Europäische Schule

SPD will sich bei Votum für Schulbau in Frankfurt nicht hetzen lassen

  • Georg Leppert
    vonGeorg Leppert
    schließen

Sozialdemokraten haben beim Standort Mainwasen viele Fragen und sehen den Liegenschaftsdezernenten in der Pflicht. Derweil hat der Sportkreis eine klare Meinung zu den Plänen.

Mit scharfen Worten hat die Vorsitzende der SPD-Fraktion im Römer, Ursula Busch, die Kritik von Liegenschaftsdezernent Jan Schneider (CDU) zurückgewiesen, wonach die Sozialdemokraten eine Ansiedlung der Europäischen Schule auf den Mainwasen torpedierten. „Das ist Quatsch“, sagte Busch am Mittwoch im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau. Sie ergänzte: „Nur weil Herr Schneider jetzt diese Lösung will, müssen wir doch nicht sofort mitmachen.“

Schneider hatte sich am Mittwoch im FR-Interview für eine Ansiedlung der neuen Europäischen Schule auf den Mainwasen ausgesprochen. Die beiden Alternativen – eine Erweiterung am bisherigen Standort in Niederursel und ein Neubau am Kaiserlei – seien weniger geeignet. Schneider machte zudem deutlich, dass die Stadt unter Zeitdruck stehe. Der Europäischen Zentralbank sei die Erweiterung der Schule vertraglich zugesichert worden. Der Bund, der die Einrichtung gemeinsam mit der Stadt bauen möchte, erwarte nun die Festlegung auf einen Standort.

Doch die SPD will sich nicht hetzen lassen. „Die Stadt ist im Verzug, und jetzt kommen diejenigen, die dafür verantwortlich sind, und beschweren sich bei uns darüber“, sagte Busch. Es sei Schneiders Aufgabe, konkrete Pläne für die drei Alternativen vorzulegen. Das habe er bislang nicht getan, insofern habe sich die SPD auch noch keine Meinung gebildet.

Den Bau der Schule auf den Mainwasen schließt Busch zumindest nicht aus – auch wenn für die Fraktionschefin noch viele Fragen offen sind. So bräuchten die beiden Sportvereine SV 1894 Sachsenhausen und VfL Germania, „die tolle Jugendarbeit leisten“, neue Flächen. Solange diese nicht gefunden seien, könne die SPD der Bebauung der Mainwasen keinesfalls zustimmen. Sportdezernent Markus Frank (CDU) verhandele zwar mit den Vereinen, „aber wir haben da nie ein Ergebnis vorgelegt bekommen“, beklagt Busch.

Zudem sei der Bau der Schule auf den Mainwasen mit einem Eingriff in den Grüngürtel verbunden, „und ich frage mich, wieso die Grünen das plötzlich so locker hinnehmen“, so die Sozialdemokratin. Die Grünen im Römer hatten am Dienstag erklärt, dass sie sich den Bau der Schule auf den Sportplätzen vorstellen könnten, wenn dafür die Gerbermühlstraße an einer Stelle verlegt und das Gebiet zwischen Main und der Straße begrünt werde.

Sportkreis: „Anlage ist tabu“

Eine Erweiterung der Europäischen Schule am bisherigen Standort sieht Busch sehr skeptisch. Sie verweist auf das Schreiben des Bildungsministeriums, in dem diese Variante kritisch gesehen wird.

Die CDU-Fraktion im Römer forderte die SPD am Mittwoch auf, sich an einem „konstruktiven Dialog“ über den Standort Mainwasen zu beteiligen. Das Gelände eigne sich gut, mit der Planung für den Bau der Schule sollte „umgehend begonnen werden“.

Der Sportkreisvorsitzende Roland Frischkorn, der für die SPD im Stadtparlament sitzt, sieht das völlig anders, Die Anlage an den Mainwasen sei „für Schulbau tabu“. Sie müsse zu einem „Sportpark Süd“ ausgebaut werden

Unterdessen hat sich die Bildungsgewerkschaft GEW in die Debatte eingeschaltet. Die Vorsitzenden des Bezirks Frankfurt, Laura Preusker und Sebastian Guttmann, plädierten für den Kaiserlei als Standort für die Schule. Für die dort ursprünglich geplante Multifunktionsarena gebe es „auch andere Standorte“. Markus Frank und Jan Schneider sollten als zuständige Dezernenten diese Lösung „endlich angehen und umsetzen“.

Der ehemalige SPD-Chef Hans-Jochen Vogel ist im Alter von 94 Jahren nach langer Krankheit gestorben.

Kommentare