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„Wildvogelfang ist kein Kavaliersdelikt“

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Von: Thomas Stillbauer

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Lockvogel für die Jagd auf Stieglitze. (Foto: Peta)
Lockvogel für die Jagd auf Stieglitze. (Foto: Peta) © Peta

Die Untere Naturschutzbehörde verteidigt den Verzicht auf ein Bußgeld gegen einen Vogeljäger. Peta hatte die Entscheidung kritisiert.

Die Untere Naturschutzbehörde im Frankfurter Umweltamt hat ihre Entscheidung verteidigt, einen Mann nur zu verwarnen, der mindestens einen gesetzlich geschützten Wildvogel in Sachsenhausen eingefangen hatte, und keine Geldbuße zu erheben. Die Tierrechtsorganisation Peta hatte das Vorgehen am Donnerstag scharf kritisiert. Der Mann, der 2021 nach Ansicht der Tierschützer nicht nur einen, sondern zahlreiche Stieglitze fing, um sie zu verkaufen, sei glimpflicher davongekommen als ein Falschparker. „Singvögel aus der Natur einzufangen, ist ein Verbrechen an der Natur und an den eingesperrten Tieren selbst“, konstatierte Peta.

Behördenleiter Volker Rothenburger sagte, er könne den Standpunkt der Tierschützer durchaus nachvollziehen. Jedoch habe das Umweltamt keine andere Wahl gehabt. Laut Staatsanwaltschaft habe dem Mann lediglich das Einfangen eines einzigen Vogels nachgewiesen werden können. Der Bußgeldkatalog sehe dafür eine Sanktion in Höhe von 250 Euro vor, die sich im vorliegenden Fall wegen Fahrlässigkeit um die Hälfte reduziert hätte. Weitere Abschläge seien fällig, wenn der Täter sich als mittellos und einsichtig erweise.

„Das Bußgeld hätte am Ende auf jeden Fall weniger als 100 Euro betragen“, sagte Rothenburger. „Das hätte keine abschreckende Wirkung mehr – es würde eher sogar den Anschein erwecken, dabei handele es sich um ein Kavaliersdelikt.“ Daher habe die Behörde davon abgesehen, ein Bußgeld zu erheben, und es bei der Verwarnung belassen. „Wichtig war uns, dass die Person erfährt: Wir haben sie im Blick.“ Ein nächster Versuch, Vögel zu fangen, wäre dann als Vorsatz zu werten, weil dem Mann inzwischen die Strafbarkeit der Tat klar sein müsse. „Dann hätten wir das Bußgeld deutlich höher ansetzen können.“

Bislang seien keine weiteren Fälle von Wildvogeljagd an den Mainwasen bekannt geworden. Frankfurt wolle für die Zukunft eine Erhöhung des Bußgelds im Katalog anregen, so Rothenburger; die geltende Regelung sei nicht mehr zeitgemäß. ill

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