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Derzeit sind auf dem Gelände unter anderem zwei Kitas untergebracht.

Schulen in Frankfurt

Wieso findet die Stadt so schwer Standorte für Schulen?

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Die FR beantwortet Fragen zum Thema Schulen in Frankfurt. Es geht um die Gründung von neuen Bildungsstätten, die Unterbringung in Containern und schnelles Bauen.

Löst der neue Schulstandort auf dem Bildungscampus Gallus nun alle Probleme in der Frankfurter Schulentwicklung?
Nein, noch lange nicht. Die Stadt muss in den nächsten Jahren zahlreiche Schulen eröffnen. 16 Schulen sind in Planung und im Bau. Nicht für jede gibt es einen Standort. Ein Gymnasium soll im Osten entstehen, doch keiner weiß wo. Auch eine Grundschule im Ostend ist geplant – noch ohne Standort. Schon im nächsten Jahr soll auch eine neue integrierte Gesamtschule aufmachen, aber es ist noch nicht bekannt, wo sie angesiedelt sein wird.


Wieso ist es schwierig für die Stadt, Standorte für Schulen zu finden?
Es gibt nicht viele geeignete Grundstücke für den Schulbau, sie müssen groß und verkehrsgünstig gelegen sein. Für ein sechs- bis achtzügiges Gymnasium werden um die 30 000 bis 40 000 Quadratmeter veranschlagt. Für solche stadteigenen Grundstücke gibt es auch andere Interessen, etwa für den Wohnungsbau. Viele Areale hat die Stadt auch in der Vergangenheit verkauft. Wenn sie nun neue Grundstücke ankaufen will, dann steht sie in Konkurrenz mit Unternehmen, die oft viel höhere Summen bieten können. 2015 hat die damalige Bildungsdezernentin Sarah Sorge (Grüne) sogar per Zeitungsanzeige nach geeigneten Flächen für Schulen gesucht.

Wo bringt die Stadt aber neue Schulen unter, wenn sie kaum Grundstücke zum Bauen findet?
Mehrfach wurden nun schon Gebäude von Schulen genutzt, die im Begriff sind zu schließen. Die Hauptschulen etwa befinden sich in Auflösung. So ist die neue KGS Niederrad im Domizil der Salzmannschule eröffnet worden. Aber selbst wenn die Stadt glaubt, freie Areale zum Bauen gefunden zu haben, dann kann die Schule dort nicht immer realisiert werden. Wie beim 2014 in Höchst eröffneten Gymnasium Nied: Der geplante Standort lag dann doch zu nah an den Chemiebetrieben, ein Schulbau ist dort verboten. Das Gymnasium Nord soll aus seinem Provisorium in Westhausen nach Bonames-Ost ziehen, aber das dortige Baugebiet steckt in der Planung fest. Im Bildungsdezernat hält man deshalb inzwischen auch nach anderen Standorten Ausschau.

Warum muss die Stadt überhaupt so viele Schulen eröffnen?
Derzeit besuchen rund 63 200 Kinder und Jugendliche eine Schule in Frankfurt. In fünf Jahren werden es laut Prognose 10 000 mehr sein. Angenommen, 30 Kinder besuchen eine Klasse, dann müssen bis dahin 333 neue Klassen eingerichtet werden. Das ist nicht mit einer Erweiterung der bestehenden Schulen aufzufangen. Deshalb muss die Stadt schnell neue Schulen bauen.

Wird ein Großteil der Schüler dann in Containern lernen, weil die schnell aufgestellt werden können?
Sehr wahrscheinlich. Nicht nur sind sie schneller errichtet als ein Neubau – viele Schulen starten ja auch in einem Übergangsquartier, weil die Stadt so schnell kein geeignetes Grundstück zum Bebauen findet. So ein Container ist eben auch schneller wieder abgebaut, wenn er nicht mehr benötigt wird. Gymnasium Nied, Gymnasium Nord, Grundschule im Europaviertel, IGS Kalbach-Riedberg – alle sind in Provisorien gestartet. Auch bestehende Schulen werden mit Containern erweitert werden, um die steigende Anzahl an Schülern unterbringen zu können.

Und wenn die Stadt dann eine Schule baut, kann sie die nicht wenigstens schneller bauen?
Das versucht sie. Am 1. November hat das neue Amt für Bau und Immobilien seine Arbeit aufgenommen. Ein wesentliches Ziel: Städtische Gebäude wie Schulen und Kitas sollen schneller gebaut werden. Die bisher vom Hochbauamt, dem Liegenschaftsamt und Teilen des Stadtschulamts wahrgenommenen Aufgaben sollen dort gebündelt und so effizienter bearbeitet werden.

Wie teuer ist die Baustelle Schule?
Der Bau einer Grundschule kostet etwa 25 Millionen Euro, der einer weiterführenden Schule um die 50 Millionen Euro. Allein für die im gerade aktualisierten Schulentwicklungsplan vorgesehenen neuen Bildungsstätten – zwei Grundschulen, zwei Gymnasien, eine Gesamtschule – ergeben sich Investitionen von mehr als 200 Millionen Euro. Hinzu kommen die Provisorien. Das Gymnasium Nord in Westhausen ist in Holzmodulbauweise gebaut und kostet rund 50 Millionen Euro, eine einfache Pavillonanlage zwischen fünf und 15 Millionen Euro. Davon abgesehen müssen Schulen in Altbauten erweitert und saniert werden – und das kann schnell so teuer wie ein Neubau werden.

Zusammengestellt von Sandra Busch

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