Hauptbahnhof

„Wir hatten Bett und Frühstück“

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Die meisten Bahn-Kunden reagieren gelassen auf die Ausfälle.

Mit Anbruch der Dunkelheit war nicht nur „Sabine“ in Frankfurt angekommen – es kamen auch viele Reisende, die, wie der Wind, gerne weitergezogen wären. Die Warteschlange vor den Infoschaltern am Hauptbahnhof war am Sonntagabend wie eine einzige bitter-saure, bahnhofshallenfüllende Traube.

Am Morgen danach – nur noch hinter der Hälfte der angezeigten Fahrten steht „cancelled“ – wirkt alles wesentlich geordneter, die Auskunftsuchenden stehen wieder in Schlangen aufgereiht. Dort, wo wenige Stunden vorher noch stand: „Der Bahnverkehr wurde bundesweit eingestellt“ , ist jetzt zu lesen: „Es kann zu Beeinträchtigungen kommen.“

„Es wurde gut für uns gesorgt“, sagen Mels und Carl, die in einer der Schlangen warten. Die Fahrt von Mannheim nach Amsterdam am Sonntag hätten sie, wie geplant, lieber am Stück unternommen. Trotzdem können sie nach der Nacht im Hotel, das die Bahn ihnen besorgt hat, noch lachen. „Wir hatten ein Bett und Frühstück“, sagt Mels. „Ich muss erst heute Abend bei der Arbeit sein und hoffe, bis dahin sind wir da.“ Sohn Carl geht heute dann eben mal nicht zur Uni.

„Sie haben alles getan, was man in der Situation tun kann“, findet auch Ambiente-Messegast Mark Masur aus Kiel. „Ich habe keinen Groll.“ Er ist früher zum Bahnhof gekommen in der Hoffnung, dass er seinen Zug noch stornieren oder auf eigene Kosten einen Mietwagen ergattern kann. Über solche Gäste freuen sich die Bahn-Azubis, die Reisefachangestellte werden wollen und in roten Kitteln Kundenfragen beantworten. Wegen der Ausnahmesituation wurden sie Montagmorgen aus der Berufsschule geholt und hatten das erste Mal Kontakt mit Reisenden. „Ich habe es mir schlimmer vorstellt und gedacht, die Kunden sind viel genervter und wütender“, sagt eine. Stressig sei es vor allem gewesen, weil die Auskunftsmedien online noch nicht so zuverlässig sind, wie sie sein sollten, eine andere.

„Wir haben den Zugverkehr gestern aus Sicherheitsgründen eingestellt. Wir konnten so verhindern, dass Züge auf freier Strecke liegengeblieben sind und Fahrgäste von dort evakuiert werden mussten“, sagt eine Sprecherin der Bahn auf Nachfrage. Einige umgestürzte Bäume hätten zwar Strecken blockiert. „Größere Schäden hat es in Hessen aber nicht gegeben.“ Seit halb acht Uhr morgens sei der Verkehr dann schrittweise wieder aufgenommen worden. Auch die S-Bahn Rhein-Main sei zumindest im Halbstundentakt gefahren.

An 23 Bahnhöfen seien Aufenthaltszüge bereitgestellt worden, von denen mehrere Hundert Reisende auch Gebrauch machten. Anderen Fahrgästen wurden Hotel- und Taxigutscheine bis zu 80 Euro zur Verfügung gestellt.

Von den Frankfurter U-Bahnen war die Linie 4 am stärksten betroffen, wie der RMV mitteilt. Der oberirdische Abschnitt östlich der Seckbacher Landstraße wurde durch einen umgestürzten Baum blockiert. Er konnte erst am Mittag von den Gleisen geholt werden.

Zu „starken Beeinträchtigungen“ sei es auch im Luftverkehr gekommen, heißt es von Flughafenbetreiberin Fraport. Von über 1300 Starts und Landungen seien aus Sicherheitsgründen über 200 Flüge von den Airlines annulliert worden. Es kam zu zahlreichen Flugstreichungen und Verspätungen. Besonders den Interkontinentalverkehr habe man versucht, weitestgehend planmäßig weiterzuführen.

Es scheint, alle irgendwie Beteiligten haben dazu gelernt: Bahn- und Airline-Mitarbeiter sind auch nur Menschen, Reisende werden ungern unwissend im Kalten stehen gelassen. Und ein Sturm tut, was ein Sturm tun muss. Da müssen alle durch.

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