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Karin Clemens (54) leitet ein Team von Traumatherapeuten und -psychologen.

Unglücke wie Bus-Unfall in Wiesbaden 

„80 Prozent aller Menschen in Deutschland haben ein Trauma“ 

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Psychologin Karin Clemens weiß, wie man Menschen ansprechen muss, die ein Trauma - wie den neuerlichen schweren Bus-Unfall in Wiesbaden - erlebt haben. 

Ein Bus fährt in eine Gruppe Wartender, wie zuletzt in Wiesbaden passiert, ein Großbrand fordert Opfer, auf einer Baustelle passiert ein schlimmes Unglück: Situationen, die Menschen traumatisieren können, gibt es viele – und sie kommen plötzlich und unerwartet.

„Hilfe muss schnell kommen, Menschen, denen etwas Furchtbares zugestoßen ist oder die etwas Schreckliches erlebt haben, brauchen jemanden, der sich um sie kümmert, und zwar so schnell wie möglich“, sagt Karin Clemens. Betroffene ansprechen, sie weg vom Ort des Geschehens führen, ihnen erläutern, was jetzt gerade geschieht, seien die ersten Aufgaben der Helfer.

Clemens ist Geschäftsführerin bei Human Protect, einer Tochterfirma der R+V-Versicherung, und leitet dort ein Team von Traumapsychologen und -therapeuten. Die 54-Jährige ist Psychologin und war schon bei vielen furchtbaren Ereignissen im Einsatz. In New York nach dem Anschlag auf das World Trade Center, beim Einsturz des Stadtarchivs in Köln, bei Terroranschlägen und Amokläufen.

Bus-Unfall in Wiesbaden: 80 Prozent aller Deutschen in Deutschland haben Trauma 

Ob jemand traumatisiert ist oder nicht, wie groß die Belastungen sind, das ist nicht offensichtlich. Auch jemand, der ein Unglück nur aus der Ferne beobachtet hat - wie zum Beispiel den Bus-Unfall in Wiesbaden, bei dem 23 Menschen verletzt wurden - kann darunter sehr leiden. „Bei manchen kommen dann Dinge aus der Vergangenheit hoch, schlimme Ereignisse, die nicht verarbeitet sind“, sagt Clemens. Eine Frage sei auch, wie groß die Sensibilität eines Menschen sei, wie ausgeprägt seine Empathiefähigkeit, das Mitgefühl für andere.

Manche reagierten auf ein Unglück, indem sie wie Roboter funktionierten, anderen Opfern Hilfe leisteten, geschäftig herumliefen, scheinbar völlig unbeeindruckt vom Geschehen. „Sie sind geschockt, haben die Emotionen abgespalten“, sagt Clemens.

„80 Prozent der Menschen in Deutschland haben mindestens ein traumatisches Erlebnis“, erläutert Clemens. Treffen könne es auch die Rettungskräfte selbst, deshalb sei es wichtig, dass auch diese psychologisch betreut würden. Bei dem Bus-Unfall in Wiesbaden mussten sich die Rettungskräfte zudem auch noch gegen Gaffer zur Wehr setzen. Viele Firmen hätten außerdem Mitarbeiter zu psychologischen Ersthelfern weiterbilden lassen, um auf Unglücke im Betrieb vorbereitet zu sein. Die Berufsgenossenschaften beispielsweise bieten dafür Schulungen an.

Trauma-Bewältigung kann Jahre dauern 

Mitunter sei es nötig, traumatisierte Menschen davor zu bewahren, dass sie ziel- und orientierungslos davonliefen. Auch Ablenkung könne helfen, etwa indem man sie von der Zahl 1000 immer sieben subtrahieren lasse.

Es kann lange dauern, bis ein Trauma bewältigt ist, Wochen, Monate, manchmal Jahre. Menschen können noch lange nach einem Ereignis erkranken, an Erinnerungsattacken leiden, Bilder sehen und Geräusche hören, die nicht weichen wollen.

Auch Karin Clemens selbst muss sich schützen, nimmt Bilder mit, ist berührt. Regelmäßig lässt sie sich von Kollegen supervidieren. „Und ich treibe sehr viel Sport, das hilft“, sagt sie.

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