AWO-Affäre

Enge Verflechtungen bei der AWO in Frankfurt und Wiesbaden

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Bei den Kreisverbänden der Arbeiterwohlfahrt gibt es enge Verflechtungen. Für den Verband wird das zunehmend zum Problem.

Update vom 9.12.2019: Gereon Richter lässt seit Donnerstag, 5.12.2019 das Amt des Geschäftsführers der AWO Wiesbaden ruhen. 

Erstmeldung vom 28.11.2019: Aufgeschreckt von den Vorwürfen gegen die Frankfurter Arbeiterwohlfahrt (AWO) sind die Stadtverordneten in Wiesbaden misstrauisch geworden und möchten der Zusammenarbeit mit der AWO Wiesbaden auf den Grund gehen. Im Revisionsausschuss musste Wiesbadens Sozialdezernent jetzt Fragen beantworten. Laut Christoph Manjura (SPD) hat der Sozialhilfeträger in der Landeshauptstadt in den Bereichen Kindertagesstätten und stationäre Pflege alle abgerechneten Leistungen erbracht. Die Projekte für die Arbeit mit Migranten würden noch untersucht. Die Stadt habe bei der Auftragsvergabe die Förderrichtlinien eingehalten, sagt Manjura. Überhöhte Gehälter, wie sie im Fall der Frau des Frankfurter Oberbürgermeisters, Zübeyde Feldmann, gezahlt worden seien, gebe es in Wiesbaden nicht. Die Leistungsverträge würden auf Basis von Erfahrungswerten abgerechnet und gedeckelt. „Ausreißer nach oben sind nicht möglich“, sagte Manjura.

Dass der 37-jährige Politik- und Sozialwissenschaftler Fragen zur AWO beantworten musste, liegt an den engen personellen Verflechtungen der Wiesbadener und Frankfurter AWO. Der Geschäftsführer der AWO Frankfurt, Jürgen Richter, ist ehrenamtlich stellvertretender Vorsitzender der AWO Wiesbaden. Seine Frau, Hannelore Richter, war bis vor kurzem Geschäftsführerin der AWO Wiesbaden und Sonderbeauftragte in Frankfurt. 

Ihr Sohn Gereon Richter ist Geschäftsführer in Wiesbaden. Nach Recherchen des „Wiesbadener Kuriers“ (WK) bekleidet weiteres Spitzenpersonal Doppelfunktionen, und die Kreisverbände zahlen den Hauptamtlichen aus dem jeweils anderen Kreisverband Ehrenamtspauschalen von bis 2400 Euro im Jahr. Die AWO Wiesbaden teilt dazu auf ihrer Homepage mit, dass externe Wirtschaftsprüfer die personelle Verflechtung nie kritisiert hätten. Zudem würden die Kreisverbände bereits seit den 1920er Jahren miteinander kooperieren. Die Zusammenarbeit diene der Qualität.

Auf Antrag der Bündnis-Grünen und der AfD sollen jetzt die Aufträge der Stadt an die AWO unter die Lupe genommen werden. Auch die Kleinstfraktion LKR & ULW reichte einen Fragenkatalog ein, den Manjura bereits beantwortete. Die AWO betreibt in Wiesbaden neun Kindertagesstätten, vier Altenhilfeeinrichtungen, ein Frauenhaus, eine Familienbildungsstätte und Migrationsberatung. Insgesamt überweist die Stadt dem Wohlfahrtsverband dafür fast sieben Millionen Euro, allein für die Kitas 6,5 Millionen.

Manjura war selbst bei der AWO beschäftigt. Wie er der LKR&ULW bestätigt, war er von Mai 2015 bis Juni 2017 Referent der Geschäftsführerin Hannelore Richter. Dem WK zufolge war auch der Ehemann des früheren Oberbürgermeisters Sven Gerich, Helge Gerich, bei der AWO angestellt, im Gebäudemanagement.

Wenn die Frankfurter Arbeiterwohlfahrt verloren gegangenes Vertrauen zurückgewinnen will, braucht sie neues Personal an der Spitze. Ein Kommentar.

Die Awo beschäftigt den Sozialausschuss in Frankfurt – Konfuse Aktenführung und der Ruf nach einer teilweisen Einbehaltung staatlichen Zuschüsse. 

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