Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Nur Kreidemarkierungen und das Flatterband deuten noch auf den schweren Unfall hin.
+
Nur Kreidemarkierungen und das Flatterband deuten noch auf den schweren Unfall hin.

Verkehr

Wieder illegales Autorennen in Frankfurt

  • Oliver Teutsch
    VonOliver Teutsch
    schließen

Ein 22-Jähriger aus Kelsterbach rast mit einem 600-PS-starkem Wagen über die Mainzer Landstraße. Dabei werden Fußgänger schwer verletzt.

Bei einem Verkehrsunfall in Griesheim ist am Donnerstagabend ein Fußgänger schwer verletzt worden. Die Polizei ermittelt wegen eines illegalen Autorennens, weil ein 22-Jähriger aus Kelsterbach mit stark überhöhter Geschwindigkeit auf der Mainzer Landstraße unterwegs gewesen sein soll.

Laut Polizei war der 22-Jährige gegen 19.30 Uhr stadtauswärts unterwegs. In Höhe der Mainzer Landstraße 502 überholte er ein anderes, mutmaßlich unbeteiligtes Auto rechts und rammte es dabei. Das touchierte Auto wurde durch den Aufprall in die Straßenbahnhaltestelle Waldschulstraße geschleudert. Dabei wurde ein 51-jähriger Fußgänger frontal erfasst und schwer verletzt.

Der Fahrer des touchierten Fahrzeugs, ein 41-Jähriger, blieb unverletzt, der mutmaßliche Unfallverursacher wurde verletzt ins Krankenhaus gebracht. Wie schwer er verletzt ist, konnte die Polizei am Freitag nicht sagen, da der Mann sich kurz nach der Einlieferung der Behandlung entzogen und das Krankenhaus verlassen habe.

Illegale Autorennen

Juni 2020. Auf der Europaalllee liefern sich zwei 26-Jährige einen Rennen. Eine hochschwangere Frau kann sich noch auf den Bürgersteig retten, die Autos, ein Audi und ein Porsche, kollidieren, der Porsche-Fahrer wird schwer verletzt.

Oktober 2020. Drei Männer fahren auf der A66 bei Hofheim ein Rennen. Bei Tempo 200 kommt es zum Crash, eine unbeteiligt Autofahrerin stirbt.

November 2020. Ein 38-Jähriger beschleunigt in der Oskar-von-Miller-Straße maximal und verliert die Kontrolle über sein hochmotorisiertes Fahrzeug. Ein 27-jähriger Radfahrer und ein 61-jähriger Fußgänger sterben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Mordes.
Januar 2021. Zwei Autofahrer liefern sich ein Rennen im Westend auf der Mainzer Landstraße (Tempo 50). Der 25-jährige Audi-Fahrer wird mit 137, der 22-jährige BMW-Fahrer mit 131 geblitzt.

Februar 2021. Ein 38-Jähriger rast über die Mörfelder Landstraße. An einem Fußgängerüberweg überfährt er zwei Männer, beide sterben. Der Raser wird wenige Tage später in die Psychiatrie eingewiesen.

Februar 2021. Im Rahmen einer Kontrollwoche registriert die Polizei zwei illegale Autorennen. In einem Fall rasen zwei BMW-Fahrer, 19 und 23 Jahre alt, erst mit 120 über die Hanauer Landstraße (Tempo 50), dann mit Tempo 200 über die B8 nach Maintal. ote

Der 51-Jährige erlitt nach Angaben der Polizei vom Freitag schwere Verletzungen am Oberkörper, die aber nicht lebensbedrohlich seien. Die Gegend um die Haltestelle Waldschulstraße gilt als sehr belebt, daher ist es laut Polizei großes Glück, dass bei dem Unfall nicht mehr unbeteiligte Personen verletzt wurden. Der Sachschaden wird auf mehr als 100 000 Euro geschätzt.

Genauere Untersuchungen stehen noch aus, etwa, wie schnell genau der 22-Jährige gewesen ist. Auf dem Abschnitt ist Tempo 50 erlaubt. Die erste Einschätzung zur überhöhten Geschwindigkeit stützt sich auf die Schwere der Schäden an der Straßenbahnhaltestelle und der Fahrzeuge sowie auf die Bremsspuren.

Die Polizei ermittelt bislang wegen eines illegalen Autorennens und wies am Freitag darauf hin, dass es sich nach der Gesetzeslage auch dann um ein illegales Autorennen handeln kann, wenn wie in diesem Fall nur ein Fahrzeug an der Raserei beteiligt ist. Den Fall rechtlich zu bewerten, obliege letztlich der Staatsanwaltschaft. Bei anderen Fällen von Raserei (siehe Infobox) hatte die Staatsanwaltschaft Frankfurt nach dem Sachverständigengutachten und dem Abschluss der Zeugenbefragung ihre erste rechtliche Würdigung korrigiert: im Falle des Rasers auf der Oskar-von-Miller-Straße zu Ungunsten des Rasers, im Falle des Rennens auf der A66 zu Gunsten der Fahrer, gegen die zunächst wegen Mordes ermittelt wurde.

In jedem Fall wird der Crash auf der Mainzer Landstraße die Debatte darum, wie Raserei oder gar illegale Autorennen in der Innenstadt künftig unterbunden werden können, wieder neu anheizen. Im Februar hatte der Verkehrspsychologe Patrick Grieser in einem FR-Interview gefordert, jungen Menschen müsse der Zugang zum Ausleihen teurer und hochmotorisierter Fahrzeuge wieder erschwert werden. Dies sei über das Internet mittlerweile zu einfach möglich.

Laut Polizei war der 22-Jährige am Donnerstagabend mit einem 600 PS starken BMW M8 unterwegs. Das Fahrzeug kostet in der Grundausstattung bereits 165 000 Euro. Da das Unfallfahrzeug eine Münchner Zulassung und ein großer Autovermieter seine Zentrale dort hat, liegt die Vermutung nahe, dass der 22-jährige Kelsterbacher mit einem teuren Leihwagen durch Frankfurt gerast ist.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare