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Tolle Aussicht: der Blick vom Monte über den Stadtwald.

Frankfurt

Wilder Monte Scherbelino

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Großes Interesse besteht an der Führung durch die Natur auf der ehemaligen Mülldeponie, die normalerweise für die Öffentlichkeit gesperrt ist.

Über den See am Fuße des „Monte Scherbelino“ sprechen sie an diesem Tag viel. Auch Gisela Ruscheweyh. Irgendwie sei der komisch gewesen, sagt sie. Selbst ihre Kinder hätten damals gemerkt, dass irgendetwas nicht recht zu stimmen schien. „Cola-See“ nannte der Volksmund das idyllisch gelegene Gewässer bald schon, der schwarzen Färbung des Wassers wegen. Das war in den 1970er Jahren. Zehn Jahre später wurde das Freizeitgelände auf der ehemaligen Mülldeponie dann jäh über Nacht geschlossen, gänzlich eingezäunt. Denn der See war lediglich die Spitze des Eisbergs. Das gesamte Areal war belastet, eine ökologische Katastrophe. Heute geht es für Gisela Ruscheweyh, das erste Mal seit der Schließung, wieder zum „Monte Scherbelino“, gelegen am Südrand des Stadtwalds.

Geladen dazu hat Umweltdezernentin Rosemarie Heilig in der Reihe „Wilder Sonntag“. Sie will zeigen, wie sich das für die Öffentlichkeit seit zwei Jahrzehnten geschlossene Gebiet entwickelt. Mit einigen Interessierten habe man gerechnet. Gekommen sind über 200. Für sie geht es zunächst durchs Tor. „Betreten verboten“ steht auf verblichenen Schildern daneben. Das Verbotene allerdings ist zunächst wenig spektakulär. Es sieht aus wie überall im Stadtwald. Nach einigen Hundert Metern und einer scharfen Linkskurve aber steht er da, der Monte Scherbelino. 50 Meter hoch. Umgeben von Natur, der hier größtenteils freier Lauf gelassen wird.

Von 1925 bis 1968 sei dort der Müll der Stadt deponiert worden, erklärt Frieder Leuthold vom Frankfurter Umweltamt. Anschließend habe hier die Westernstadt gestanden, ein kleiner Freizeitpark. Nachdem das Gelände dann hermetisch abgeriegelt worden war, begann die Stadt, Trennwände im Boden um den Berg einzuziehen, um das verseuchte Wasser im Inneren der Deponie wie in einer Wanne festzuhalten und abzupumpen. Planen, die über den Berg gestülpt und mit Erde bedeckt wurden, sollen zudem die Vermischung von Regenwasser mit dem Müll verhindern. Der schlummert immer noch unter der Oberfläche. „Es ist auch nicht geplant, den rauszuholen“, sagt Leuthold. Stattdessen solle das Innere trockengelegt werden.

Die Wasserqualität hat sich seitdem erheblich verbessert, wird aber immer noch regelmäßig getestet. Insgesamt zwei Millionen Euro koste die Sicherung der Deponie jährlich, sagt Heilig.

Geld, das investiert wird, um das Gelände wieder zu beleben. Es ist Teil des Projektes „Städte wagen Wildnis“. Dabei gehe es darum, sagt Leuthold, so viel wie möglich nicht zu machen. Bedeutet: Die Natur soll sich das Gebiet zurückerobern. Auf dem 24 Hektar großen Sperrgebiet hätten sich mittlerweile verschiedene Tierarten niedergelassen. Flussregenpfeifer beispielsweise, die unter Artenschutz stünden, sagt Andreas Malten, Biologe vom Senckenberg-Forschungsinstitut, das das Projekt wissenschaftlich begleitet.

Nach ganz oben auf den Gipfel könne man heute nicht gehen, sagt Heilig. Derzeit fänden dort Untersuchungen statt. Im Berginneren gebe es Methan, das vielleicht künftig ins Stromnetz eingespeist werden könnte.

Für die Besucher aber geht es fast bis nach ganz oben. Ein schmaler, steiler Weg zieht sich einmal quer über den Berg, bis zu einer Ebene. Der Blick schweift über den Stadtwald, der sich wie ein Teppich ausbreitet. Und in der Ferne scheint es, als zwängten sich die besonders hohen Spitzen der Frankfurter Skyline vor dem Taunus durch die Walddecke. Derzeit werde überlegt, das Gelände für die Öffentlichkeit Anfang der 2020er Jahre wieder zugänglich zu machen, sagt Heilig.

Am Ende kommt eine Frage noch auf: ob Kinder nicht Schäden vom Spielen auf dem Gelände davongetragen hätten. „Nein“, sagt Heilig. „Ich lebe noch“, sagt ein Mann, der einst auf dem Areal spielte. Die Besucher lachen.

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