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Städtische Bühnen in Frankfurt.

Zukunft der Bühnen in Frankfurt

„Wir sollten einen Bühnen-Beirat von Experten gründen“

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Der CDU-Kreisvorsitzende Jan Schneider will Intendanten, und Architekten in die Entscheidung für einen Neubau einbeziehen und verteidigt das Konzept ihn am Osthafen zu errichten.

Am heutigen Dienstag beraten die führenden Politiker der Römer-Koalition von CDU, SPD und Grünen erstmals über die Empfehlung der kommunalen Stabsstelle, die Städtischen Bühnen neu zu bauen. Die FR sprach mit dem CDU-Kreisvorsitzenden und Baudezernenten Jan Schneider.

Herr Schneider, Ihre Kollegin, Kulturdezernentin Ina Hartwig, hat Ihnen vorgeworfen, ihr Konzept, die Städtischen Bühnen abseits des Willy-Brandt-Platzes am Osthafen zu errichten, sei technokratisch und eiskalt. Bedeutet Ihnen die Tradition des Bühnenstandorts am Brandt-Platz überhaupt nichts?

Dass man dieses Projekt emotional diskutiert, ist nicht überraschend. Es gibt viele Menschen, deren Herz an der Doppelanlage hängt. Auch ich habe viele schöne Erinnerungen, die ich mit dem Theater dort verbinde. Wir müssen aber überlegen, wie wir einen Neubau der Städtischen Bühnen verwirklichen, ohne den künstlerischen Betrieb und die Reputation des Hauses zu beschädigen. Da kommen wir in der Römer-Koalition derzeit noch zu unterschiedlichen Lösungen.

Könnte es denn sein, dass der Kompromiss wäre, das Schauspiel am Willy-Brandt-Platz zu belassen und die Oper an einem anderen Standort zu bauen?

Ich gehe gerne und regelmäßig Kompromisse ein, es dürfen nur keine faulen Kompromisse sein. Die CDU spricht sich für den Neubau einer Theater-Doppelanlage an einem anderen Standort aus, nicht, weil wir unbedingt vom Willy-Brandt-Platz wegwollen. Sondern weil wir einen gravierenden Vorteil sehen: Wenn sie eine Theater-Doppelanlage an einem anderen Ort bauen, entsteht ein komplett neues Haus. Es gibt nur eine Baustelle, und nach deren Fertigstellung kann der gesamte Bühnenbetrieb auf einmal umziehen. Was die Kulturdezernentin und die SPD möchten, klingt ja nur nach zwei Baustellen. In Wahrheit sind es deren vier. Wir reden von vier Baumaßnahmen, die jeweils eine dreistellige Millionensumme kosten würden. Man muss zunächst einen Neubau der Oper errichten, für den man erst mal ein Grundstück finden müsste. Dann muss ein Interim für das Schauspiel gebaut werden. Parallel muss ein Logistikzentrum für Werkstätten und Probebühnen errichtet werden. Die vierte Baustelle ist dann der Neubau am Willy-Brandt-Platz. Das alles wird viele Jahre dauern. In all dieser Zeit wäre der künstlerische Betrieb massiv beeinträchtigt. Das halten wir für fatal.

Der Vorwurf an die CDU ist auch, dass sie das zentrale städtische Grundstück am Willy-Brandt-Platz für die Spekulation des privaten Immobilienmarktes öffnet, wenn die Stadt den Platz veräußert.

Das lenkt nur vom Thema ab. Diese Entscheidung steht in 15 Jahren an. Der Willy-Brandt-Platz muss eine kulturelle Nutzung behalten.

Das heißt, sie würden den Brandt-Platz nicht einfach an Immobilienfirmen verkaufen?

Der Magistrat und die Stadtverordnetenversammlung haben darüber zu entscheiden. Die CDU will aber keineswegs einen Verkauf des Grundstücks am Willy-Brandt-Platz. Die SPD versucht nur davon abzulenken, dass sie selbst ein großes Problem hat: Das Baugrundstück für die Oper hat sie aktuell nicht.

Noch mal präzise: Die CDU will das städtische Grundstück am Willy-Brandt-Platz im städtischen Besitz behalten?

Es gibt eine klare Beschlusslage der Römer-Koalition, das wir städtische Grundstücke nicht mehr verkaufen. Wir würden das Grundstück am Brandt-Platz in Erbpacht vergeben, und dann kann die Stadt natürlich Nutzungen vorschreiben. Da kann man sich Kombinationen vorstellen: Eine kulturelle Nutzung in den unteren Geschossen und darüber etwas anderes …

… also Büros und ein Hotel?

