Nam-Hee Kim gilt als designierte Nachfolgerin von Man-Hee Lee.
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Nam-Hee Kim gilt als designierte Nachfolgerin von Man-Hee Lee.

Kulte in Frankfurt

Was will die Kirche Shinchonji?

  • Silvia Bielert
    vonSilvia Bielert
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Man-Hee Lee, Führer der Shinchonji-Kirche, hält sich für den Heilsbringer. Er versucht seiner Organisation einen seriösen Anstrich zu geben. Prominente spielen dabei eine Rolle.

Wer ist die zentrale Figur der Bewegung und wie ist diese entstanden?
Man-Hee Lee, Jahrgang 1931, war zuerst Baptist, dann Krieger im Koreakrieg und ab 1957 Mitglied der sogenannten Olivenbaum-Heilsbewegung. Zehn Jahre später schloss er sich der Gruppe „Tempel der Hütte des Zeugnisses“ an. Von ihr nahm er das Dogma mit, dass die Bibel aus verschlüsselten Texten bestehe, die nur einer entschlüsseln könne. 1984 wurde er zum Anführer einer kleinen Gruppe ehemaliger Mitglieder der Tempelbewegung. Etwa 50 sollen es am Anfang gewesen sein. Seitdem ist die Zahl der Shinchonji-Mitglieder kontinuierlich gewachsen.

Was verspricht der Anführer seinen Anhängern?
Man-Hee Lee hält sich für den Heilsbringer, mit dem eine neue Zeit anbricht, eine bessere, friedliche Welt. „Neuer Himmel und neue Erde“, das bedeutet Shinchonji. Man-Hee Lee allein habe den Schlüssel, um die Bibel richtig zu verstehen. Indem er das Alte wie das Neue Testament völlig neu deutet, Verse beider Werke aus dem Kontext reißt und neu zusammensetzt, wird er selbst statt Jesus zur Hauptfigur des Neuen Testamentes. Man-Hee Lee nimmt für sich in Anspruch, selbst der Johannes der Offenbarung zu sein und in sich quasi das zu vereinen, was viele Christen unter der Dreifaltigkeit verstehen. Für seine Anhänger ist er der „Versprochene Pastor“, der Überwinder.

Wie sieht die Strategie aus?
Je mehr Mitglieder sie hat, desto mehr Geld fließt in die Kirche – und in Man-Hee Lees Marketing. Denn mit Hilfe zahlreicher kirchennaher Organisationen, die teils nach außen hin nichtreligiösen Charakter haben, betreibt die Shinchonji-Kirche nicht nur aggressive Missionierung, wie Sekten- und Weltanschauungsbeauftragte warnen, sondern veranstaltet auch Friedenskonferenzen und Treffen, die vor allem den Zweck haben, möglichst viele Fotos mit Offiziellen zu sammeln, mit Staatsmännern, Vertretern von Kirchen und Nichtregierungsorganisationen und Prominenten. Sie sollen beweisen, dass die Shinchonji-Kirche und ihre Organisationen seriös sind und sich international für Frieden und Demokratie einsetzen. Unterdessen aber nutzen die Missionierer solche Veranstaltungen auch, um neue Mitglieder zu werben.

Welche Ziele hat sich die Glaubensgruppe gesteckt?
Im Jahr 2000 soll die Kirche weltweit etwa 10 000 Mitglieder gehabt haben, 2014 schon 180 000. Das sind bereits mehr als die für die Erfüllung der Prophezeiung notwendigen 144 000 Priester und Könige in zwölf Stämmen. Die Prophezeiungen der Offenbarung in der Lee’schen Interpretation sind fast alle erfüllt. Die neue Zeitrechnung hat bereits begonnen. Die Auserwählten, die „Versiegelten“, wie er sie nennt, herrschen bereits. In Lees Vorstellung haben sie das mehrstufige Anwerbesystem und alle Bibelseminare durchschritten sowie seine Bibellehre verinnerlicht. Sie gelten als „versiegelt“ und beherrschen den Neuen Himmel und die Neue Erde, die seit 1984 existiert, 1000 Jahre lang. Auf alle anderen wartet die Verdammnis.

Wer könnte auf Man-Hee Lee folgen?
Es ist Nam-Hee Kim, die Vorsitzende der International Women’s Peace Group (IWPG), einer der zahlreichen Tarn- und Frontorganisationen, und „Mutter der Völker“, wie sie Lee selbst nennt.

Quellen: Thomas Gandow; Shinchonji. Ein update zu Lee Man-Hees „Neuem Himmel auf Erden“ der „Shinchonji Kirche von Jesus, der Tempel der Hütte des Zeugnisses“. Oliver Koch/Johannes Lorenz; Shinchonji – „neuer Himmel und neue Erde“. Materialdienst der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen.

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