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Süß sind sie ja. Wildschweinmutter mit Jungen, nicht in Goldstein.
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Süß sind sie ja. Wildschweinmutter mit Jungen, nicht in Goldstein.

Tiere in Frankfurt

Wildschweinplage in Goldstein

  • Thomas Stillbauer
    VonThomas Stillbauer
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Goldstein wird ständig von Wildschweinen umgegraben. Die Bewohner des Viertels sind genervt. Jetzt setzt die Stadt Frankfurt Hoffnung in ein Gutachten.

Mitte März könnte es endlich Klarheit geben. In etwa zwei Wochen erwartet Grünflächenamtsleiter Stephan Heldmann das Gutachten eines unabhängigen tierökologischen Instituts zu einer Frage, die Goldsteiner umtreibt: Was lässt sich dagegen tun, dass Wildschweine ins Wohngebiet im Süden einfallen?

Rouven Krause hat sich mit dem Problem in den vergangenen drei Jahren mehr beschäftigt als sonst jemand in der Stadt. Er kennt praktisch jede Furche, die die Schwarzkittel in die Vorgärten der Wohnhäuser gebuddelt haben. Er hört jede Nacht die Geräusche der Tiere. Er begegnet riesigen Keilern im Dunkeln zwischen geparkten Autos. „Da springen sie drei Meter hoch, wenn so einer plötzlich vor ihnen steht.“

Krause ist keiner, der sich nicht wehrt. Er hat Hunderte Male Kontakt mit der Stadt aufgenommen, damit sie mehr Wildschweine schießt. Er hat die Wohnungsgesellschaft ABG gefragt, wieso der Kinderspielplatz am Ende der Straße Zum Heidebuckel einen Zaun zur Seniorenwohnanlage hat – und zur anderen Seite keinen. Das heißt: Senioren ist der direkte Zugang verwehrt, Wildschweinen steht er offen, und die nutzen ihre Chance auch. Wie zum Hohn mahnt ein Schild, hier sei „weder Hunde- noch Katzenklo“.

„Es sieht hier aus wie in einem Bombenkrater“, sagt der Anwohner. Er meint nicht nur die Wildschweinspuren. Neu hinzugekommen sind städtische Anti-Wildschwein-Maßnahmen: Das Grünflächenamt ließ im Januar großflächig roden, „um die Aufenthaltsqualität für die Vierbeiner zu reduzieren“, sagt Amtsleiter Heldmann. Sprich: Wildschweine sollen keine Deckung finden. Ebenso habe aber die Aufenthaltsqualität der Menschen gelitten, sagt Krause: „Es ist eine Katastrophe, was wir hier sehen.“ In der Tat sieht es wüst aus entlang der Straßenbahnlinie. „Aber die Reparaturen folgen doch“, sagt Heldmann, im Zuge der Frühjahrsarbeiten werde das in Ordnung gebracht, einschließlich der entfernten Bänke.

Das Problem sei der Stadt bewusst, sagt der Grünflächenchef. Nur die Lösung sei eben nicht so einfach. „Wir müssen damit rechnen, dass die Wildschweinpopulation bei uns stabil bleibt – deshalb haben wir ja das Gutachten in Auftrag gegeben, um wirksame Maßnahmen zu finden.“

„Wildschweine haben keine natürlichen Feinde in unseren Wäldern“, sagt Tina Baumann, die Leiterin des Stadtforsts. Auch die meist milden Winter kämen ihnen zupass. Deshalb reagieren die Jäger mit Abschuss: Mehr als 560 Mal knallte es beispielsweise in der Saison 2008. Jetzt, von Mitte 2016 bis Ende Januar 2017, waren es 237 Abschüsse im Wald. Hinzu kamen 17 getötete Schwarzkittel in den Schwanheimer und Goldsteiner Wohngebieten, laut Baumann ebenfalls eine überdurchschnittliche Zahl. „Wir werden weiter auf sehr hohem Niveau jagen“, kündigt sie an.

Ob das den Goldsteinern hilft? die beiden Passanten, die am umgepflügten Wiesenstück vorbeikommen, haben gar nichts gegen Wildschweine. „Ich treffe so viele im Wald, die verhalten sich ganz zahm“, sagt er. Und sie: „Ich werfe ihnen immer Karotten hin.“

Was auch nicht Sinn der Sache sei, sagt Heldmann. Anfüttern und Gartenabfälle liegen lassen, das locke sie an, das sei ein Problem. Und dass die Stadt durchaus eine Verantwortung für den Schutz ihrer Bürger am Waldrand habe. Ob da ein Zaun helfe, werde das Gutachten erweisen.

ABG-Geschäftsführer Frank Junker sagt dazu: „Man kann nicht ein ganzes Stadtquartier einzäunen.“ Zum Wohnen am Waldrand gehöre eben dazu, „dass wir uns mit der Natur arrangieren“. Die Rodungen nennt er „gut und wichtig – eine andere Möglichkeit sehe ich nicht“.

Anwohner sagen, ihnen fehlen Vogelstimmen, seit die Büsche weg sind. Aber die kommen im Frühling vielleicht zurück. Die Wildschweine jedenfalls kommen sicher wieder. „Bizarr“ nennt Rouven Krause das Argument, wer am Wald wohne, müsse mit Wildschweinen rechnen. „Es muss Schutz her“, fordert er.

Ob das mit einem Zaun funktioniert, müsse „in den nächsten Tagen und Wochen geklärt werden“, fordert der stellvertretende Ortsvorsteher Michael Wanka (SPD): „Der Ortsbeirat will, dass das Thema jetzt gelöst wird.“ Ein dürrer halb offener Zaun wie am Heidebuckel-Spielplatz der ABG sei jedenfalls eine unnütze Geldausgabe: „Das bringt gar nichts.“

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