FR-Altenhilfe

Wieder mal zur Eintracht ins Stadion

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Heinrich U. bleiben im Monat 350 Euro zum Leben, für einen Stadionbesuch reicht das nicht.

Ich lebe wie im Knast“, sagt Heinrich U. Er sei fast so eingeschränkt wie in einem Gefängnis. Denn er könne sich kein Alltagsleben mehr leisten. Keinen Kaffee mit Freunden, nicht zum Fußballschauen ins Stadion, und auch Lebensmittel einkaufen, ohne über jeden einzelnen Artikel nachzudenken, geht nicht mehr. Nach Abzug der Miete bleiben Heinrich U. von seiner Rente noch 350 Euro im Monat zum Leben.

Dabei ging es Heinrich U. finanziell nicht immer so schlecht. Er sagt über sich selbst: „Ich habe gut gelebt, ich war jemand.“ Heinrich U. war lange Jahre selbstständig; er führte zuerst einen Imbiss in Darmstadt, dann ein Bistro im Taunus. Auch in Frankfurt hat er einige Jahre lang schnelle deutsche Küche angeboten.

Sein letzter Imbiss ist 2004 abgebrannt, versichert war er nicht. Bis zur Rente schlug sich Heinrich U. dann mit Gelegenheitsjobs durch. Heute schämt er sich für das Leben, das er mit seiner kargen Rente führen kann. Er verheimlicht seine Armut vor Freunden, sogar Verwandte wissen nichts davon. „Wenn mich Bekannte aufforderten, noch etwas mit ihnen zu trinken, sage ich immer, ich hätte keine Zeit“, erklärt U. So muss er nichts für Getränke im Café ausgeben.

Heinrich U. fährt sich durch das frisierte, leicht gegelte Haar. Er achtet auf sein Äußeres, über einer dunklen Anzughose trägt er ein schwarz-weiß kariertes Hemd. Auch im Stadion war U. immer gut angezogen. Als Heinrich U. im Jahr 1967 nach Frankfurt kam, konnte er sich gleich für den Fußball begeistern. „Da habe ich zum ersten Mal die Eintracht gesehen.“

Er ist ihr treu geblieben und ging lange Zeit ins Stadion, jetzt reicht das Geld dafür nicht mehr. Selbst spielen kann der 72-Jährige auch nicht mehr. „Bis vor ein paar Jahren stand ich am Wochenende noch selbst auf dem Platz“, sagt Heinrich U. Jetzt sitzt er die meiste Zeit zu Hause.

Wenn die Dinge des täglichen Bedarfs gekauft sind, bleibt Heinrich U. noch ein bisschen etwas vom Weihnachtsgeld der FR-Altenhilfe übrig. Davon kann er sich vielleicht eine Karte für ein Eintracht-Spiel kaufen oder einen Kaffee mit seinen Freunden trinken. „Ich hätte gerne noch was vom Leben, aber ich kann es mir einfach nicht leisten.“

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