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Frankfurt

Wie Verschwörungsmythen zu Musik werden

  • Andreas Hartmann
    VonAndreas Hartmann
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Die Musiker Christoph Dorner und Kai Prager haben aus Verschwörungstheorien eine sehr hörenswerte CD gemacht

Für diese Musik braucht man Köpfchen, man muss genau zuhören, dann ist das, was die beiden Frankfurter Christoph Dorner, 56, und Kai Prager alias Rabirius, 49, da aufgenommen haben, eine eigenartige Wundertüte voller überraschender Klänge und rätselhafter Töne. Die beiden haben die lange Zwangspause ohne Auftritte dazu genutzt, ihr erstes gemeinsames Album aufzunehmen.

Mit Hilfe der Hessischen Kulturstiftung des Landes ist in den vergangenen Monaten die soeben erschienene CD „Men who lost their heads“ (Menschen, die den Kopf verloren) entstanden, deren Titel ziemlich irreführend ist. Köpfchen braucht die Zuhörerin, braucht der Zuhörer nämlich unbedingt für eine der wohl verrücktesten und versponnensten CDs der letzten Jahre, absolut hörbar und voller Überraschungen.

Denn deren musikalisches Thema dürfte aktuell ziemlich einzigartig sein. Dorner und Prager haben sich als Leitmotiv Verschwörungstheorien vorgenommen. Die wuchern und sprießen gerade, und nichts, was noch so verrückt erscheint, ist zu abstrus, als dass es nicht Anhänger:innen fände. Beide beobachten das mit einer gewissen Faszination, aber auch mit gehöriger Distanz.

„Wir haben in den vergangenen Monaten sehr intensiv die Nachrichten gesichtet“, sagt Prager. „Da gibt es unendlich viele Versionen von Verschwörungstheorien, und Querdenker-Ideen haben einen enormen Zulauf. Die Idee zu der CD kam mir, als ich in der Zeitung ein Foto von Leuten mit Aluhüten entdeckte. Das fand ich erst mal sehr lustig. Aber es ist doch brandgefährlich.“

Lächerlich machen sich die beiden aber nicht über diese Ideen, so absurd sie auch erscheinen mögen, es ist eher der Blick von außen auf diese rätselhafte Welt der Verschwörungstheorien und Querdenker:innen und die Dinge, die manche Menschen für bare Münze nehmen. Die Erde als bewohnter Hohlkörper, die deutsche Kanzlerin oder die englische Königin als kalte Reptilienwesen, Außerirdische oder sonstige Mächte, die den Lauf der Welt steuern – das sind krude Fantasien, die doch den einen oder die andere zutiefst ängstigen. „Dass das grade solchen Zulauf hat, zeugt sicher auch von einem großen Misstrauen gegenüber Politik und Wirtschaft“, vermutet Prager.

Wassertropfen und Froschgequake, Vogelstimmen und sonstige Naturgeräusche verbinden sich mit Flötenklängen (Dorner ist professioneller Querflötist), Stimmengewirr und Alltagsgeräusche mischen sich auf der neuen CD zu seltsamen Rhythmen und Melodien. Man wird das wohl beim Zuhören nicht entschlüsseln können, aber faszinierend ist es doch. „Man muss sich lösen von Vorstellungen, wie Musik sein muss. Auch wir hatten teils ganz unterschiedliche Vorstellungen“, sagt Prager.

Jedes der 18 Stücke des Albums ist einem anderen Verschwörungsmythos gewidmet, etwa den schon erwähnten Echsenmenschen, der Idee, die Erde sei in Wirklichkeit eine Scheibe, oder der angeblichen Zugabe von Drogen im Trinkwasser. „Da gibt es erstaunliche Konstruktionen. Manches fanden wir musikalisch enorm anregend, aber vieles war selbst dafür zu abstrus und brutal, etwa antisemitische oder fremdenfeindliche Verschwörungstheorien. Das haben wir nicht verwenden wollen“, meint Dorner.

In Pandemie-Zeiten war das gemeinsame Arbeiten an den einzelnen Stücken nicht gerade einfach. „Wir haben uns die einzelnen Teile, die wir jeweils zu Hause aufgenommen hatten, immer wieder gegenseitig zugeschickt und überarbeitet“, berichtet Dorner. Musiker:innen aus Ungarn, Holland und Chile beteiligten sich an dem Frankfurter Projekt, der Schauspieler Bernd Gailing sprach Texte ein, Prager mischte die einzelnen Stücke und Teile dann und entwarf schließlich das Design der CD-Hülle.

Immerhin lässt sich so sagen: Die Corona-bedingte Einschränkung bei der Produktion hat zu einer im wahrsten Sinne grenzenlosen neuen Erfahrung geführt.

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