Noch einmal: Das lenkt alles vom Kernproblem ab. Wir haben kein Baugrundstück für eine neue Oper, und wir haben auch keine Fläche für einen Interimsbau. Wir sind an einem Punkt, an dem wir uns in der Römer-Koalition schwertun. Wenn jeder an seiner Meinung festhält, werden wir bis zur Kommunalwahl nicht vorankommen. Ich will aber keine Blockade …

Sie wollen einen Grundsatzbeschluss vor der Kommunalwahl im Frühjahr 2021?

Die Kulturdezernentin hat gesagt, jetzt liege alles auf dem Tisch. Jetzt könnten die Stadtverordneten entscheiden. Ich sehe das nicht so. Ich möchte gerne deshalb in die politische Diskussion einen Vorschlag einbringen. Wir sollten einen „Bühnenbeirat“ von Experten gründen, der die Sache aus der politischen Diskussion herausholt. Der Beirat sollte vorschlagen, wo die Städtischen Bühnen entstehen sollen. In diesem Gremium sollen Stadtplaner, Architekten, Repräsentanten von Kunst und Kultur vertreten sein.

Aber auch Politiker der Römer-Koalition?

Dieses Gremium sollte sagen, was städtebaulich vernünftig ist.

Das wären also Berater des Magistrats?

Das wäre wichtig. Ich hätte gerne mal eine ehrliche Aussage von Vertretern des Opernorchesters, von den Bühnenintendanten, von Stadtplanern. Auch kompetente Frankfurter Bürger sollten dabei sein, ich habe durchaus den einen oder anderen vor Augen …

… zum Beispiel den früheren Planungsdezernenten Martin Wentz mit seiner Stiftung, die eine private Oper bauen will?

Wir sind eine Stadt, in der es viele kluge Köpfe gibt. Am Dienstag bringe ich diesen Vorschlag des Beirats in die Koalitionsrunde ein. Ein solches Gremium wäre eine Lösung, damit der Pulverdampf sich wieder verzieht.

Da wären auch die Intendanten von Oper und Schauspiel dabei?

Da müssen auch die Intendanten dabei sein.

Der Beirat müsste bis Ende des Jahres einen Vorschlag machen?

Ja. Der Beirat würde helfen, die Akzeptanz des Projekts zu erhöhen.

Ich würde gern auf den Vorschlag der CDU kommen, die Städtischen Bühnen komplett auf dem heutigen Raab-Karcher-Gelände am Osthafen zu errichten. Die Kulturdezernentin kritisiert, diese Fläche sei vom öffentlichen Nahverkehr schlecht erschlossen, und es gebe kein urbanes Umfeld. Was sagen Sie dazu?

Der Willy-Brandt-Platz ist auch nur belebt, bevor eine Aufführung beginnt und kurz danach. Es gibt ein oder zwei Restaurants, und ansonsten ist das im Wesentlichen eine Nahverkehrsstation. Es ist kein sehr urbaner Platz. Am Osthafen gibt es seit dem Umzug der EZB eine irrsinnige Dynamik. Wir haben den Osthafenpark. Es entstehen mehrere Hotels, ein Tagungs- und Kongresszentrum und mehrere Hundert Wohneinheiten. Natürlich ist dort jetzt noch ein Unternehmen, das die Fläche nutzt …

… die Stadt müsste die Firma Raab-Karcher sehr teuer rauskaufen.

Ich setze in diesem Punkt auf Kompromissbereitschaft. Am Osthafen gibt es in der Nähe die U-Bahn-Station am Ostbahnhof. Es gibt die Straßenbahnlinie 11, nur drei Minuten Fußweg entfernt. Es entsteht ein Tagungs- und Kongresszentrum auf dem nahen Honsell-Dreieck. Im Übrigen gibt es weltweit Beispiele, wie gerade Kulturbauten Urbanität schaffen können.

Würden die Städtischen Bühnen am Osthafen nicht mit den dortigen Gewerbebetrieben kollidieren? Denen hat doch die Stadt bis zu 50 Jahren Bestandsgarantie gegeben.

Diese gewerbliche Nutzung wollen und werden wir nicht infrage stellen. Wir glauben, dass man die Bühnen und die Hafenbetriebe baulich gut trennen kann. Wir können am Hafen alles unter einem Dach unterbringen. Auch die Werkstätten, den Fundus und die Probebühnen.

Interview: Claus-Jürgen Göpfert

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