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Interview

„Da wird einem angst und bange“

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Förster Peter Rodenfels spricht im Interview über den Frankfurter Stadtwald.

Herr Rodenfels, das vergangene Jahr war sehr trocken, auch aktuell fällt wenig Regen. Wie geht es dem Frankfurter Stadtwald?
Die Ausgangssituation ist noch schlechter als letztes Jahr um diese Jahreszeit. Im Herbst 2017 und im Frühjahr 2018 hatte es eigentlich ganz gut geregnet, bevor der Regen dann von April bis in den Winter ausgeblieben ist. Aktuell sind die Wasserspeicher ziemlich leer und die Ausgangsbedingungen ziemlich schlecht. Beim Laubholz können wir noch nicht ganz sagen, wie es sich mit der Trockenheit des letzten Sommers abgefunden hat, das sehen wir erst am Laubaustrieb, der jetzt beginnt. Richtig schlecht geht es der Kiefer, die wir ja in Frankfurt auf großer Fläche haben.

Im letzten Waldzustandsbericht hieß es schon Ende 2018, 94 Prozent der Bäume im Stadtwald seien geschädigt, 51 Prozent sogar stark beeinträchtigt. Was steht zu befürchten, wenn 2019 genauso trocken wird wie 2018?
Wenn es genauso trocken wird bei diesen schlechten Startbedingungen, dann wird es noch schlimmer kommen. Dann hätten wir bei der Kiefer noch höhere Ausfälle als in diesem Jahr. Aktuell müssen wir beim Nadelholz viel fällen, um möglichen Brutherden für den Borkenkäfer zuvorzukommen. Und wir haben das Problem, dass wir mehr in der Verkehrssicherung zu tun haben, weil Bäume an den Straßenrändern geschädigt sind.

Sie räumen aktuell also die Schäden des Sommers 2018 weg? 
Ja. Wir machen aktuell vor allem Verkehrssicherung, weil das Vorrang hat. Bei den Kiefern haben wir gar nicht alles geschafft. Gerade in den südlicheren Teilen des Stadtwaldes, in Richtung Flughafen, stehen noch Kiefern, die eigentlich gefällt werden müssten. Und das wird jetzt schwer, weil auch die gesunden Bäume Schaden nehmen könnten, wenn da erst einmal der Saft eingeschossen ist.

Forsten Sie eigentlich schon mit neuen Arten auf, die mit der Trockenheit besser klarkommen?
Wir setzen immer auf eine Mischung an Bäumen. Aktuell haben wir ungefähr sieben Prozent fremdländische Baumarten im Stadtwald, namentlich Douglasie und Roteiche. Die kommen ganz gut klar mit dem Klima, das wir im letzten Jahr hatten. Mit der FSC-Zertifizierung für nachhaltige Waldwirtschaft haben wir uns dazu verpflichtet, den Anteil an fremdländischen Arten auf maximal 20 Prozent zu beschränken. Die Goethe-Uni testet in Schwanheim gerade, wie sich mediterrane Eichenarten hier verhalten. Vielleicht wird man in Zukunft stärker auf die setzen müssen. Es kann nämlich sein, dass gewisse Baumarten einfach ganz ausfallen werden. Wenn ich mir die Klimaentwicklung angucke, dann werden wir im Rhein-Main-Gebiet ein Klima bekommen, wie es jetzt in Frankreich vorherrscht. Und ich weiß nicht, wie es dann zum Beispiel um die Buche steht in 100 oder 150 Jahren. Wenn solche Jahre wie 2018 jetzt häufiger kommen, wird sich der Anteil der aktuell vertretenen Bäume auf jeden Fall verändern.

Peter Rodenfels (2. von rechts) ist Vize-Leiter der Abteilung Stadtforst im Frankfurter Grünflächenamt.


Auf was stellen Sie sich denn mittelfristig ein, wenn sich das Klima weiter verändert?
Da wir für Generationen im Voraus planen müssen, können wir immer nur das machen, wovon wir annehmen, dass es klappt. Ich kann nicht nur auf ein Pferd setzen, sondern muss mein Baumarten-Portfolio streuen. Und das muss eben vor allem Baumarten beinhalten, die an Trockenheit angepasst sind. Mit der Eiche ist man in der Vergangenheit bei Trockenheit gut gefahren, mit der Kiefer auch. Und dann wird man noch ein bisschen nach Südeuropa und in andere Länder schielen, was da gut wächst.

Macht die Entwicklung Ihnen als Förster große Sorgen?
Ja, auf jeden Fall. Ich würde ganz gerne in dem Beruf alt werden, und derzeit sind wir nur am reagieren. Wir müssen aber mit den Folgen des Klimawandels fertigwerden und unseren Wald für die zu erwartenden Bedingungen ausbauen. Und da wird es einem schon angst und bange. Wenn dieses Jahr genauso wenig Niederschlag bringt wie das letzte, dann haben wir ein echtes Problem. Und dann fällt auch viel aus, was über Jahrzehnte gewachsen ist. Aber vielleicht regnet es ja auch den ganzen Sommer über, das wäre natürlich schön.

Sie wünschen sich jetzt also möglichst viel Regen?
Genau. Am besten ein schöner Landregen, damit die Nässe nicht auf dem Boden stehen bleibt und die Wurzeln schädigt.

Am besten gleich drei Wochen?
Drei Wochen? Gerne auch drei Monate! Das wäre mein Traum, auch wenn ich damit wahrscheinlich nicht vielen Waldbesuchern aus der Seele spreche.

Interview: Hanning Voigts

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