Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Madjid Djamegari in dem Nachtclub mit den coronabedingten neuen „Kabinen“ auf der ehemaligen Tanzfläche.
+
Madjid Djamegari in dem Nachtclub mit den coronabedingten neuen „Kabinen“ auf der ehemaligen Tanzfläche.

Porträt der Woche

Corona in Frankfurt: „Warum nicht in den Club und tanzen?“

  • Helen Schindler
    VonHelen Schindler
    schließen

Madjid Djamegari, Geschäftsführer des Gibson Clubs, blickt auf ein schwieriges Jahr ohne Tanzen in der Corona-Krise zurück.

Frankfurt am Main - Für Madjid Djamegari waren die vergangenen Monate nicht leicht. „Es gab viele, viele dunkle Tage“, sagt er. „Die Unsicherheit ist für einen Unternehmer das Schlimmste.“ Madjid Djamegari ist Geschäftsführer des Frankfurter Gibson Clubs und sitzt im Vorstand der Initiative Gastronomie Frankfurt (IGF) und des Dehoga Hessen. Wegen der Corona-Krise darf die Gastroszene seit sechs Monaten nur Abholung und Lieferung anbieten.

Clubs sind seit über einem Jahr nicht mehr offen gewesen. Natürlich sei es nötig gewesen, Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie zu ergreifen, sagt Djamegari. „Aber wir haben ein riesiges Sonderopfer bringen müssen als Gastro- und Eventbranche – obwohl wir keine Pandemietreiber sind. Das war unfair, das fanden wir in vielen Bereichen unverhältnismäßig.“

Corona in Frankfurt: Gastronomie beteiligt sich an Aktion „Leere Stühle“

Immer wieder haben IGF und Dehoga mit Aktionen versucht, auf die Situation der Gastrobranche aufmerksam zu machen – mit Erfolg, findet Djamegari. Im April 2020 beteiligten sich die Frankfurter Gastronom:innen an der bundesweiten Aktion „Leere Stühle“. 1000 Stühle stellten sie auf dem Römerberg auf. „Mit den Bildern, die wir produziert haben, waren wir Aufmacher in der ARD-Tagesschau, das hat jeder gesehen“, sagt Djamegari. „Damals gab es gerade mal eine Soforthilfe, die für die meisten nur ein Tropfen auf den heißen Stein war.“ Nach der Aktion habe die Branche viel Solidarität erfahren. „Wir haben uns konstruktiv gezeigt, das ist sehr positiv von der Politik aufgenommen worden. Die Entschädigung kam dann zum Teil, wenn auch spät.“ Die Aktion habe das Bewusstsein geschärft.

„Aber wir haben auch mal Zähne gezeigt.“ Nämlich, als die IGF gegen die 2020 in Hessen geltende Fünf-Quadratmeter-Regel in Gastrobetrieben klagte. Bevor die Klage durch gewesen sei, sei die Verordnung geändert worden. „Wir haben das als Signal gesehen, dass wir richtig gelegen haben.“ Kritikpunkt der IGF: Dass sie nicht einbezogen worden sei in die Diskussion. „Danach saßen wir bei den meisten Entscheidungen mit am Tisch.“

Corona in Frankfurt: Inzidenzen sinken - Restaurants könnten bald wieder öffnen

Angesichts sinkender Corona-Inzidenzen und steigender Impfquote fordert die Szene eine Öffnungsperspektive. In einem Aufruf an die Landesregierung fordert der Dehoga gemeinsam mit dem Hessischen Industrie- und Handelskammertag und dem Handelsverband Hessen, Außenbereiche der Gastronomie wieder zu öffnen, wenn ein Kreis eine stabile Inzidenz unter 100 aufweise. Auch in die Innenräume sollen Gäste mit negativem Test dürfen. Eine Entscheidung wird für diese Woche erwartet.

