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Hand in Hand um die Wette zu laufen macht noch mehr Spaß.

Sportlerfestival Kalbach

„Wir sind Familien wie alle anderen“

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Was sie sportlich alles drauf haben, zeigen Kinder und Jugendliche mit Downsyndrom in Kalbach.

Mitten im Getümmel stehen Lena-Marie und Luca-Henry. Am Samstagvormittag sind die beiden Kinder neben Hunderten weiteren Besuchern zum „17. Deutschen Down-Sportlerfestival“ in die Kalbacher Sporthalle gekommen. Alle haben Luftballons in den Händen und warten auf einen gemeinsamen Einlauf über die Tartanbahn der Halle.

Mehr als 600 junge Sportler mit Down-Syndrom haben sich angemeldet, um sich bei sportlichen Wettkämpfen wie 1000-Meter-Lauf, Weitsprung und Weitwerfen, Tischtennis, Basketball und Fußball zu messen. Zwischen sieben und 22 Jahren sind die Teilnehmer alt. Daneben gibt es Workshops wie Yoga und Tanzen oder eine Modenschau. Mehr oder weniger bekannte TV-Promis, darunter der Moderator einer Model-Castingshow, unterstützen das Festival ebenso wie rund 400 ehrenamtliche Helfer.

„Oh, da ist die Maus“, ruft Dominique Wagner aus Friedrichsdorf ihrer Tochter zu. Lena-Marie schaut hinterher. Doch im Nu ist der Mensch im orange-braunen Stoffkostüm, das die Kultfigur der Sendung mit der Maus darstellt, verschwunden. „Für Lena ist das jedes Jahr ein Riesen-Highlight“, sagt Wagner. Schon als ihre Tochter noch im Kinderwagen gelegen habe, sei die Familie zu dem Sportfest gekommen. Mittlerweile ist ihre Tochter elf Jahre alt und gehe regelmäßig zum Turnen und Reiten, berichtet die Mutter.

Beim Sportfest wolle sie am Weitwerfen und der alljährlichen Modenschau teilnehmen, zu der sie ein Kleid mitgebracht habe. „Mit dem kann ich mich schön drehen“, sagt Lena-Marie.

„Man trifft so viele Gleichgesinnte“, sagt ihre Mutter. „Es ist irgendwie rührend, ich habe beim Einlauf immer Tränen in den Augen.“ Auf dem Fest können sie zeigen: „Wir sind Familien wie alle anderen auch“.

Inge Haus und Ingrid Meffert sind Nachbarinnen und tragen heute rote Shirts, so wie die anderen ehrenamtlichen Helfer in der Sporthalle. Die beiden Riedbergerinnen sind beim Weitwerfen eingeteilt und warten auf die ersten Athleten. „Mir tut das so gut“, sagt die 78-jährige Inge Haus mit Tränen in den Augen. Ihre Nachbarin habe sie auf das Fest aufmerksam gemacht. Beim Einlauf der jungen Sportler habe sie immer Gänsehaut. „Mir gibt das so viel, zu sehen, wie gut die Kinder drauf sind und wie sie sich freuen“, sagt sie.

„Es macht uns Spaß, weil’s dene Spaß macht“, ergänzt Ingrid Meffert in feinstem Hessisch. Geküsst und gedrückt würden sie von den Kindern und Jugendlichen auch des Öfteren.

Luca-Henry klatscht indes ganz aufgeregt immer wieder in die Hände. „Das ist ein spezieller Tag für Jungs und Mädels mit Down-Syndrom“, sagt ihr Vater Rudolf Walz. „Der Einlauf ist mit das Schönste.“ Schon zum fünften oder sechsten Mal seien sie dabei. „Mittlerweile wird’s ganz schön voll und langsam Zeit für eine neue Halle.“ Es sei schon schwer, Parkplätze zu finden.

Gefragt nach den Sportarten, die der Zehnjährige betreibe, antwortet Luca-Henry mit Taten und führt Liegestützen – sogar einhändige – vor. So würde es sein Vater auch machen, sagt der Junge grinsend. Basketball und Tennis würden ihn auch interessieren. Außerdem kickt der Neu-Isenburger in der Offenbacher Fußballmannschaft „Bananenflanke“, in der Menschen mit verschiedenen Beeinträchtigungen zusammen spielten. Dann laufen die Sportler ein und werden mit einem brandenden Applaus von den Zuschauern auf der prall gefüllten Haupttribüne empfangen.

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