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Wieder Trubel im Römer

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Von: Timur Tinç, Sandra Busch, Georg Leppert

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FOTO TAGESSATZ © Rolf Oeser

Weltpolitik bestimmt die Reden beim Neujahrsempfang der Stadt Frankfurt, die OB-Wahl die Gespräche in den Hallen

Es ist wie früher. Wie im Januar 2020, vor der verdammten Pandemie. Vor der Tür warten die Menschen in Schlangen. In langen Schlangen. 1200 Gäste sind geladen. Vor dem Kaisersaal drängt sich alles. Und am Bufett werden vor allem Menschen froh, die Fleisch mögen. So war es immer beim Neujahrsempfang der Stadt Frankfurt im Römer, der zuletzt zwei Mal coronabedingt ausfiel. Und so ist es auch am Dienstagabend.

Eines aber ist grundlegend anders als noch 2020. Die erste Rede des Abends hält nicht Peter Feldmann. Der wurde im November als Oberbürgermeister abgewählt. Dafür spricht Nargess Eskandari-Grünberg. Die ist wahlweise amtierende Oberbürgermeisterin oder kommissarische Oberbürgermeisterin oder Bürgermeisterin oder Diversitätsdezernentin. Jedenfalls ist sie erste Rednerin, trägt die silberne Amtskette und spricht zu sehr aktuellen Themen, was die meisten Gäste sehr gut finden.

Da geht es etwa um den Fechenheimer Wald, in dem die Polizei in den nächsten Tagen wohl mit schwerem Gerät anrücken wird. „Wir tragen gemeinsam Verantwortung, dass Auseinandersetzungen, wie sie im Fechenheimer Wald zu erwarten sind, friedlich verlaufen.“ Und es geht um die Krawalle in der Silvesternacht. Eskandari-Grünberg verurteilt die Angriffe auf Rettungskräfte und Polizei. Sie sagt aber auch: „Wenn ein kompliziertes Thema auf kriminelles Verhalten von Jugendlichen und jungen Menschen reduziert wird – und dies auch noch migrant:innenfeindlich und rassistisch – ist das nicht akzeptabel.“

Auch über die großen Krisen in der Welt spricht die Politikerin der Grünen. Über den Iran, wo die Bevölkerung für Menschenrechte kämpfe und der Ruf „Frau, Leben, Freiheit“ den Demonstrierenden Mut mache. Und über die Ukraine, in der es um „nicht weniger als Selbstbestimmung, Toleranz, Frieden und Freiheit“ gehe.

Um die Frankfurter Kommunalpolitik geht es nach den Reden fast überall in den weitläufigen Gängen des Römers. Und über Grüne Soße. Denn die gab es immer in den Vorpandemiejahren – außer in dem Jahr, als es nur Laugenbrezeln gab. Dieses Jahr: „Gibt keine“, sagt Ordnungsdezernentin Annette Rinn (FDP). Und ist etwas enttäuscht. „Handkäse gibt es auch nicht.“ Aber Handkäse hin, Grüne Soße her – für die Ordnungsdezernentin beginnt „das Jahr der Verbesserung“. Im Bahnhofsviertel, in der Ausländerbehörde – „alles wird besser und Yanki Pürsün Oberbürgermeister“. Sieht FDP-Kandidat Pürsün natürlich ähnlich. Verpackt es nur anders: Die Gremien der Stadt sollten mit der Stadtgesellschaft „Hand in Hand einen riesigen Schritt vorangehen“. Mit ihm als Stadtoberhaupt.

Grünen-Parteichefin Julia Frank lacht da nur. Sie ist „optimistisch für die OB-Wahl“. Für die Kandidatin der Grünen, für Manuela Rottmann. Die ist noch ganz im Bann der Rede von Navid Kermani. „Ich wünsche mir, dass die Krisen auf der Welt abnehmen“, sagt Rottmann. Sie hoffe, dass es zumindest in Teilen der Welt die Chance auf Frieden in diesem Jahr gibt.

Auch OB-Kandidatin der Linken, Daniela Mehler-Würzbach, wünscht sich, da alle derzeit fassungslos aufs Weltgeschehen schauten, „Mut zur Veränderung für die Politik.“ Und selbstverständlich, dass „die Frankfurterinnen und Frankfurter bereit sind für eine linke Oberbürgermeisterin“.

Logischerweise wünscht sich Uwe Becker etwas anderes. Dass er, der OB-Kandidat der CDU, „die Chance bekommt, meine Heimatstadt zu gestalten“. Und ja, er würde sich auch freuen, wenn die Frankfurterinnen und Frankfurter ihm bereits im ersten Wahlgang ihr Vertrauen schenken würden. „Frankfurt kann mehr und ich will mehr daraus machen.“ Aber Silvester hat er es erst einmal ruhig angehen lassen, „gemütlich zu Hause“, um auf den Trubel der nächsten Wochen vorbereitet zu sein. Nico Wehnemann (Die Partei) freut sich auch über die Kandidatur Beckers. Wie Peter Feldmann würde er in jedes Fettnäpfchen treten, „das ist großartig für unseren eigenen Bembel-Wahlkampf“.

Der Oberbürgermeisterkandidat der SPD, Mike Josef hofft auf ein ruhigeres Jahr als 2022. Zum einen wegen der weltweiten Krisen, aber natürlich auch weil die Frankfurter SPD durch die Abwahl von Feldmann sich wenig auf das politische Tagesgeschäft konzentrieren konnte. Er wünscht sich Gesundheit und blickt zuversichtlich auf den Wahlkampf.

Auch wenn Volt keinen eigenen Kandidaten oder Kandidatin stellt, sollen im OB-Wahlkampf „inhaltliche Akzente gesetzt werden“, sagt Martin Huber, Fraktionsvorsitzender von Volt. Dass nun eine neue Person ins Amt kommen wird, sei wichtig, um wieder handlungsfähig zu sein. „Fast ein Jahr gab es eine Leerstelle, die nun wieder gefüllt wird“, sagt er. „Das ist positiv.“

Positiv soll auch für Thomas Feda, Geschäftsführer der Tourismus und Congress GmbH, das Jahr werden. Er hat neben Museumsuferfest, Dippemess und Co in diesem Jahr noch das Paulskirchenjubiläum zu organisieren. „Das ist unser Highlight und sind damit ganz gut ausgelastet“, sagte Feda.

Und auch für Annette Rinn dreht sich dann noch alles zum Positiven: Sie hat die Grüne Soße gefunden. Die gibt es doch am Buffet. Bisschen versteckt in einem Krug zwischen Salaten. So kann das Jahr 2023 nun ganz vielversprechend kommen.

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