Djamegari ist optimistisch, dass die Politik dieser Forderung nachkommt. „Die Gastro ist ein geschützter Raum, die meisten verfügen über gute Luftfilteranlagen, haben aufgerüstet, beispielsweise mit Plexiglasscheiben, und insgesamt viel Geld investiert.“ Aus wissenschaftlicher Sicht gebe es keinen Grund, Genesene und Geimpfte nicht in Innenräumen zu bewirten. „Wenn man da noch negativ Getestete dazunimmt, können wir halbwegs wieder Normalität herstellen.“ Dafür müsse die Inzidenz zunächst unter 100 sinken. „Aber wir müssen uns rüsten, es gibt einen Vorlaufprozess. Wir brauchen Planungssicherheit.“

Gastro-Szene in der Corona-Krise: Beachclub in Maintal geplant

Wie gebeutelt die Szene tatsächlich aus der Krise komme, lasse sich noch nicht absehen. Die staatliche Unterstützung helfe, Insolvenzen hat Djamegari bisher keine mitbekommen, aber Geschäftsaufgaben, etwa wenn der Pachtvertrag auslaufe. „Wir sind alles Überlebenskünstler in der Gastro“, sagt der 52-Jährige. Aber: „Das ganze Ausmaß werden wir erst sehen, wenn die staatlichen Hilfen aufhören und wir zurück im Alltag sind.“ Vieles sei gestundet worden und müsse abbezahlt werden.

Auch seine eigenen Pläne sind durch Corona beeinflusst worden. Djamegari wollte eigentlich im Oktober 2020 ein mexikanisches Restaurant in der Stiftstraße eröffnen; nun plant er mit Oktober dieses Jahres. Und um sich als Clubbetreiber breiter aufstellen zu können, arbeitet er momentan an zwei Projekten. Zum einen sei langfristig ein Beachclub in Maintal geplant, zum anderen laufe ein kurzfristiges Projekt, zu dem er noch nicht mehr verraten könne.

Corona-Krise in der Clubbranche in Frankfurt - Öffnung der Clubs gefordert

Djamegari zählt sich zu den Optimisten der Branche. Aber insgesamt sei die Stimmung gemischt. „Viele haben resigniert und glauben nicht mehr daran, dass bald gelockert wird.“ Djamegari aber gibt der Blick ins europäische Ausland Hoffnung: „Da, wo gelockert wird, explodieren die Zahlen nicht. Wir läuten das Ende der jetzigen Phase ein. Bis Ende des Sommers werden wir hoffentlich eine gewisse Form der Herdenimmunität erreichen.“

Und aus diesem Grund ist er auch optimistisch, was die Öffnung der Clubs angeht. Insbesondere seit er die Bilder aus Liverpool gesehen habe. Dort feierten Anfang Mai Tausende Menschen mit negativen Testergebnissen legal bei einer Clubnacht ohne Abstand und Masken. Diese Bilder zeigten auch, dass es einen Run auf die Clubs geben werde, sobald es wieder erlaubt sei. „Gerade bei jungen Menschen, die gesundheitlich nicht so sehr betroffen sind, ist das Bedürfnis da.“

Corona in Frankfurt: Genesene und Geimpfte sollen im Club tanzen können

Bereits jetzt gebe es keinen Grund, Genesene und Geimpfte vom normalen Leben auszuschließen. „Warum sollen die nicht in den Club und tanzen gehen können?“ Seine Zielgruppe sei zwar zum Großteil noch nicht geimpft. „Aber ich gehe davon aus, dass es ab September wieder Sinn macht, Clubs zu öffnen.“ Bereits früher rechnet er damit, dass Clubs in restaurantähnlicher Form, mit Bestuhlung und ohne Tanzfläche, öffnen dürfen. Das Gibson sei bereits komplett bestuhlt, 400 Menschen könnten so bewirtet werden. Das ergebe eine schwarze Null.

Während das Gibson mit einem Übergangsmodell leben könnte, sei das für andere Clubs schwieriger. „In rein elektronischen Clubs wollen die Leute nur tanzen, die werden es wesentlich schwieriger haben, auch weil sie meistens kleiner sind“, sagt Djamegari. Er hoffe, dass die Clubs durchhielten. „Es wäre schade, die Diversität zu verlieren. Wir haben viele tolle unterschiedliche Clubs in Frankfurt, wir brauchen das für das Großstadtgefühl.“

Er sei davon ausgegangen, dass eine Öffnung mit Bestuhlung schon viel früher wieder möglich sein werde. Nun rechne er damit, dass diese Übergangsphase, bis die Clubs wieder mit Tanzfläche öffnen dürfen, kurz ausfallen werde. Ob er seinen Club mit Bestuhlung für eine kurze Zeitspanne im Sommer öffnen würde, müsse er sich gut überlegen. Sein Hygienekonzept jedenfalls sei abgenommen. „Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht und sind ready to go.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare