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Martin Kelbert arbeitet auf der Intensivstation im Nordwestkrankenhaus.
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Martin Kelbert arbeitet auf der Intensivstation im Nordwestkrankenhaus.

Corona-Virus

„Wir machen die Hauptarbeit“

  • Jutta Rippegather
    vonJutta Rippegather
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Intensivpfleger Martin Kelbert über seine Profession als Stütze der Gesellschaft in der Pandemie.

Seit April kämpft Martin Kelbert auf der Intensivstation des Frankfurter Nordwestkrankenhauses gegen Covid. Eine anspruchsvolle Aufgabe, die große Professionalität und eine siebenjährige Ausbildung erfordert. Das sei vielen nicht bewusst, sagt der 41-Jährige.

Herr Kelbert, die zweite Welle ist abgeflacht. Können Sie und Ihr Team auf der Intensivstation aufatmen?

Ja, seit einer Woche. Doch wir sollten uns nicht zu früh freuen. Es wäre nicht das erste Mal, dass man ein paar Tage Luft hat und es danach wieder schlagartig anzieht.

In der nächsten Woche tritt der erste Schritt der Lockdown-Lockerungen in Kraft. Die Schulen beginnen; eine neue potenzielle Infektionsquelle. Wäre es Ihnen lieber, wenn der Lockdown noch länger dauern würde?

Nein, als Vater einer Sechsjährigen bin ich sehr froh darüber. Letzte Woche stand meine Tochter weinend vor mir und fragte mich, ob sie jetzt gar keine Freunde mehr hat. Wir haben uns auch von den Großeltern sehr stark abgegrenzt. Für uns Pflegekräfte ist die Frage der Kinderbetreuung eine irrsinnige Belastung. Wir können ja kein Homeoffice machen. Mit den Schulöffnungen haben wir ein Problem aus dem Genick.

Was unterscheidet die Arbeit auf der Covid-Intensivstation von der auf einer normalen Intensivstation?

Wir als Intensivkräfte sind es gewohnt, mit dem Tod konfrontiert zu sein. Doch jetzt kämpfen wir gegen eine neue Krankheit, an der 30 Prozent sterben. Das ist frustrierend. Früher haben wir uns nach dem Dienst mit Freunden getroffen, Ablenkung gehabt. Jetzt sind wir, nur wenn wir schlafen, nicht mit Corona konfrontiert. Wir haben Covid auf der Arbeit, im Privaten, müssen uns um die Entlastung der Familie kümmern. Das ist schon sehr belastend. Durch die ständige Verlängerung des Lockdowns hat das immer mehr zugenommen. Es fehlt die Perspektive. Hinzu kommt die permanente Gefahr der Ansteckung.

Zur Person

Martin Kelbert (41) ist Fachkrankenpfleger für Anästhesie und Intensiv und leitete den Pflegebereich auf der medizinischen Intensivstation am Nordwestkrankenhaus. Er hat eine siebenjährige Ausbildung und studierte neben seiner Vollzeitstelle noch Betriebswirtschaft.

Das Nordwestkrankenhaus ist eines von insgesamt vier Kliniken in der Region Frankfurt/Offenbach, die als Hauptanlaufstelle für Covid-19-Patient:innen dienen. jur

Inzwischen ist Ihre Abteilung so gut wie durchgeimpft. Eine Entlastung?

Auf jeden Fall. Wir sind froh, dass wir mit als Erste geimpft worden sind. Trotz Schutzausrüstung ist das Infektionsrisiko für die Pflege sehr groß. Wir machen die Hauptarbeit. Uns sind jeweils zwei Patienten zugeteilt, die wir acht Stunden lang intensiv betreuen. Mit sehr engem Kontakt.

Was macht das emotional mit einem, wenn dieser Mensch dann trotz aller Bemühungen stirbt?

Am schlimmsten war die Zeit des ersten Lockdowns mit den strengen Besuchsreglementierungen in den Krankenhäusern. Als es auch viel Unsicherheit gab. Es ist schwierig, wenn Patienten alleine sterben, wenn Angehörige nicht reinkommen können. Da kompensiert unser Beruf auch viel. Das wissen viele nicht. Intensivpflegekraft ist ein toller, aber auch sehr anspruchsvoller Beruf, der eine gute langjährige Ausbildung bedarf.

Welche Lehren lassen sich aus der Pandemie ziehen?

Wir müssen endlich angehen, was seit Jahren bekannt ist. Wir haben einen Fachkräftemangel. Der Beruf muss attraktiver werden – auch beim Gehalt. Die Gesellschaft muss sehen, welche hohe Verantwortung wir auf den Intensivstationen und generell in den pflegenden Berufen tragen. Wir sind systemrelevant. Es ist daher wichtig, dass wir selbstbewusst auftreten. Wir sind eine Stütze der Gesellschaft.

Interview: Jutta Rippegather

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