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Wiesbadener Polizeichef wechselt nach Frankfurt

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Von: Georg Leppert

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Stefan Müller ist seit 1981 Polizist.
Stefan Müller ist seit 1981 Polizist. © Boris Roessler/dpa

Stefan Müller übernimmt in den nächsten Tagen die Nachfolge von Gerhard Bereswill .Der 60-Jährige strukturierte zuletzt das SEK um.

Ganz überraschend kam die Entscheidung nicht mehr. Schon mehrfach hatte der hessische Innenminister Peter Beuth (CDU) deutlich gemacht, dass er vom Präsidenten des Polizeipräsidiums Westhessen, Stefan Müller, viel hält. Zuletzt kam Müller die Rolle eines Sonderbeauftragten zur Reform der Spezialeinsatzkommandos zu. Am Dienstag bestätigte das Innenministerium: Müller soll neuer Polizeipräsident in Frankfurt werden. Der dafür notwendige Beschluss im Kabinett soll demnächst fallen. Müller werde dann „im Laufe des Juli“ im Präsidium an der Frankfurter Adickesallee anfangen, teilte das Ministerium mit.

Müller folgt auf Gerhard Bereswill, der im April nach knapp acht Jahren an der Spitze der Polizei in Pension gegangen war. Seitdem führte Bereswills Stellvertreter Björn Gutzeit die Behörde.

Frankfurt: Neuer Präsident musste sich 2021 wegen rassistischer Wortwahl entschuldigen

Müller gilt als Polizist, der selten ein Blatt vor den Mund nimmt und im Zweifel auch durchgreift. Nicht zuletzt deshalb hatte Beuth den 60-Jährigen im vergangenen Sommer eingesetzt, um das Spezialeinsatzkommando (SEK) in Frankfurt neu zu strukturieren. In der Einheit hatte es rechtsextreme und rassistische Chats gegeben, schließlich löste Beuth das SEK sogar auf.

Im vergangenen Jahr geriet Müller selbst in die Kritik, weil er vor Beamten des SEK das N-Wort benutzt hatte. Dafür hatte er sich im Innenausschuss des hessischen Landtags entschuldigt. Sein Sprachgebrauch sei unsensibel und unangebracht gewesen.

Müller hatte selbst Spezialeinsatzkommandos geleitet, etwa bei der Entführung des Frankfurter Geschäftsmanns Jakub Fiszman im Jahr 1996. Er schaute sich die Zustände im Frankfurter Präsidium sehr genau an und machte deutlich, dass sich einiges ändern müsse. Am Ende wurde die Führung fast komplett ausgetauscht, zudem bezog das SEK neue Räume. In der bisherigen Unterkunft habe es „einen zur Schau gestellte Korpsgeist“ gegeben, der einem Neuanfang nicht dienlich sei.

Auch politisch mischte sich Müller schon ein. 2020 etwa forderte er die Stadt Wiesbaden auf, ihr Vorkaufsrecht für Häuser im inneren Westend zu nutzen. Seine Befürchtung: Ansonsten verwahrlosten in dem Stadtteil ganze Häuserzeilen.

Frankfurt: Müllers Karriere begann bei der Mordkommission

Müllers Laufbahn bei der Polizei begann im Oktober 1981. Zehn Jahre lang arbeitete er bei der Frankfurter Mordkommission, dann wechselte er ins Kommissariat zur Bekämpfung von organisierter Kriminalität.

Nach einem Studium an der Polizeihochschule in Münster kam Müller 1996 zum Landeskriminalamt. Später ging er zurück nach Frankfurt, war stellvertretender Leiter der Direktion Süd, wurde dann Chef der Dienststelle am Flughafen, ging wieder zum LKA, wo er eine Sonderkommission nach der Schießerei in einem Eiscafé in Rüsselsheim im Jahr 2008 leitete, war für vier Jahre im Innenministerium angestellt und wurde 2015 Präsident in Wiesbaden. Dort beklagte er zuletzt die zunehmende Zahl von Angriffen auf Polizistinnen und Polizisten. „Wir sind es gewohnt, im Spannungsfeld widerstreitender Interessen zu agieren – trotzdem benötigen wir wieder mehr Wertschätzung und Respekt“, sagte er.

Müllers Wechsel führt zu einer ganzen Reihe weiterer Neubesetzungen. Seinen Posten in Wiesbaden übernimmt Felix Paschek, Vizepräsident am LKA. Björn Gutzeit wechselt von Frankfurt zurück nach Darmstadt und wird Leiter des Polizeipräsidiums Südhessen. Dort war er bis März vorigen Jahres Stellvertreter von Bernhard Lammel, der im Mai in Pension ging.

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