Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Mitglieder der Sikh-Gemeinde verteilen am Hauptbahnhof selbstgemachtes Essen.
+
Mitglieder der Sikh-Gemeinde verteilen am Hauptbahnhof selbstgemachtes Essen.

Frankfurt

Wie Frankfurter Sikhs Hungernden helfen

  • Timur Tinç
    VonTimur Tinç
    schließen

Die Sikh-Gemeinde in Frankfurt verteilt am Wochenende hunderte warme, vegetarische Mahlzeiten an Bedürftige.

Vicky Chandhok und Harisch Sundri standen am Samstagmorgen bereits um sechs Uhr in der Küche. Im Tempel der Frankfurter Sikhgemeinde in Höchst bereiteten die beiden Männer zusammen mit anderen Gemeindemitgliedern in riesigen Töpfen Reis und Kichererbsen zu, die sie im Verlauf des Tages an Hunderte Bedürftige verteilen werden. „Wir waren mit der ersten Lieferung schon um zehn Uhr unterwegs“, berichtet Sundri. Von dort ging es zurück in den Tempel und dann zum Hauptbahnhof. Am Kaisersack wurde das Essen in Papiertüten an Obdachlose verteilt. Dazu gab es eine Banane, einen Muffin, eine Wasserflasche und eine FFP2-Maske. „Die Kluft zwischen arm und reich wächst. Das materielle wird immer mehr und dann sieht man andere Leute, die gar nichts haben. So können wir zumindest ein bisschen zurückgeben“, erklärt Chandhok die Motivation hinter dem Projekt Freie Küche.

Bestellungen vorab

Sikhismus

Sikh bedeutet übersetzt Schüler. Entstanden ist die Sikh-Religion im 15. Jahrhundert im Norden Indiens in der Region Panjab. Religionsgründer ist der Wanderprediger Guru Nanak.

Weltweit hat die Religion rund 27 Millionen Anhänger. In Deutschland leben rund 40 000 Sikhs, im Rhein-Main-Gebiet sind es 12 000. In Frankfurt mit rund 1300 Mitgliedern gibt es zwei Gemeinden, eine Seckbach und eine in Höchst. tim

Nicht nur in Frankfurt, sondern in 13 anderen Städten hat der Sikhverband Deutschland am Samstag bundesweit warme Mahlzeiten verteilt. „Das geht auf unseren Propheten zurück“, erklärt Rupsy Grover. Der Guru Nanak Dev Ji hat im 15. Jahrhundert erstmals das sogenannte Langnar ins Leben gerufen. Bei dieser Freien Küche wurde für alle Menschen, egal welcher Herkunft und Religion, kostenlos gekocht, um den Hunger zu bekämpfen. „Als Corona anfing, haben wir gesehen, dass es einen großen Bedarf gibt und im April das erste Mal so etwas gemacht“, sagt Grover, die zuständig für Öffentlichkeitsarbeit ist. Da am 13. April das Neujahrsfest Vaisakhi war und mit dem einjährigen Jubiläum der Verteilaktion zusammenfiel, „wollten wir das zusammen feiern“, sagt Teamleiterin Reshmina Vij. Im vergangenen Jahr wurden rund 15 000 Mahlzeiten in ganz Deutschland verteilt.

Neben der Verteilaktion am Hauptbahnhof wurde das Essen auch zu Privatpersonen nach Hause gebracht. Einkommensschwache Menschen oder Einrichtungen wie Kinderheime konnten sich vorab per Telefon oder E-Mail melden und das Essen bestellen. „Wir arbeiten aber auch mit Organisationen zusammen“, berichtet Grover. In Frankfurt waren es alleine am Samstag 718. Am Sonntag wurden weitere Mahlzeiten verteilt.

„Es darf keiner vor Hunger schlafen, heißt es bei uns“, erklärt Harisch Sundri. Deshalb gibt es im Gurdwara Sikh Center in Höchst auch rund um die Uhr etwas zu essen für jeden, der es möchte. „Egal in welchem Gebetshaus. Das ist weltweit so“, erklärt Sundri. In Corona-Zeiten sei das natürlich etwas eingeschränkt, aber es ist jemand vor Ort, der einem auch etwas kochen würde, wenn man darum bitte. Immer vegetarisch, wie es der Sikhismus vorsieht. Viele Gerichte sind mit Linsen, Kichererbsen oder es gibt Gemüsecurry. „Wir versuchen, unsere freie Zeit in den Gebetshäusern zu sein und dann auch beim Kochen zu helfen“, sagt Vicky Chandhok.

Und wenn es darum gehe für Menschen Essen zuzubereiten, die weniger als sie selbst hätten, „dann ist die Motivation umso größer“, sagt Sundri.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare