Frankfurter Diakoniekliniken

Frankfurter Diakoniekliniken: „Wir sind stabil“

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Die Frankfurter Diakoniekliniken stehen finanziell solide da. Geschäftsführer Jürgen Schäfer erklärt, warum.

Der evangelische Gesundheitskonzern Agaplesion hat seinen Geschäftsbericht vorgelegt. Darin wurde bundesweit ein Gewinn von mehr als sechs Millionen Euro vermerkt. Die Frankfurter Diakoniekliniken, also das Markuskrankenhaus in Bockenheim und das Bethanienkrankenhaus im Nordend, stehen finanziell gut da. In einem Gespräch mit der Frankfurter Rundschau erklärt Geschäftsführer Jürgen Schäfer das Erfolgsgeheimnis.

Herr Schäfer, das Elisabethenkrankenhaus musste Insolvenz anmelden und verkauft werden, das städtische Krankenhaus in Höchst kämpft ständig mit den roten Zahlen – wie schaffen es die Diakoniekliniken, gesund dazustehen?
Wir haben schon vor 25 Jahren begonnen, uns neu aufzustellen. Das Mühlbergkrankenhaus und das Diakonissenkrankenhaus haben wir aufgegeben und uns damals schon überlegt, wo wir hinwollen.

Dann war Agaplesion einer der ersten Konzerne, der auf die vielen Veränderungen im Gesundheitssystem vorausschauend reagiert hat?
Wir haben uns früh auf bestimmte Schwerpunkte festgelegt. Wir wollten zum Beispiel unbedingt Altersmedizin machen. Und dann hatten wir die große Kardiologie im Bethanien mit 100 000 ambulanten Patienten im Jahr.

Die katholischen Katharina- Kasper-Kliniken habe sich in Frankfurt auch auf einen Standort, das Elisabethenkrankenhaus, beschränkt und das Marienkrankenhaus geschlossen. Trotzdem hat es nicht funktioniert.
Woran das liegt, ist schwierig zu sagen. Wir haben immer erst überlegt, wo wir medizinisch hinwollen, und uns dann erst an die Planung neuer Gebäude gemacht. Wir haben zum Beispiel die Geburtshilfe an das Bürgerhospital abgegeben, die Frauenheilkunde hingegen haben wir verstärkt.

Kooperationen gehören also auch zum Zukunftskonzept bei Agaplesion?
Zwingend. Wir haben einige große Partner wie die Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik, mit der wir uns bestimmte Aufgaben teilen und auch Mitarbeiter austauschen.

Jürgen Schäfer ist einer von zwei Geschäftsführern der Frankfurter Diakoniekliniken.

Wie stehen Markus- und Bethanienkrankenhaus derzeit finanziell da?
Wir sind stabil. Wir haben keinen Investitionsstau. Wir haben viel in die Technik und in Gebäude investiert. Das letzte Projekt ist jetzt der Neubau für die zentrale Sterilisation beider Häuser. Natürlich würden wir uns freuen, wenn wir mehr einnehmen würden.

Als gemeinnützige Gesellschaft dürfen Sie das Geld ja ohnehin nur für die eigenen Einrichtungen ausgeben.
Das stimmt, aber wir würden gern auch mehr investieren.

In dem Geschäftsbericht ist von einem weiteren Wachstumskurs die Rede. Ist da auch Frankfurt tangiert?
Ja. Was immer eine Herausforderung bleibt, ist, evangelische Träger ins Boot zu holen, und da gibt es in Frankfurt noch das Krankenhaus Sachsenhausen. Das wäre ein Wunschkandidat.

Wie verändert sich der Gesundheitsmarkt in Frankfurt. Werden alle Krankenhäuser überleben?
Nein.

Wer wackelt denn am meisten?
Das kann ich nicht sagen. Ich kann nur umgekehrt sagen, dass man nach den Erfahrungen in Gießen und Marburg die Frankfurter Uniklinik in Ruhe lassen wird.

Und wie ist es ums Personal, die Pflegekräfte und die Ärzte, bestellt. Können Sie alle Stellen besetzen?
Arztstellen in Frankfurt zu besetzen, ist bei vernünftigen Chefärzten kein Problem.

Was meinen Sie mit „vernünftigen Chefärzten“?
Damit meine ich Chefärzte mit einem guten Führungsstil, die ihre Leute motivieren können und ihnen eine Perspektive geben. Insgesamt sollten die Hierarchien in den Krankenhäusern flacher werden.

Und wie sieht es in der Pflege aus?
Das ist im Ballungsraum jetzt schon ein großes Problem. Sonderdisziplinen, zum Beispiel die Palliativmedizin, sind gut zu besetzen. Das Massengeschäft, etwa die internistische Allgemeinstation, das ist extrem schwierig. Auch der gesamte Intensivbereich ist schwierig.

Wie reagieren die Diakoniekliniken auf den Pflegenotstand?
Wir setzen auf zwei Strategien. Wir werden unsere Pflegeschule auf 175 Plätze aufstocken. Und dort bieten wir auch eine Teilzeitausbildung mit Kindergartenplätzen, sozialer Betreuung und Sprachförderung an. Die dauert dann vier, nicht drei Jahre.

Welche Rolle spielt die Anwerbung von Fachkräften aus dem Ausland?
Das machen wir ganz intensiv seit 15 Jahren. Früher waren wir in Europa unterwegs. Derzeit engagieren wir uns vor allem in Mexiko. Dank Herrn Trump dürfen die Mexikaner ja nicht mehr in die USA. Die ersten 24 Bewerber sitzen jetzt in Mexiko City in der Schule, die werden im Oktober oder November hierherkommen.

Wie klein die Welt ist...
Ja, und dann gibt es noch ein großes Projekt in China, wo wir mit einer Sprachschule und einer Hochschule zusammenarbeiten. Bei den Chinesen besteht die Absicht, nach drei bis fünf Jahren zurückzugehen. Darüber wird auch ganz offen gesprochen.

Das letzte Stichwort: Digitalisierung. Was bekommen die Patienten davon mit?
Die Dokumentation, die früher nach der Visite erstellt wurde, wird jetzt mit einem Laptop gleich während der Visite erledigt. Wenn sich der Arzt noch einmal ein Röntgenbild ansehen möchte, kann er das sofort tun. Alle Befunde sind online, sodass auch die Fragen der Patienten schnell beantwortet werden können.

Interview: Friederike Tinnappel

Zur Person

Jürgen Schäfer ist einer von zwei Geschäftsführern der Frankfurter Diakoniekliniken, die zum bundesweit agierenden evangelischen Gesundheitskonzern „Agaplesion“ gehören.

Der 58-Jährige hat nach einer handwerklichen Ausbildung und der Tätigkeit als Rettungsassistent Personalfachwirt studiert.

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