Frankfurter Polizei im Einsatz.
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Frankfurter Polizei im Einsatz.

Frankfurt Kriminalstatistik

Wieder Hauptstadt des Verbrechens

  • Elena Müller
    vonElena Müller
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Gefährlichste Großstadt: Wieder einmal geht der unrühmliche Titel an Frankfurt. Die Polizei hält den Städtevergleich für unseriös.

Die Frankfurter Polizei hat im vergangenen Jahr viel erreicht: Fast sechzig Prozent Aufklärungsquote kann die Kriminalitätsstatistik 2012 der Mainmetropole vorweisen. Damit, 59,9 Prozent aller Straftaten aufzuklären, hatten die Beamten auch alle Hände voll zu tun. Denn die gesamtdeutsche Kriminalitätsstatistik für 2012 weist Frankfurt erneut als die „gefährlichste deutsche Stadt aus“ – auf 100.000 Einwohner entfallen in Frankfurt 16.310 Straftaten.

Das heißt, dass 2012 im Schnitt jeder sechste Frankfurter Opfer einer Straftat wurde. Wie die Online-Ausgabe der Zeitung „Die Welt“ am Sonntag vorab von der Statistik berichtete, die morgen offiziell von Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) vorgestellt wird, bekommt Frankfurt damit auch in diesem Jahr wieder den inoffiziellen Titel „Hauptstadt des Verbrechens“.

Die Frankfurter Polizei bemüht sich dabei in jedem Jahr wieder, die hohen Fallzahlen mit zwei örtlichen Besonderheiten zu rechtfertigen, die es Frankfurt im Vergleich zu anderen Städten schwerer machen. Zum einen werden alle Delikte, die am Flughafen begangen werden, in die Statistik mit eingerechnet, zum anderen zählen auch alle Pendler und Messegäste, die während ihres Aufenthalts in der Stadt einer Straftat zum Opfer fallen, in der Statistik. Laut „Welt“ trägt auch das „berüchtigte Rotlichtviertel“ zu den hohen Fallzahlen bei.

Vergleicht man die Frankfurter Zahlen mit den Daten aus München, der laut Statistik sichersten Stadt Deutschlands, ergibt sich zunächst ein frappierender Unterschied: Kommen in Frankfurt die bereits erwähnten 16.310 Delikte auf 100.000 Einwohner, ist die Zahl in der bayrischen Hauptstadt mit 7153 gerade mal halb so groß. Nach München ist das bayrische Augsburg die zweitsicherste deutsche Stadt. Joachim Herrmann (CSU), Bayerns Innenminister, begründet die niedrigen Fallzahlen in seinem Bundesland mit der „Null-Toleranz-Strategie“ seiner Polizei.

Doch auch in Frankfurt arbeitet die Polizei stets daran, die Aufklärungsquote zu heben. Obwohl die Zahl der angezeigten Straftaten im vergangenen Jahr um 2,8 Prozent gestiegen sei, so sei das doch sogleich ein Beleg für die gute Arbeit der rund 3000 Frankfurter Polizeibeamten, war sich Polizeipräsident Achim Thiel Mitte März bei der Vorstellung der Frankfurter Statistik sicher. Trotz steigender Zahlen in der Gesamtstatistik gingen 2012 die Wohnungseinbruchsdiebstähle zurück – dank der ein Jahr zuvor eigens eingerichteten Tatortgruppe, die sich auf die Erstuntersuchung von Wohnungen spezialisiert hat und damit die Aufklärungsquote gesteigert und als Abschreckung für Banden gedient hat.

Stark gestiegen sind hingegen die Fälle von Wirtschaftskriminalität. Im vergangenen Jahr handelte es sich zwar nur bei drei Prozent aller Delikte in Frankfurt um Fälle der Wirtschaftskriminalität, doch der verursachte Schaden macht immerhin 34,9 Prozent der Gesamtschadenssumme aus. Im Vergleich zum Vorjahr gab es einen Anstieg in diesem Bereich um 2977 Fälle oder 515 Prozent, was hauptsächlich an sogenannten „Abofallen“ liegt. Doch auch hier sind die Frankfurter Beamten erfolgreich. Das heißt: 99,3 aller Betrugsfälle aus dem Bereich Wirtschaftsstraftaten konnten aufgeklärt werden.

Der Frankfurter Polizeipräsident Thiel rechnet damit, dass Wirtschaftsdelikte wie der Anlagenbetrug des Unternehmens S&K, bei dem ein Schadenswert von rund zehn Millionen Euro entstanden ist, die Statistik im nächsten Jahr „verhageln“ werden. Immerhin hätte die steigende Anzahl an Betrugsdelikten zu einer Abnahme der klassischen Eigentumsdelikte wie Diebstahl und Raub geführt, so Thiel.

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