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2018 protestierten Eltern und Schüler der IGS Nordend gegen die Auftragsvergabe der Schulverpflegung an Großcaterer Sodexo.

Schulessen in Frankfurt

„Wir sind Sodexo gegenüber misstrauisch“

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Der Catering-Konzern Sodexo will sich an der Elisabethenschule zurückziehen. Der Schulelternbeirat ruft dennoch zum Boykott auf.

Immer wieder haben die Eltern der Elisabethenschule die Qualität des Mensaessens und den ständigen Personalwechsel beim Caterer Sodexo bemängelt. Doch es ändert sich nichts. Der Schulelternbeirat hat deshalb zum Boykott der Mensa aufgerufen. So soll verhindert werden, dass Sodexo an der bevorstehenden Neuausschreibung der Essensversorgung teilnimmt. Gegenüber der Frankfurter Rundschau äußerte eine Unternehmenssprecherin, dass Sodexo keine fortdauernde Auseinandersetzung mit Elternvertretern über die Zukunft der Essensversorgung an der Elisabethenschule wolle. Deshalb werde Sodexo „an der Ausschreibung nicht teilnehmen“. Schulelternbeirätin Tanya Elshorst spricht im Interview darüber, warum die Mensa trotzdem boykottiert wird.

Frau Elshorst, was hat Ihre Tochter gestern Mittag gegessen?

Ich habe eine Schüssel Nudelsalat gemacht und drei ihrer Freundinnen haben mitgegessen. Die nächsten Tage bin ich jetzt nicht mehr dran, das Mittagessen zu machen. Wir wechseln uns in einer Gruppe von Eltern damit ab.

Sodexo hat angekündigt, nicht mehr an der Ausschreibung für die Essensversorgung in der Elisabethenschule teilzunehmen. Ist der Boykott überhaupt noch nötig?

Weder die Schulleitung noch die Stadt weiß davon etwas. Das Unternehmen ist zwar nicht verpflichtet, das mitzuteilen. Aber wir haben Sodexo unseren Boykottaufruf geschickt und es kam keine Reaktion bisher. Wenn uns das Unternehmen bestätigt, dass es sich nicht mehr bewerben wird, dann können wir den Boykott abblasen. Dann haben wir unser Ziel erreicht. Aber wir sind misstrauisch. Unsere Befürchtung ist: Wenn wir die Mensa nicht boykottieren, nimmt uns Sodexo nicht ernst. Und bewirbt sich dann vielleicht doch.

Wie viel Unterstützung gibt es für den Boykott?

Wie viele Schülerinnen und Schüler nun noch bei Sodexo essen, kann man schwer einschätzen. Das lässt sich nicht einfach in der Mensa sehen. Denn viele essen ja trotzdem in den Räumen – eben nun ihr mitgebrachtes Essen. Aber es stehen schon viele Eltern dahinter. Man kann jedoch niemanden zwingen mitzumachen. Denn es ist ein ganz schöner Mehraufwand, für das Mittagessen selbst zu sorgen. Ich kann auch verstehen, wenn Eltern diesen Aufwand zeitlich nicht leisten können.

Wie viele Schülerinnen und Schüler haben vor dem Boykott in der Mensa bei Sodexo gegessen?

Man sieht die wachsende Unzufriedenheit mit Sodexo an den Essensanmeldungen. Als Sodexo im Sommer 2018 bei uns begonnen hat, haben ungefähr 200 Kinder am Tag gegessen. Das ist schon nicht so viel an einer Schule mit etwa 1000 Schülerinnen und Schülern. Inzwischen sind es im Schnitt nur noch 100 Essensanmeldungen am Tag.

Was erwarten Sie von einem neuen Caterer?

Wir hoffen nun, dass Bildungsdezernentin Sylvia Weber zu ihrem Wort steht, die Vergabekriterien fürs Catering überarbeitet und die neuen Richtlinien auch schon für die nächsten Ausschreibungen gelten. Damit dann kleinere und regionale Anbieter eine Chance haben. Große Konzerne wie Sodexo sind für die Bedürfnisse an Schulen viel zu unflexibel.

Interview: Sandra Busch

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