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Reino Schönberger, unser Kollege und Freund.
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Reino Schönberger, unser Kollege und Freund.

Nachruf

Wie Tarzan von Wort zu Wort

  • Thomas Stillbauer
    vonThomas Stillbauer
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Der frühere FR-Redakteur Reino Schönberger ist tot. Er gab den jungen Leuten im Team Orientierung, selbst als ihm die Sprache ein wenig abhandenkam.

Seine Degenhardt-Abende waren berüchtigt. Da trafen sich Verschworene in der Bornheimer Parterrewohnung, es gab Käse, Oliven, Rotwein und Licher Bier, Reino Schönberger legte Schallplatten auf, Franz Josef Degenhardt sang. Wir sollten nicht mit den Schmuddelkindern spielen. Wir waren Kumpane, Sangesbrüder, wir nahmen die Liedtexte auseinander, wickelten sie uns ums Herz, und wer bei der Erinnerung daran nicht leise weint, bei dem weiß ich’s auch nicht.

Für die jungen Schreiberlinge bei der Rundschau war er stets einer der Mount-Rushmore-haften Blattmacher der Stadtredaktion. Drei, vier Männer, die für immer festgewachsen in einer Tischgruppe saßen (sicher auch nachts und an Weihnachten) und die Zeitung regierten. Wehe, jemand hatte „im Rahmen von“ geschrieben oder „stattfinden“. Dann aber! Aber immer herzlich.

Als er davon genug hatte, wechselte Reino Schönberger in die Nachrichtenredaktion und wurde berühmt als Mann hinter der „Rundschau am Abend“, die am frühen Nachmittag erschien. Riesige Überschriften, „Königstein in Flammen“, wenn irgendwo ein Lastwagen auf dem Hügel brannte, und die treffende Arbeitsplatzbeschreibung, die seine jüngeren Kolleginnen und Kollegen noch heute gern zitieren: „aus Krümeln Kuchen backen“.

Reino Schönberger war Fachmann für die Kinks (die besseren Beatles), den Rennfahrer Bernd Rosemeyer und dessen Gedenkstätte an der A5, wo er 1938 mit knapp 430 km/h verunglückt war, für die Eintracht, bemalte Holztafeln, fürs Fotografieren, überhaupt für Kunst, für seinen alten Audi, den er fuhr, bis es nicht mehr ging (eigentlich länger, als es ging). Er war der allerbeste Mittagspausen-Fischbrötchen-Kamerad, den wir je hatten.

Eines Tages fiel er in der Redaktion um. Danach waren seine Buchstaben etwas seltener in der optimalen Reihenfolge, was ihn veranlasste, genau darüber einen Roman zu schreiben, skandalöserweise unveröffentlicht. Mit Reino konnte man vor dem alten Rundschau-Haus in der Eisdiele sitzen, auf ein Baugerüst starren, und er sagte: „Gleich schwingt sich einer wie Zahnarzt von Ast zu Ast.“ Er meinte Tarzan. Aber wir waren uns einig: Mit einem Zahnarzt wäre der Dschungel noch besser bedient gewesen.

Am Donnerstag ist Reino Schönberger im Alter von 71 Jahren gestorben. Wer ihn kannte, ist dankbar, dass es ihn gab.

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