Christopher Bausch gehören Cinema und Harmonie.  
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Christopher Bausch gehören Cinema und Harmonie.

Corona in Frankfurt

Wiedereröffnung mit Wut im Bauch

  • Claus-Jürgen Göpfert
    vonClaus-Jürgen Göpfert
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Ein Kinobesitzer schimpft wegen der Einschränkungen auf die Landesregierung. Nur wenige Plätze dürfen besetzt werden.

Die Hinweisblätter an den Eingängen wirken schon ein wenig verblichen, so lange hängen sie bereits. „Liebe Kinogäste, da die Sicherheit und Gesundheit unserer Gäste und Mitarbeiter höchste Priorität hat, bleibt unser Kino bis auf Weiteres geschlossen“, lautet der Aushang am großen Kinocenter Metropolis am Eschenheimer Turm. Einige Hundert Meter weiter, an den E-Kinos an der Hauptwache, steht zu lesen: „Zurzeit können wir leider noch keinen verbindlichen Wiedereröffnungstermin nennen.“ Die Corona-Pandemie legt die großen Lichtspielhäuser in Frankfurt seit Mitte März lahm. Doch die Programmkinos Cinema am Roßmarkt, Harmonie in Sachsenhausen und das Filmforum Höchst wagen am heutigen Donnerstag die Wiedereröffnung.

Christopher Bausch, der Besitzer von Cinema und Harmonie, macht allerdings keinen Hehl daraus, dass er stinksauer ist auf die Politiker der hessischen Landesregierung und insbesondere auf die Ministerin für Wissenschaft und Kunst. „Frau Dorn hat die Kinos auf dem Gewissen“, schimpft der Unternehmer. Der Grünen sei es bisher nicht gelungen, „die absurde Fünf-Quadratmeter-Regel“ aus der Welt zu schaffen. Sie fordert, dass rund um einen Besuchersessel fünf Quadratmeter Freiraum gewahrt werden müssen.

Bausch vermag deshalb nur einen Bruchteil seiner Sitze zu nutzen. Im größten Saal des Cinema, im „Lumière“, sind es 47 von 220. Im größten Raum der Harmonie bleiben 41 von 200 Sesseln, die besetzt werden dürfen. „Wirtschaftlich rechnet sich das nicht“, beklagt der Unternehmer. „Es ist eine Katastrophe.“ Hessen sei das letzte Bundesland, in dem diese Abstandsregelung noch gelte. Dennoch sei es für die Kinos überlebenswichtig, nach mehr als drei Monaten Schließung überhaupt Präsenz zu zeigen.

Filme

Cinema, Roßmarkt 7, unter anderem mit „Undine“, 14.30, 17 und 20.15 Uhr.

Filmforum Höchst, Emmerich-Josef-Straße 46 a, 19.30 Uhr „Die Müßiggänger“.

Harmonie, Dreieichstraße 54, unter anderem mit „Die Känguru-Chroniken“, 18 Uhr. jg

Volker Schmidt, der Sprecher des hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst, weiß um die Nöte der Kinobranche. Er kann allerdings nur darauf verweisen, dass das Corona-Kabinett der hessischen Landesregierung sich fortlaufend mit möglichen Lockerungen der Einschränkungen beschäftige. Eine Entscheidung über die Aufhebung der Fünf-Quadratmeter-Regel sei allerdings noch nicht gefallen.

Die Menschen, die von heute an wieder ins Kino gehen wollen, müssen also mit Einschränkungen leben. Wer das Lichtspielhaus betreten möchte, braucht eine Mund-Nasen-Bedeckung. Sie muss getragen werden, bis der Sitzplatz erreicht ist. Die Hände sind vorher zu desinfizieren. An den Kinobars gibt es Getränke nur im Mitnahme-Becher. Das Gleiche gilt im Filmforum Höchst. Dort können von 100 Sitzplätzen nur 24 besetzt werden.

Nach wie vor im Wartestand ist das Programmkino Orfeos Erben in der Hamburger Allee in Bockenheim. Doch dort erscheint jetzt am Horizont zumindest ein Termin für die Wiedereröffnung: der 1. Oktober. Das lange Warten wird mit einem ganz besonderen Werk belohnt: Mit Oskar Roehlers Fassbinder-Drama „Enfant Terrible“.

Bereits seit 19. Juni geöffnet hat das Programmkino Mal Seh’n im Nordend. Es setzt für die Annäherung an das frühere Kinoerlebnis ebenso wie das Cinema auf das romantische Märchen „Undine“ in der Regie von Christian Petzold, mit Paula Beer und Franz Rogowski in den Hauptrollen. In der Harmonie kommen die „Känguru-Chroniken“ auf die Leinwand, die Verfilmung des Kultbuchs von Marc-Uwe Kling. Und das Filmforum Höchst feiert sein Comeback mit klassischen Filmen von Federico Fellini zum 100. Geburtstag des Regisseurs.

Christopher Bausch begann 2004 als junger Unternehmer im Kinogeschäft mit Häusern in Aschaffenburg. 2016 übernahm er die Traditionshäuser Cinema und Harmonie von Harald Vogel. Er verfügt also über einige Erfahrung im Geschäft. Bausch kritisiert, dass das Kino im Überlebenskampf mit der Corona-Pandemie bei der Politik in Deutschland grundsätzlich keinen großen Rückhalt genieße. Branchen wie die Gastronomie, so urteilt er, besäßen eine wesentlich größere Lobby.

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