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1943 wurde Valentin Bauscher in dem Haus geboren. Im Nachbarhaus ist der Weinkeller Dünker.

Bornheim

Als die Wildsau den Torwart jagte

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Ein Kulturdenkmal in der Berger Straße wird aufwendig restauriert: Der ehemalige Bauernhof hat viele Geschichten zu erzählen.

Das historische Mehrfamilienhaus auf der Berger Straße 267 machte schon länger einen traurigen Eindruck. Die Wände des klassizistischen Gebäudes sind schmutzig grau, der Putz bröckelt an vielen Stellen ab. Die Fensterläden hängen schief in den Angeln und Graffiti verunstalten die Mauern. Seit kurzem ist das rund 140 Jahre alte Haus eingerüstet. Eigentümer Valentin Bauscher lässt das Kulturdenkmal sanieren.

Bauscher verbindet mit dem Gebäude eine lange Geschichte. Seine Eltern, Maria und Valentin Bauscher senior, kauften das Anwesen 1933. Acht Jahre später kam er im Haus zur Welt. „Damals war es noch ein Bauernhof.“ Seine Eltern hielten an der Berger Straße Pferde, Kühe – und vor allem Ziegen. Wegen deren knödelförmigen Kots sei der Hof früher „Kneddel-Hof“ genannt worden, sagt Bauscher und lacht.

Häufig habe sein Vater, der auch Jäger war, sich Wildtiere gehalten. Im rückwärtigen Teil des Grundstücks, wo Bauscher in den 60er Jahren nachverdichtete, hatte die Familie Gehege. Dort lebten zeitweilig vier Rehe – und ein Wildschwein. „Mein Vater hat das mit Pralinen und Plätzchen gefüttert, das war handzahm.“ Nicht immer jedoch, erinnert sich der 75-Jährige. Einmal habe sein Vater Besuch gehabt vom Bornheimer Torwart Willi Rado, der in den 50er Jahren für den FSV und die deutsche B-Nationalmannschaft gespielt hat.

„Es war Freitag, das war der Badetag für die Wildsau“, erzählt Bauscher. Sein Vater habe den Freund noch gewarnt, dass er das Tier gleich aus dem Gehege lasse, er solle lieber den Hof verlassen. Doch Rado habe abgewinkt und gesagt, „lass die Sau ruhig raus!“. Kaum sei das Gatter offen gewesen, habe das Tier den Fußballer ins Visier genommen. Rado habe sich durch einen Sprung ans Balkongeländer in Sicherheit gebracht und um Hilfe gerufen. Zu Valentin Bauschers Konfirmation wurde die Wildsau geschlachtet.

Inzwischen lebt Bauscher in Bergen-Enkheim. Das Wohnhaus an der Berger Straße steht seit anderthalb Jahren leer. In den vergangenen Monaten hat er die Tapeten von den Wänden geholt und geschaut, in welchem Zustand sich das Haus befindet. Was die Handwerker vorgefunden haben, hat ihn nicht erfreut. Große Teile der Balkenkonstruktionen sind marode. „Das Dach muss fast komplett erneuert werden.“ Im Inneren wurden bereits zahlreiche Hölzer ausgetauscht und Wände neu gemauert. In einem Jahr sollen die gesamten Arbeiten abgeschlossen werden. Voraussichtlich sechs Wohnungen mit jeweils 65 Quadratmetern möchte er vermieten.

Rund 800 000 Euro hat Bauscher für die Sanierung veranschlagt. Er geht aber davon aus, dass es teurer wird. Es müsse umfangreicher saniert werden als zunächst gedacht. „Das ist wie ein Neubau im Stil eines Altbaus.“ Erschwerend komme dazu, dass das Haus denkmalgeschützt ist. Veränderung seien kaum zulässig, so Bauscher. Er dürfen etwa keine Balkone anbringen, die Farben muss er mit der Behörde abstimmen, Wände mit Lehmziegeln ergänzen – das Gebäude wurde in Fachwerkbauweise errichtet. Zu sehen sein werden die Balken aber nicht. „Das ist kein Sichtfachwerk“, sagt Bauscher. Das Haus werde abschließend wieder verputzt. Auch die von der Straße abgewandte Seite, an der er vor einigen Jahren ohne Rücksprache mit der Stadt das Fachwerk hat freilegen lassen.

Bis zu 30.000 Liter Apfelwein  im Keller 

Das Haus 267 ist ein Einzelkulturdenkmal, sagt Heike Kaiser vom Denkmalamt. Das gleiche gelte für das angrenzende Gebäude (Hausnummer 265), in dem der Weinkeller Dünker untergebracht ist. In den 50er Jahren hat Bauscher das Nachbarhaus gekauft und 1997 sanieren lassen. Er geht davon aus, dass die Nummer 267 nach der Sanierung ein ähnliches Äußeres erhalten wird.

Auf der Homepage des Landesamts für Denkmalpflege ist vermerkt, dass das Haus auf dem Grundriss eines älteren Gebäudes steht. Ein Schlussstein des Gewölbekellers verweise auf das Jahr 1768. Das würde auch erklären, warum der Keller größer als das Haus selbst ist. Mehrere Meter ragt er in den Hof hinein. Bis zu 30 000 Liter Apfelwein habe der Wirt der ehemaligen Gaststätte Munderich in der Mainkurstraße dort gelagert, erzählt Hausverwalter Bauscher. Der Gastronom sei mit seinem Vater befreundet gewesen. Jetzt liegt der Gewölbekeller brach. Noch wisse er nicht, was er nach der Sanierung damit anfangen möchte. „Wenn es nicht so teuer wäre, das umzubauen, würde ich ein Lokal reinsetzen.“

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