder auf Ortsbeiratssitzungen – „Ja, ja, der Felix Helbig, der ist so einer. Toller Journalist!“ Schnell begriff ich: Der Felix ist einer, mit dem sich die Leute schmücken. Mir kam das übertrieben vor.

Wenn Menschen heute darüber lästern, wie schlecht die FR angeblich geworden sei, sage ich: Ihr lest die Rundschau wahrscheinlich gar nicht, oder? Häufig ist das so. Dann verweise ich meist mit unverhohlenem Stolz auf die Artikel von Felix. Ohne es zu bemerken, hatte auch ich angefangen, mich mit Felix zu schmücken.

Als ich von seinem Tod erfuhr, ging ich in die kleine Teeküche, draußen vorm Newsroom. Dort war unsere Sekretärin Steffi. Sie schnitt weiße Tulpen für Felix’ Tisch. Ich stellte mich neben sie und starrte wortlos auf die Blumen.

Eva Marie Stegmann

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