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Der Comedian Tom Gerhardt spielt Theater in der Frankfurter Komödie in der Neuen Mainzer Straße. 

Komödie

Tom Gerhardt in Frankfurt: Der will doch nur helfen

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Tom Gerhardt gastiert mit „Dinner für Spinner“ in der Komödie Frankfurt.

Sein Name weckt Gedanken an graue Hausmeisterkluft, Kölsches Idiom und Pudelmütze. Und an Dackel. „Der Dackel ist der Philosoph unter den Hunden“, lobpreist Tom Gerhardt das kurzbeinige Tierchen, um das sich das Leben von Hausmeister Krause dreht. Ihn hat der Schauspieler und Komiker in gleichnamiger Serie – Subtitel: „Ordnung muss sein“ – verkörpert, von 1999 bis 2010 lief die Sitcom im Fernsehen. Die Figuren entstammen fast allesamt Tom Gerhardts Film „Voll normaaal“, in der er den bemützten Mofarocker Tommie spielt.

Das sei immer noch „sehr stark drin in den Köppen“, auch mehr als acht Jahre nach der letzten TV-Ausstrahlung „ist sofort der Teufel los, wenn ich mir die Pudelmütze aufsetze“, sagt Gerhardt. Er trägt an diesem Nachmittag weder Mütze noch Hausmeisterjacke, in kleinkariertem Hemd sitzt er unten im Foyer des Frankfurter Boulevard-Theaters „Die Komödie“, wo gerade das Stück „Dinner für Spinner“ geprobt wird. Deswegen ist Tom Gerhardt da. Er spielt die Hauptrolle in der Komödie von Francis Veber, die am heutigen Donnerstag Premiere in Frankfurt feiert.

Doch bevor er sich im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau zu „Dinner für Spinner“ äußert, muss er natürlich ein paar Worte zu Hausmeister Krause sagen, der ja „eigentlich grauenhaft“ sei, „ein fürchterlicher Loser und verzweifelter Kämpfer auf verlorenem Posten“. Ein Spießer, der nach unten tritt und nach oben buckelt und dem sein Dackel Bodo wichtiger ist als seine Kinder Carmen und Tommie, von Gattin Lisbeth ganz zu schweigen. Tom Gerhardt spricht von einer „Spießer-Parodie“, Dieter Krause habe als Kleinbürger ein bisschen was von 70er-Jahre-Ekel Alfred Tetzlaff aus „Ein Herz und eine Seele“, mehr noch vielleicht von Al Bundy aus der US-Sitcom „Eine schrecklich nette Familie“. „Er ist ein tragischer Held, der in all seinen klitzekleinen Unternehmungen scheitert“, sagt Gerhardt. „Wie ein kleiner grauer Käfer, der umherkrabbelt und doch weiß, dass er da nicht herauskommt.“

Das Stück„Dinner für Spinner“ nach Francis Veber feiert am Donnerstag, 31. Oktober, 20 Uhr, Premiere in der Komödie Frankfurt, Neue Mainzer Straße 14-18.

Vorführungen gibt es bis 15. Dezember immmer dienstags bis samstags um 20 Uhr und sonntags um 18 Uhr.

Karten zwischen 22,50 Euro und 33 Euro unter Telefon 069/28 45 80 oder karten-verkauf@diekomoedie.de. myk

www.diekomoedie.de

Ein solcher Antiheld ist auch Matthias Bommes in „Dinner für Spinner“, der im französischen Original „Le Dîner de cons“ François Pignon heißt. Und noch weitere Änderungen hat das Kölner Theater am Dom unter Regie von René Heinersdorff an Francis Vebers Vorlage vorgenommen. Zum Beispiel seien etwa 25 Minuten Text rausgeflogen, sagt Gerhardt. Seit 2017 ist das Ensemble immer wieder mit dem Stück auf Tour, rund 300 Aufführungen habe es in dieser Version deutschlandweit gegeben. „‚Dinner für Spinner‘ ist ein Dauerbrenner, besonders in Nordrhein-Westfalen“, sagt der 61-Jährige. Nun gibt es also das erste Gastspiel in Frankfurt.

Die Geschichte: Der zynische Verleger Peter trifft sich regelmäßig mit seinen schnöseligen Freunden zum Dinner. Dazu laden sie noch ein paar einfältige Idioten ein, über die sie sich beim Essen lustig machen können. Allerdings haben sie nicht mit dem schrulligen Finanzbuchhalter Matthias Bommes gerechnet, der es schafft, Peters Leben binnen Stunden komplett aus den Angeln zu hebeln: Frau weg, Geliebte weg, Steuerfahndung am Hals. „Es ist ein klassisches Thema“, sagt Gerhardt. „Der arme Trottel soll vorgeführt werden – und dreht am Ende den Spieß um.“ Und das ganz ohne Absicht. „Er will ja nur helfen.“

Inspiriert von „Dinner für Spinner“, hat Tom Gerhardt zusammen mit Franz Krause die Komödie „Ketten der Liebe“ geschrieben. Darin tritt Matthias Bommes als Groupie des schnulzigen Softrockers Andy Roth aufs Parkett. Auch damit ist Gerhardt seit diesem Jahr auf Tour.

Und wie schaut es mit neuen Folgen von „Hausmeister Krause“ aus? „Ideen hätte ich schon“, sagt Gerhardt. Aber momentan sei er vor allem froh und glücklich, Theater zu machen. „Die Bühne ist die Mutter aller Dinge“, sagt er. „Wenn du ein Stück auf zehn Quadratmetern erzählen kannst, dann kannst du das auch im Fernsehen oder Kino.“

Aktuell liegt Tom Gerhardt noch ein weiteres Projekt am Herzen: Just ist sein Buch „Mats & Murat“ mit Illustrationen von Karl-Heinz Schrörs erschienen. In Versform erzählt Gerhardt darin von den Missetaten der „Katastrophen-Kids“, die nicht zufällig an „Max und Moritz“ erinnern. „Ich bin ein riesiger Wilhelm-Busch-Fan“, bekennt der Schauspieler. „Ich bewundere die tiefe Ironie und die Gabe, große Wahrheiten in leicht dahinfließenden Versen zu verkünden.“ Apropos Wahrheit: Tom Gerhardt hat übrigens keinen Dackel, sondern „einen spanischen Mischlingshund“.

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